Main Post, 15. November 2010
„Zwei Dinge sind für den Verstand unerklärlich, die Weisheit Gottes und der Wahnwitz des Menschen.“ Mit diesem Zitat von Alexander Pope begann Hilmar Spiegel vom Historischen Arbeitskreis seine Eröffnungsrede. Vor etwa zehn Jahren seien ihm die von Dr. Franz Anton Jäger, ehemaliger Pfarrer von Frankenwinheim, übersetzten original Prozessakten und Verhörungsprotokolle über die Geschichte des Hexenbrennens im 17. Jahrhundert in Franken in die Hände gelangt. Auch sieben Frauen und ein Mann aus Zeilitzheim mussten den Scheiterhaufen besteigen, erzählte er. Hilmar Spiegel, Kurt Scheuering, Alexander von Halem und Dr. Reinhold Holzheid vom Historischen Arbeitskreis beschlossen im Jahr 2001, eine Ausstellung und Dokumentation diesen „Unglücklichen“ zu widmen.
„Die Opfer des Hexenbrennens waren zunächst einmal ganz normale Leute, gerieten dann jedoch durch Neid, Missgunst und vielleicht auch Nachbarschaftsstreit in die Mühlen der Justiz“, so Spiegel weiter. Im Folgenden schilderte er noch das Prinzip der Ausstellung „Die Dorflinde - Zeugin von Glaube und Aberglaube“: Alles, was mit der Freude der Kirchweih zu tun hat, ist mit gelb gekennzeichnet. Das Rot symbolisiert das Feuer der Scheiterhaufen, die Farbe grün steht für das Laubdach und das Wachstum der Dorflinde. Danach eröffnete er die Ausstellung offiziell. Besonders bedankte er sich noch beim Rektor der Grundschule, Manfred Erben, der mit seinen Schülern zum Thema Hexen passende Bilder malte und diese für die Ausstellung zur Verfügung stellte.
Bürgermeister Horst Herbert begrüßte im Alten Rathaus in Zeilitzheim die Gäste. „Ich bin wirklich sehr sehr stolz, dass wir in Zeilitzheim so eine Ausstellung auf die Beine stellen konnten. Dafür gilt mein herzliches Dankeschön Hilmar Spiegel, der mit seinem Team um Kurt Scheuering, Alexander von Halem und Reinhold Holzheid viel Zeit und Herzblut investierte“, sagte Herbert. Besonderer Dank galt Martina Henke aus Zeilitzheim, die das Logo der Ausstellung gestaltet hatte.
Schirmherrin Anja Weisgerber überbrachte in ihrer Rede noch die Grüße des ebenfalls anwesenden Landrats Harald Leitherer sowie die des Bezirksrats Jochen Keßler-Rosa. Sie lobte, wie Bürgermeister Herbert, die hervorragende Ausstellung, für die sie „sehr gerne die Schirmherrschaft übernommen hat“. Außerdem griff sie die Worte des deutschen Jesuiten und Moraltheologen Friedrich Spee von Langenfeld auf, dessen kritische Schriften zu der Europäischen Grundrechtecharta führten. „Ein guter Ansatz wäre, den europäischen Gedanken, bei dem Menschenrechte eine große Rolle spielen, nicht nur zu leben, sondern auch in andere Weltreligionen zu exportieren“, nahm die Europaabgeordnete Bezug auf die Ausstellung.
Nach der offiziellen Eröffnung der Ausstellung stand dann eine Abendveranstaltung im Jagdsaal des Zeilitzheimer Barockschlosses an. Unter dem Titel „Hexen-Litera-Tour“ rezitierten und spielten Hans Driesel, Ingrid Klier und Claudia Müller von der Kleinkunstbühne Schrotturmkeller sowie der Hans Sachs Gruppe Schweinfurt. Reinhold Holzheid vom Historischen Arbeitskreis begrüßte die Gäste mit einem Zitat aus Goethes Ballade „Die erste Walpurgisnacht“.
Diese Abendveranstaltung solle einen Bogen zwischen Glauben beziehungsweise Aberglauben und Hexen oder Magie spannen, erklärte Holzheid. Für den Abend verlangte der Historische Arbeitskreis keinen Eintritt. Stattdessen ging ein kleines Hexenhäuschen durch die Reihen, das mit einer kleinen Spende gefüllt werden sollte. Die Schauspieler begannen anschließend mit ihrem Stück. Hans Driesel stand zumeist am Lesepult und trug Geschichten, Gedichte, Balladen und Erzählungen in einer sehr eindrucksvollen Weise vor. So reichte das Spektrum von Goethes „Zauberlehrling“, den Driesel komplett auswendig wiedergab, über Hintergrundgeschichte Anna Göldis, einer der letzten Frauen, die als Hexe verbrannt wurden, bis hin zu der Zeichentrickfigur der „kleinen Hexe“. Sie erlebt mit ihrem Raben Abraxas allerlei Abenteuer. Ein weiterer Bestandteil des Abends war das so genannte „Hexeneinmaleins“, das die Schauspieler allesamt des Öfteren aufsagten und das den Rahmen des Stückes bildete. Weiterhin kamen auch noch Zitate aus Goethes Faust, aus der Bibel sowie aus Grimms Märchen, die allesamt die Hexe als Verkörperung des Bösen sahen. Andere Schriftsteller gingen sogar noch weiter und bezeichneten den Feuertod als „reinigendes und zugleich strafendes Element“.
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