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Zwischen Brüssel und Siofok

Saale-Zeitung

Die Spitzen der Stadt und des Stadtrates waren unterwegs - Kommt eine neue Städtepartnerschaft?

Bad Kissingen. "Wem Gott will die rechte Gunst erweisen...". Wenn das Liedlein stimmt, dann hat es der Herrgott mit Oberbürgermeister Karl Heinz Laudenbach und seiner Rathausspitze in der letzten Woche besonders gut gemeint. Eine Delegation aus Bad Kissingen reiste zuerst nach Brüssel zur EU und anschließend direkt und ohne Zwischenstopp über Wien nach Siofok.

Anlass der Brüssel-Reise war eine Einladung der Europa-Abgeordneten Dr. Anja Weisgerber an Oberbürgermeister Laudenbach, die Fraktionsspitzen und die Referatsleiter gewesen, sich einmal ein unverstelltes Bild von den europäischen Institutionen und ihren Arbeitsweisen zu machen. Und nicht nur das: Vor Ort lässt sich leichter erfahren, welche Zuschüsse es für welche Projekte aus Brüssel gibt. Laudenbach: "Ohne Leader + - das ist ein EU - Förderprogramm - hätte es den Kissinger Hochwasserschutz nicht gegeben. "

Rund 15000 Lobbyisten würden in Brüssel die Interessen ihrer Verbände und Gruppierungen vertreten. Da sei es wichtig, zu wissen, wo man den Fuß in die Türe stellen muss, um nicht zu kurz zu kommen.

Die Kissinger trafen nicht nur mit Dr. Anja Weisgerber zu Gesprächen zusammen, sondern sie hatte weitere Kontakte vermittelt: zu Dr. Ingo Friedrich, dem stellvertretenden Vorsitzenden des EU-Parlaments, zu Mitgliedern der CSU-Fraktion, zu Dr. Rudolf Strohmeier, dem Kabinettschef für Neue Medien, zu Roland Schäfer, dem Leiter des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, und anderen. Und sie trafen eine "alte" Bekannte, Dr. Beate Piewernetz, bis vor kurzem stellvertetende Regierungspräsidentin von Unterfranken und heute Leiterin der Bayerischen Vertretung in Brüssel. In dem Sitzungssaal wird sich im nächsten Jahr die Stadt mit dem Kissinger Sommer vor internationalen Gästen präsentieren. Laudenbach: "Die Gespräche im Stundentakt waren sehr wertvoll. Wir wissen jetzt, wo wir aufschlagen müssen."

Der erste Aufschlag nach diesem Besuch erfolgte am Wiener Flughafen, von wo aus die Reisegruppe nach Siofok weiter fuhr. Das Interesse der Kissinger an der Stadt am Plattensee ist nicht neu und verständlich. Ist sie doch auch ein Kurort, nur etwas größer, der vom Tourismus lebt und in dem in den letzten Jahren viel investiert worden ist. "Vier Großhotels vom Feinsten sind derzeit im Entstehen, zwei neue Thermen wurden gebaut." Die Siofoker waren schon zweimal beim Rakoczy-Fest, das Jugendmusikkorps hat schon zweimal dort aufgespielt. Und private Kontakte gibt es bereits einige.
Die Delegation wurde offiziell von Bürgermeister Dr. Arpad Balazs empfangen, der sich sichtlich über den Besuch freute: "Wir waren uns einig, unter dem Dach der EU ein größeres Projekt gemeinsam zu machen", sagte Laudenbach, ohne allerdings bereits zu präzisieren, wie ein solches Projekt aussehen könnte.
Auch die Mitreisenden waren beeindruckt von dem pulsierenden Leben und der Aufbruchstimmung in der Stadt im Jahre 18 nach der Grenzöffnung, die in Ungarn ihren Anfang nahm. Bürgermeisterin ]ohanna Keul war begeistert von der guten Investitionsstimmung in der Stadt, und Isolde Anstötz meinte, der Besuch sei ein Anfang gewesen, aus dem sich etwas entwickeln könne: "Die EU-Erweiterung geht nach Osten. Da haben wir die Chance, uns zu beteiligen."
Das Partnerschaftskomitee werde eine Städtepartnerschaft unterstützen, wenn der Stadtrat einen entsprechenden Beschluss fasse, meinte Dietrich Försch, Präsident des Bad Kissinger Partnerschaftskomitees.

Und das war der entscheidende Punkt, mit dem sich der Stadtrat in der nächsten Zeit auseinandersetzen muss: mit der Frage, ob eine offizielle Partnerschaft gewünscht wird. Die allgemeine Stimmung im Stadtrat sei sicher positiv. Aber die Konsequenzen müssten genau bedacht werden. Unter Zeitdruck werde in dieser Frage niemand gesetzt: "Wir dürfen nichts übers Knie brechen. Das würde dem diplomatischen Akt schaden." Es ist in der Tat keine Eile geboten: Im Mai kommt Bürgermeister Dr. Arpad Balazs erst einmal zu einem Gegenbesuch nach Bad Kissingen. Dann wird man weitersehen. ta