Main Post, 24. Januar 2011
„Ein guter Kompromiss ist, wenn alle schimpfen“, sagte Anja Weisgerber, Mitglied des Europäischen Parlaments, zu den Schülerinnen des St.-Ursula-Gymnasiums. Was diese Aussage bedeutet, durften die Mädchen zwei Tage lange selbst erleben. Sie nahmen am Planspiel des Informationsbüros München des Europäischen Parlaments teil. Gemeinsam einigten sie sich auf Richtlinien über umweltschonende Energieversorgung – ein Kompromiss zwischen dem Europäischen Rat und dem Parlament.
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Rolle: Atomlobbyist
Am ersten Tag brachten alle ihre Meinungen und Anliegen vor, sie diskutierten über den Klimawandel, Nachhaltigkeit oder Energieversorgung. Dass es nicht immer leicht ist, sich entgegen seiner eigentlichen Einstellung zu äußern, stellte auch Isabell Müller fest: „Es war am Anfang schon schwer“, sagte die Schülerin, die ein Mitglied der Atomlobby spielen musste. Die gleiche Rolle erhielt auch Sarah Klaus, die die Situation ebenfalls als komisch beschrieb. „Aber dann hat man sich schon reingefunden“, erzählte sie.
Jochen Kubosch vom Informationsbüro in München, der das Planspiel vor einigen Jahren ins Leben rief, zeigte sich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Im wahren Leben sei es eher so, dass Richtlinien in letzter Minute scheitern und man noch mal von vorne beginnen muss. Ihm gehe es aber vor allem darum, die Arbeit der EU erfahrbar zu machen.
Diskussionsrunde
Anja Weisgerber, Mitglied im Ausschuss des Europäischen Parlaments für Umwelt, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit, schilderte bei der anschließenden Diskussionsrunde ihre beruflichen Erfahrungen. Das Bestreben der Schülerinnen um einen Kompromiss, sei schon sehr nah an der Realität gewesen, meinte die 34-Jährige. Sie selbst war am so genannten „Klima- und Energiepaket“ der EU beteiligt, das 2009 in Kraft tat. Es beinhaltet Richtlinien für den Emissionshandel oder Erneuerbare Energien. Als die Schülerinnen allerdings erfuhren, wie viele Arbeitsstunden man als EU-Politiker investieren muss, waren sie froh, am Freitagmittag schon nach Hause gehen zu dürfen.
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