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Zwei Frauen nach Brüssel: Anja Weisgerber und Kerstin Westphal schaffen Einzug ins Europaparlament

Auszüge aus Mainpost, 07. Juni 2009

Zwei Frauen vertreten die Region im nächsten Europaparlament: Anja Weisgerber (CSU) und Kerstin Westphal (SPD) schafften erwartungsgemäß den Sprung nach Brüssel, durften nach einem langen Wahlmarathon am Sonntagabend endlich feiern.


„Das Ergebnis fühlt sich super an. Ich bin überglücklich, meine Arbeit in Brüssel fortsetzen zu dürfen“, erklärte Anja Weisgerber am Telefon. Sie war zur CSU-Wahlparty in München, wo die Europakandidaten mit Ministerpräsident Horst Seehofer und Parteifreunden das Ergebnis von gut 50 Prozent feierten. Die CSU stellt künftig acht (bisher neun) Abgeordnete. „Wir sind wieder da. Wir haben das Vertrauen zurückgewonnen als Anwalt der Bürger“, sagte Weisgerber und jubelte über 50,7 Prozent in Unterfranken.

Weisgerber sieht ihren Einsatz der vergangenen fünf Jahre gewürdigt, will künftig genauso engagiert weiterarbeiten. „Ein Schwerpunkt von mir soll die Klimaschutzpolitik bleiben, also mehr Energieeffizienz und mehr erneuerbare Energien.“ Auch das soziale Europa will die Rechtsanwältin voranbringen. „Ich habe diese Themen bewusst besetzt, mit denen sonst Grüne und SPD zu punkten versuchen.“ Die SPD sei untergegangen, auch die Freien Wähler hätten gegenüber der Landtagswahl an Zustimmung verloren. Weisgerber sagte, sie sei „etwas ausgelassen“, wolle den Abend genießen. Am Montag treffen sich alle CSU-Europaabgeordneten. „Und jetzt komme ich endlich dazu, mich auf meine kirchliche Hochzeit zu freuen. Vorbereitungen zu treffen, die wegen des Wahlkampfes liegen geblieben sind.“

Ein lachendes und ein weinendes Auge – so sieht Kerstin Westphal das SPD-Wahlergebnis: „Ich freue mich über das Mandat für Brüssel, habe mein persönliches Ziel erreicht. Die SPD hingegen ist leider nicht an die guten Prognosen herangekommen.“ An den Inhalten, ist die 46-Jährige sicher, habe dies nicht gelegen. „Wir werden weiter dafür kämpfen, von der Wirtschafts- zur Sozialunion zu kommen. Und ich will mich besonders im Arbeitsrecht einsetzen, mich für faire Arbeitsbedingungen und gerechte Entlohnung einsetzen.“

Heute fliegt Westphal zur Fraktionsbildung nach Berlin. Die schwache Wahlbeteiligung führt die Erzieherin auf die fehlende Transparenz der EU zurück. „Es wird eine Aufgabe für mich sein, die Verzahnung zwischen Brüssel und der kommunalen Ebene aufzuzeigen.“ Und eines zumindest sei in Deutschland besser gelaufen als in anderen EU-Ländern: „Bei uns haben die Rechten nichts zu melden gehabt.“

Westphal freut sich im Interesse der Region auf die Zusammenarbeit mit Kollegin Weisgerber. „Zu zweit und mit den großen Parteien im Rücken lässt sich sicher einiges bewegen.“ Anja Weisgeber sieht das ähnlich: „Wir werden ausloten, wo man gemeinsam für die Region kämpfen kann. Denn der Einsatz für meine Heimat ist und bleibt mein Hauptanliegen.“

Zur Person

Anja Weisgerber
Die Rechtsanwältin (33) aus Schwebheim ist seit wenigen Monaten verheiratet und gehört dem Europaparlament seit 2004 an. Sie war dort bisher tätig in den Ausschüssen für Beschäftigung und Soziales, für Umwelt sowie für Binnenmarkt und Verbraucherschutz.

Kerstin Westphal
Die Erzieherin (46) aus Schweinfurt zieht zum ersten Mal ins Europaparlament ein. Die gebürtige Hamburgerin ist verheiratet und hat zwei Kinder (Dora, Mathis). Westphal ist Mitglied der Gewerkschaft ver.di und aktiv in mehreren Schweinfurter Vereinen.