primaSonntag, 15. September 2011
primaSo: Was passiert wenn Griechenland wirklich pleite geht?
Anja Weisgerber: Über die neusten Meldungen aus Griechenland können wir nicht zufrieden sein. Die Dinge an der Ägäis bewegen sich nicht in die richtige Richtung. So wird das undenkbare inzwischen denkbar. Würde Griechenland tatsächlich zahlungsunfähig, hätte das weitreichende Konsequenzen. Die Gläubiger, wie andere EU-Länder, Banken und Finanzinstitute, müssten zu einem großen Teil auf ihr Geld verzichten. Zudem wäre das Land zeitweise von den Finanzmärkten abgeschnitten und würde keine neuen Kredite mehr bekommen. Damit könnte Griechenland seine laufenden Ausgaben kaum mehr finanzieren. Daneben wäre auch eine Bankenkrise in Griechenland denkbar, da Banken sehr viele Staatsanleihen der Regierung gekauft haben. Wären diese nichts mehr wert, könnten sich die Banken nicht mehr refinanzieren, was wiederum für die griechische Real-Wirtschaft dramatische Folgen hätte. Beispielsweise könnten keine Investitionen mehr getätigt werden, was sich negativ auf den Arbeitsmarkt auswirken würde. Doch wir dürfen Griechenland nicht aufgeben. Wenn die griechische Regierung die Auflagen der EU erfüllt und die dringend notwendigen Strukturreformen umsetzt, dann kann das Land die Wende noch schaffen.
Gleichzeitig müssen wir die Ursachen der Euro-Krise beheben. Die Krise ist in erster Linie eine Krise der nationalen Haushalte. Daher muss die Bekämpfung der hohen Verschuldung an erster Stelle stehen. Viele EU-Länder nehmen diese Verantwortung wahr und setzen national Schuldenbremsen nach deutschem Vorbild durch. Weiterhin haben die Krisenstaaten viele Reformen, z. B. Privatisierungen, oder Sparprogramme zur Konsolidierung der Haushalte auf den Weg gebracht. Der Fehler war, dass der Stabilitäts- und Wachstumspakt in der Vergangenheit aufgeweicht wurde. Dem müssen wir nun entgegenwirken, d. h. den Stabilitätspakt verschärfen sowie in der Wirtschaftspolitik enger und verbindlicher zusammenarbeiten. Dementsprechende Gesetze, die beispielsweise automatische Sanktionen für Schuldenstaaten vorsehen und haushaltspolitischen Schieflagen schon früher entgegentreten, stehen im Europäischen Parlament kurz vor der Abstimmung. Wenn Europa die richtigen Lehren zieht, dann wird es gestärkt aus dieser Krise hervorgehen.