Main Post Kitzingen
Dr. Weisgerber sprach über Bedeutung der EU
OCHSENFURT: Viele Herren in Anzug und Schlips und einige Damen gaben sich ein Stelldichein in der Tenne der Kauzen-Brauerei, wo Karl-Heinz Pritzl zur 33. Gesprächsrunde zwischen Wirtschaft und Behörde eingeladen hatte. Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Verbänden nutzten die Gelegenheit zur Begegnung und sahen der Eröffnung einer weiteren Jahreszeit entgegen: der Zeit der Winter-Weiße.
Bayerns Europaminister Eberhard Sinner hatte kurzfristig absagen müssen. Eingesprungen, um über die Bedeutung der EU für Bayern zu sprechen, ist die im Juni neu ins Europa-Parlament gewählte CSU-Abgeordnete Dr. Anja Weisgerber. Sie verhehlte nicht, dass viele beim Stichwort "Europa" zuerst an negative Seiten denken, wie Überregulierung und hohe Kosten. Doch dies sei nur die halbe Wahrheit. Sie beleuchtete Punkte, die als Vorteile zu sehen seien – von der Währung bis hin zum vereinfachten Grenzübertritt. Nicht immer sei die EU an Problemen schuld. Vieles sei "hausgemacht". So werde in Deutschland oft auf EU-Standards "draufgesattelt" wie bei der Ökosteuer. Im Binnenmarkt sah sie Nutzen für den Export-Weltmeister Deutschland. Die Osterweiterung komme Bayern mit seinen exportstarken Unternehmen zugute. Zusammen mit Österreich habe Bayern erreicht, dass die EU-Kommission die besondere Förderwürdigkeit der Grenzregionen zu den neuen Mitgliedsstaaten anerkenne. Eine Sorge, die in der Diskussion zum Ausdruck kam, waren Produktionsverlagerungen in Niedriglohn-Länder. Ihrer Heimatregion möchte sie sich durch Treffen von Interessenvertretern mit EU-Funktionären widmen. So hat sie für nächstes Jahr zusammen mit der IHK unterfränkische Unternehmer nach Brüssel eingeladen und ein Treffen mit Zuckerrübenbauern initiiert.Als die Luft im Saal trocken zu werden drohte, schritt man zum Weißbieranstich. Danach ließ man sich Bier, Schäufele, Klöße und Kraut schmecken. Und im kleinen Kreis kam das eigentliche Gespräch zwischen Wirtschaft und Behörde dann richtig in Gang.