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Wahlkampf mit etwas Zucker

Mainpost Ochsenfurt

Gaukönigshofen: Eine Mischung aus Wahlkampf und Grundsatzparolen war der Besuch der Europaabgeordneten Anja Weisgerber (Schweinfurt) beim Partnerschaftsverein. Im Haus der Jugend waren rund 70 Einheimische und ihre Gäste aus der normannischen Partnergemeinde Val d'Odon zusammengekommen, um zu hören, was Weisgerber über die umstrittene Reform der Zuckermarktordnung und die EU-Verfassung zu sagen hatte. Viel diskutiert wurde nicht. Das lag zum einen daran, dass die französischen Gäste klar machten, dass ihr Nein bei der Abstimmung zur EU-Verfassung allein ein Tritt ans Bein der Regierung in Paris hatte sein sollen. Zum anderen blieben die Franzosen ruhig, weil nicht alle von ihnen in Val d'Odon mit Zucker und Rüben zu tun haben. Zudem sind sich generell die Franzosen nicht immer mit den Deutschen einig gewesen, wenn es um Quoten und Einschnitte ging.
Die Themen Zucker, Wein und Bildungssystem standen heuer im Mittelpunkt des Besuches der Franzosen. Sie fuhren am Sonntagabend wieder in ihre Heimat zurück.
Keine Preissenkungen
"Europa braucht eine stabile Landwirtschaft", forderte Anja Weisgerber in Gaukönigshofen. Eine Reform der Zuckermarktordnung sei durchaus notwendig, aber nicht mit den ins Auge gefassten Preissenkungen bei Rüben und Zucker. Die 29-Jährige kritisierte, dass das Europaparlament, in dem sie seit Mitte Juni 2004 sitzt, in dieser Sache nur eingeschränkt mitreden dürfe. Wie mehrfach berichtet, entscheiden allein die EU-Agrarminister über die Reform.
So richtete Weisgerber ihre Kritik auch an Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast - und erhielt viel Applaus von Vertretern der fränkischen Zuckerrübenbauern. Rot-Grün müsse abgewählt werden, forderte die CSU-Politikerin - und war damit mitten im Wahlkampf.

Kritik an Brüssel
Auch Geschäftsführer Dr. Fred Zeller von der Süddeutschen Zuckerrübenverwertungs-Genossenschaft (SZVG) kritisierte die Brüsseler Ideen zur Reform der Zuckermarktordnung. Die Einschnitte seien zu gravierend, allein Top-Erzeuger Brasilien werde von der Liberalisierung profitieren.
Gaukönigshofens Gäste aus Val d'Odon nahmen's zur Kenntnis. Richtig begeistert waren sie allein von der 19-jährigen Isabel Zehnder. Die Jugendvertreterin im Partnerschaftskomitee übersetzte sogar schwierige Passagen souverän und fließend ins Französische. Und das allein mit ihrem im Gymnasium erlernten Vokabular, wie sie am Rande der Veranstaltung sagte. Die Praxis habe sie während eines vierteljährlichen Aufenthaltes in Coutances/Normandie verfeinert.