Schweinfurter Tagblatt
Der Bayerische Ministerpräsident im Europa-Wahlkampf auf dem Marktplatz
Schweinfurt: Eine der letzten Stationen des CSU-Europawahlkampfes in Bestbesetzung: Ministerpräsident Edmund Stoiber gab der Stadt gestern ein weiteres Mal die Ehre, Schweinfurt war eine von drei bayerischen Städten, die der Landesvater zu Schlussveranstaltungen besuchte.
Die Polizei war zahlreich, omnipräsent und phasenweise übereifrig. Auch Milchbübchen wurden kontrolliert und auf Pfeifen durchsucht. Auf dem Dachbalkon im Anwesen neben dem Friedrich-Rückert-Geburtshaus jubelten junge Leute dem Ministerpräsidenten nur so zu. Doch die Freude schien nicht ganz echt. Am Ende flatterte da in großer Höhe kein CSU-Bekenntnis mehr, sondern ein Plakat "Keine Studigebühren". Polizei stürmte den Dachbalkon eh´ zur Kontrolle der Dortigen. Aus Sicherheitsgründen, darf man annehmen. Am Ende machte ein Uniformierter ziemlich viele Fotos von den Gästen in der Höhe.
Otto Weichsel, Chef der Stadtinspektion, äußerte sich im Vorfeld wie immer eher nebulös über den Umfang der Sicherheitsvorkehrungen. Mit welchem Aufgebot die Polizei Stoibers Visite sicherte, sagte er nicht. Nur so viel, dass verstärkt inspektionseigene Kräfte im Einsatz waren und auch "von außen" Verstärkung dazu geholt werde. Die grünweißen Busse mit Bamberger Kennzeichen waren ja schon am frühen Nachmittag auf dem Roßmarkt nicht zu übersehen.
Eingeflogen wurde der Landesvater mit dem Hubschrauber auf dem abgesperrten Gelände der Feuerwache am Hainig, von wo ihn seine Leute und Schweinfurter Beamte zum Marktplatz eskortierten. Dort kam Stoiber exakt um 17.17 Uhr an, um eine Rede zuhalten, die exakt eine Stunde später vorbei war.
Die Bayern- und Deutschlandhymne setzten schließlich den feierlichen Schlusspunkt dieser sommerlich warmen CSU-Wahlkampfveranstaltung vor etwa 400 Parteigängern und Gästen.
Vor Stoiber hatten der CSU-Landesgruppenvorsitzende Michael Glos und Generalsekretär Markus Söder zum CSU-Wählen am kommenden Sonntag aufgerufen. Die bekannte Parole lautete erneut: Nur die CSU vertritt Bayern bei der EU, nur sie hat in jeder Region Kandidaten – und Anja Weisgerber ist die "Platzhirschin" für Unterfranken. So drückte es die moderierende "Blondine aus dem Allgäu" aus, die dem unter Sennfelder Klängen nahenden Landesvater etwas unwirklich ihre "coole blaue CSU-Sonnenbrille" auf die Nase drückte, um ihn sodann als "coolen bayerischen Ministerpräsidenten" zu verkaufen.
Nach Stoibers Rede quer durch die Welt, Europa, die Geschichte und wohl sämtliche Politikfelder bekam er vom parteifreund MdL Hans Gerhard Stockinger einen fränkischen Präsentkorb mit Spargel, Rettich und Wein. Der SWL-Stadtrat Stefan Labus überreichte ihm gut 2000 Unterschriften gegen Verschlechterungen im öffentlichen Nahverkehr als Folge bayerischer Sparbeschlüsse. Und die Schonunger SuB-Vertreter gaben ihm ordentlich Papier mit, auf dem steht, dass sie sich mehr Engagement für ihre Altlast-Probleme erbitten.