Fränkischer Tag, 25. August 2008
ENERGIE Beim Umwelttag der Jungen Union am Samstag in Haßfurt wurde deutlich, dass jeder ohne großen Aufwand heute schon Kraftstoff sparen kann. Tüftler und Firmen stellten Techniken und Substanzen vor, die Alternativen zum Erdöl bieten.
Haßfurt – Zwar haben die Benzin- und Dieselpreise seit ihrem traurigen Höchststand Mitte Juli mittlerweile etwas nachgegeben. Dennoch ist Autofahren in der heutigen Zeit für viele fast schon ein luxuriöses Vergnügen. Beim fünften Umwelttag der Jungen Union (JU) am Samstag in Haßfurt ging es deshalb um mögliche Einsparpotenziale. Ganz nach dem Motto „Bewusst mobil: Sprit sparen, Geld sparen, Klima schützen.“
Auf dem Marktplatz in Haßfurt bestand für die interessierten Besucher die Möglichkeit, sich an Ständen zu informieren und im Gespräch mit Experten über alternative Antriebsmöglichkeiten zu unterhalten.
Etwa mit Hilmar Wolf aus Ellertshausen, der in seinem Betrieb in Schwebheim seit 1987 1500 Fahrzeuge auf Pflanzenöl umgerüstet hat und zudem Verbrennungstechnik für Dieselmotoren entwickelt. Und mit dem Betrieb von reinem Pflanzenöl, welches dezentral in der Region angebaut, geerntet und gepresst werden kann, wird nach seiner Darstellung sogar die derzeit gültige Abgasnorm Euro 4 eingehalten. „Der Vorteil liegt ganz klar darin, dass wir den Kraftstoff in der Gegend herstellen können“, machte Wolf deutlich. Gleichzeitig verwies er auf die „vorzügliche“ Energiebilanz des sofort verfügbaren, Kohlendioxid-neutralen Kraftstoffes. „Zurzeit ist es auch noch billiger als Diesel.“ Einziger Haken bei Hilmar Wolf: Er selbst rüstet nur Marken des VW-Konzerns um, wie er einräumte. Die Fahrzeuge können dann unter anderem in Hainert an der Rapsölmühle von Alexander Böhner betankt werden. Böhner produziert täglich etwa 1500 Liter Rapsöl.
„Das persönliche Fahrverhalten ist dabei ausschlaggebend“, Daniela Aigenstuhler, ADAC
Viele Blicke zog ein paar Meter nebenan der Stand des ADAC Nordbayern auf sich. Sowohl Daniela Aigenstuhler als auch ihr Kollege Uwe Haubner machten mit ihrer Aktion „Mobil mit Köpfchen“ darauf aufmerksam, welche einfachen Möglichkeiten es bereits gibt, um den Verbrauch von Pkw mit den bisherigen Antriebstechniken zu senken. „Das persönliche Fahrverhalten ist dabei ausschlaggebend“, betonte Aigenstuhler. 25 Prozent Reduzierung und somit eine gleich hohe Ersparnis wären möglich, wenn der Kofferraum entrümpelt, unnötige Dachträger abmontiert, vorausschauend gefahren und das Auto regelmäßig gewartet wird.
Gespannt warteten die Besucher ebenso wie die Organisatoren sowie die politischen Gäste auf ein ganz bestimmtes Auto: Andreas Klugescheid demonstrierte den ersten 7er BMW, der mit Benzin und mit Wasserstoff betrieben werden kann. „Dieses Auto belegt eindeutig, dass auch ein großes, luxuriöses Auto grüner als alles andere auf der Straße sein kann“, sagte der 38-jährige Pressesprecher der BMW-Group in München und betrieb zugleich kräftig Werbung für die Technologie. Für ihn steht eines fest: Die drei Faktoren Klimawandel, Endlichkeit des Erdöls sowie politische Verfügbarkeit des Erdöls könnten mit dem Thema Wasserstoff angegriffen werden. Luxuriös war indes nicht nur die Ausstattung des Boliden. Auch die technischen Daten (rund 260 PS, Höchstgeschwindigkeit 230 Stundenkilometer, Beschleunigung von Null auf Hundert in 9,5 Sekunden) beeindruckten. „BMW industrialisiert jetzt die Wasserstofftechnologie“, verwies Klugescheid voller Stolz auf die bis dato 100 gebauten Exemplare, die bei insgesamt drei Millionen Kilometern beispielsweise mittels Crashtests sowie mit Kalt- und Warmlanderprobung in Schweden und Kalifornien durch den kompletten normalen Produktentwicklungsprozess gebracht wurden und somit alle Anforderungen erfüllen. „Die Vision vom emissionsfreien Fahren und der nachhaltigen Mobilität können wir im Prinzip darstellen.“ Wann sich allerdings Ottonormalverbraucher ein Wasserstoff-Auto kaufen kann, steht noch nicht fest. Bis dahin bleibt aber noch Zeit, die äußerst magere Tankinfrastruktur auf- und auszubauen. Schließlich gibt es momentan lediglich fünf Möglichkeiten in der ganzen Bundesrepublik, die Autos zu betanken.
„Kein Gegensatz“
Hauptorganisator Steffen Vogel aus Maroldsweisach, der Junge-Union-Bezirkschef, hob hervor, dass Gesundheit und Lebensqualität sowie die Verantwortung für die Schöpfung hohe Güter seien. „Aber Ökologie und Ökonomie sind nach unserer Auffassung kein Gegensatz.“
Europaabgeordnete Dr. Anja Weisgerber aus Schweinfurt, Leiterin des Arbeitskreises Umwelt und Energie, machte sich bei ihren Grußworten stark für „bezahlbare Energie, bezahlbare Benzin- und Dieselpreise“, die in einer mobilen Welt zu den grundlegenden Bedürfnissen gehörten. Gleichzeitig sollten die Umwelt geschützt und das Klima geschont werden. „Der Respekt vor Gottes Schöpfung und die Verantwortung für unsere Kinder und Enkel müssen uns dazu ermutigen, Maßnahmen gegen Umweltverschmutzung und gegen den Klimawandel zu ergreifen“, forderte die 32-jährige Politikerin.
Beim Umwelttag der Jungen Union wurde deutlich, dass, wie der Kreisvorsitzende Sebastian Stastny (Ebern) zu Beginn festegestellt hatte, jeder Bürger durch eine bewusste Mobilität Geld sparen und seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann.
Ralf Naumann