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Warum wird in Brüssel und Straßburg getagt?

Volkszeitung Schweinfurt

SCHWEINFURT Deutschlandweit ist am Montag ein "Europa-Projekttag" an Gymnasien durchgeführt worden. An drei Schweinfurter Schulen - Celtis, OMG und Bayernkolleg - standen Abgeordnete den Schülern der höheren Klassen Rede und Antwort. Das Celtis-Gymnasium hat sich dem Thema aufwändig gewidmet. Normaler Unterricht fand nicht statt. Alle Klassen beschäftigten sich den ganzen Tag mit den Aspekten der Europäischen Union, ihrer Organe und der EU-Politik.

Celtis: Die Sonnenscheinrichtlinie

In den ersten zwei Schulstunden beleuchteten in der Aula die hiesige Europaparlamentarierin Anja Weisgerber (Schwebheim) und der Landtagsabgeordnete Bernd Weiß (beide CSU) Europa aus Brüsseler und bayerischer Sicht. Weisgerber räumte ein, dass viele Europa mit fragwürdigen Hervorbringungen wie der "Sonnenscheinrichtlinie" verbinden, die zum Beispiel regeln wollte, ob ein Bauarbeiter im Sommer noch "oben ohne" (Hemd) schaufeln darf. Diese Vorlage, von der Europäischen Kommission ausgeheckt, habe das Parlament verhindern können. Speziell für Jugendliche wies sie auf den "Europapass" hin, in dem spezielle Qualifizierungen vermerkt werden, und der in allen Mitgliedsländern als Bildungsnachweis anerkannt sei.

Kritisiert werde Europa immer dann und zu Recht, wenn es den Menschen unsinnigerweise in ihr Leben hinein regieren und festlegen wolle, wovon sie etwa krank werden, so der Landtagsabgeordnete Bernd Weiß (Mellrichstadt). Das Subsidiaritätsprinzip müsse in seiner ursprünglichen Auslegung gelten: unten (Landesebene) regeln, was unten regelbar ist und auf höheren Ebenen nur bestimmen, was alle betrifft. Sinnvolle EU-Felder seien die Sicherheit, Wirtschafts- und Zuwanderungspolitik.

Eine Schülerin wollte wissen, warum das Parlament abwechselnd in Brüssel und Straßburg tagt. Aus historischen Gründen, sagte Weisgerber. Bei ihrer Gründung seien die Institutionen der EU auf die sechs Mitglieder aufgeteilt worden. Brüssel bekam den Europäischen Rat, Straßburg das Parlament. An beiden Orten haben die Abgeordneten zu tun, was zu dem berühmten "Wanderzirkus" führt. Frankreich bestehe darauf, dass weiter in Straßburg getagt wird.

Im Olympia-Morata-Gymnasium (OMG) unterhielt der saarländische Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis (FDP) die Schülerinnen der 10. Klassen pädagogisch geschickt mit dem, was Europa sein kann. "Fühlt ihr Euch als Schweinfurter, Franken, Bayern, Deutsche, Europäer?" Als Schweinfurter und Europäer meldeten sich die wenigsten. Chatzimarkakis - er hat seine Wurzeln auf der Griechen-Insel Kreta - wanderte in lockerer Rede, stets Fragen an die Schülerinnen stellend, vom subjektiven Identitätsgefühl über die zunehmende "Internationalisierung" der Familien ("Migrationshintergrund") und sein Spezialgebiet Energie- und Umweltpolitik hin zu seinem Tagesablauf.
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Bild: Waltraud Fuchs-Mauder