Bayernkurier
Endspurt für Anja Weisgerber. Die 28-Jährige steht kurz vo rihrem Einzug ins Europäische Parlament. Unterfrankens Spitzenkandidatin tritt auf Platz 4 der CSU-Liste an. Drei Fragen an die künftige EU-Abgeordnete.
Bayernkurier: Weshalb nennen Sie das Europaparlament ein Parlament der Zukunft"
Anja Weisgerber: Bereits heute haben mindestens 60% der in Deutschland verabschiedeten Gesetze ihren Ursprung in Brüssel. In der Agrar- und Umweltpolitik sind es sogar fast 80%. Auf Grund der fortschreitenden Integration steigt die Zahl unserer gemeinsamen Interessen weiter. Gemeinsam werden wir deswegen in Brüssel über wichtige Fragen zu entscheiden haben und das Parlament wird in diesem Prozess als die europäische Volksvertretung eine besondere Rolle einnehmen. Das bedeutet aber auf keinen Fall, dass der Deutsche Bundestag geschwächt werden soll. Eines muss ganz klar sein: Bayern hat über bayerische Interessen zu entscheiden und sonst niemand. Die EU und das Parlament sollten nur in solchen Bereichen zuständig sein, die auf europäischer Ebene besser geregelt werden können. In einem bürgernahen Europa müssen möglichst viele Entscheidungen vor Ort getroffen werden.
Bayernkurier: Welche Bedeutung hat die Europawahl für die jungen Menschen?
Weisgerber: Bei meinen Wahlkampfauftritten spüre ich vor allem bei den jungen Menschen eine besondere Begeisterung für die europäische Integration. Ich finde das gut, denn oft werden die historischen Errungenschaften wie beispielsweise die offenen Grenzen als selbstverständlich wahrgenommen und nicht der EU zugerechnet. Ich versuche die Menschen von der politischen Leistung der EU und ihren Chancen zu überzeugen. Die europäische Idee hat uns Frieden und Stabilität gebracht. Gerade weil ich mir wünsche, dass wir die Erfolgsgeschichte der EU weiter schreiben, finde ich diese Wahl vor allem für junge Menschen besonders wichtig.
Bayernkurier: Was muss im Sinne des europäischen Umweltschutzes verbessert werden?
Weisgerber: Viele Umweltprobleme lassen sich nur auf europäischer und internationaler Ebene lösen. Da Umweltverschmutzung nicht an den Grenzen halt macht, müssen wir sie gemeinsam mit unseren europäischen Nachbarn bekämpfen. Es macht keinen Sinn, dass wir in Deutschland die höchsten Anforderungen im Bereich Luftreinhaltung, Bodenschutz sowie Sicherheitsstandards für Kernkraftwerke erfüllen müssen und in den angrenzenden europäischen Staaten sind die Standards viel niedriger. Wir brauchen europäisch einheitliche Umweltstandards. Damit schützen wir die Umwelt und verhindern aus ökonomischer Sicht, dass deutsche Unternehmen durch strengere Regeln benachteiligt werden. Ich finde auch, es muss Schluss damit sein, dass die grünen Minister Trittin und Künast auf die EU-Vorgaben ständig noch einen draufsatteln. Erforderlich ist zudem eine intensivere grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei der Bekämpfung oder der Behebung der Folgen von Katastrophen wie Hochwasser und Tankerunfällen. Außerdem müssen wir uns noch stärker gemeinsam für den Ausbau nachwachsender Rohstoffe und erneuerbarer Energien als Alternative zu den begrenzten Rohstoffvorkommen einsetzen. Grundsätzlich wünsche ich mir, dass es uns gelingt, die Europäische Union weltweit zum V