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Vom Neustadter Wasser bis zu Koi-Karpfen

Main-Echo

Europa-Abgeordnete Dr. Anja Weisgerber (Schweinfurt) ist Schirmherrin der 3. nordbayerischen Trinkwassertagung in Burgsinn am 28. und 29. September, zu der rund 1000 Fachbesucher erwartet werden. Zur Einstimmung informierte sich die CSU-Parlamentarierin am Freitag bei der Firma Mösslein Wassertechnik über das Thema Trinkwasser und Hygiene.


Es sei ihr Anliegen, innovative Betriebe zu besichtigen, die etwas mit dem Umweltschutz zu tun hätten, betonte Weisgerber, die im Europa-Parlament dem Umwelt- und Gesundheitsausschuss angehört. Es sei sinnvoll, Umweltpolitik europäisch anzugehen und hohe Standards festzulegen. Dadurch ergäben sich Chancen für innovative deutsche Firmen, die bereits heute mit den strengen deutschen Richtlinien arbeiteten und einen Wissensvorsprung hätten.


»Wir sind bereits weltweit präsent, auch wenn wir nur ein kleiner Betrieb sind«, meinte Geschäftsführer Günter Mösslein. Die Firma gründete er zusammen mit seinem Bruder Klaus und Holger Brandt im Jahr 1990. »Im Jahr 1991 hatten wir nur zwei Kunden. Nur weil wir noch zu Hause bei unserer Mutter wohnten, gibt es uns heute überhaupt noch«, erinnerte er sich.

Heute beschäftigt die Firma 40 Mitarbeiter, darunter zwei Auszubildende im kaufmännischen Bereich, hat über 1000 Kunden in aller Welt, eine Firma in Oklahoma (USA) mit 20 Mitarbeitern und wird ihren Umsatz heuer allein auf dem deutschen Markt voraussichtlich um 20 Prozent steigern. Kernkompetenz der Firma sind Dienstleistungen rund um die öffentliche Wasserversorgung, von der Desinfektion und Reinigung von Trinkwasseranlagen und Rohrleitungen über mobile Desinfektionsanlagen bis hin zur Wasseraufbereitung.

Scheiche wollen höchste Standards

In Neustadt hat das Unternehmen überdies die technische Betriebsführung der öffentlichen Wasserversorgung übernommen. Zu den Kunden der Lohrer Firma gehören unter anderem die Stadtwerke Wilhelmshaven und Paderborn. »Vor wenigen Wochen war ein Scheich aus Dubai bei uns«, erzählte Günter Mösslein. Der Wüstenstaat wolle auch beim Trinkwasser den höchsten Qualitätsstandard erreichen.

Ein neues Geschäft deutet sich für Mösslein in China und Japan an, nachdem ihm ein Geschäftspartner in Hongkong erzählte, die dort weit verbreiteten, teuren Koi-Karpfen fühlten sich viel wohler, weil er die Filter der Teiche mit Mösslein-Produkten chlorfrei reinige und desinfiziere. Das Unternehmen habe jetzt einen chinesischen Internetauftritt, in dem es sich »klares Wasser« nenne. Sein neuestes Gebrauchsmuster führte Mösslein der Abgeordneten gleich vor: einen Verschluss für Überlaufleitungen in Trink- und Brauchwasserkammern.

»Sie haben wirklich eine Nische aufgetan als Dienstleister im Inland und Schrittmacher im Ausland«, bescheinigte CSU-Kreisvorsitzender Klaus Bittermann der Firma. Der innovative Ansatz der Firma zeige sich in ihren vielen Patenten und dem internationalen Einsatz. Die hohe Wasserqualität in Deutschland sei bereits so selbstverständlich geworden, dass sie nicht mehr beachtet werde. In den USA »verfolgt dich das Chlor die ganze Zeit«, berichtete er von amerikanischen Desinfektionsmethoden.

Für europaweite Qualitätsstandards

Oskar G. Weinig (Marktheidenfeld) vom Berufsverband Bayerischer Hygiene-Inspektoren bat Weisgerber, sich für europaweite Qualitätsstandards für das Überwachungspersonal von Trinkwasseranlagen einzusetzen. Selbst in Deutschland gebe es noch Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern. Vereinheitlichungsbestrebungen beim Trinkwasser stehe Deutschland traditionell kritisch gegenüber, weil es um seine hohen Standards fürchte, meinte Anja Weisgerber.