swex, 9. März 2010
Als einer der Ehrengäste fand Sebastian Remelé den Besuch von Stephanie Freifrau von und zu Guttenberg besonders nett. Deren Mann Karl-Theodor weilte direkt vor der Nominierung des Schweinfurter CSU-Kandidaten zur OB-Wahl in der Stadt, kam drei Tage vor den Wahlen nun als Verteidigungsminister wieder hierher. 13 Tage vor der Stichwahl dürfte also für Remelé die Anwesendheit der Gattin ein gutes Omen sein. Die 33-Jährige, eine geborene Gräfin von Bismarck-Schönhausen, kam in ihrer Funktion als Präsidentin der Deutschen Sektion von Innocence in Danger zu einem von der Frauen-Union (FU) Schweinfurt-Land organisierten Benefit-Empfang in die prall gefüllte Kulturhalle nach Grafenrheinfeld.
Innocence in Danger ("Unschuld in Gefahr") ist eine weltweite Bewegung gegen sexuellen Missbrauch von Kindern, insbesondere gegen die Verbreitung von Kinderpornographie durch die neuen Medien. Seit 2003 ist Innocence in Danger e.V. auch in Deutschland tätig. Der ausschließlich durch Spenden finanzierte Verein sorgt für eine zunehmende Thematisierung, klärt auf und fördert Prävention und Intervention. Bevor sich Guttenberg in die Halle zu den insgesamt fast 700 Gästen begab, stellte sie den Medien ausführlich ihre Arbeit für und natürlich die Organisation selbst vor.
Und das nach einem Besuch zuvor im Antonia-Werr-Zentrum, dem ehemaligen Kloster im Wipfelder Ortsteil St. Ludwig, in dem sich seit 1965 eine heilpädagogische Einrichtung für junge Frauen von 12 bis 21 Jahren befindet. Darin werden auch Mädchen betreut, die Missbrauchsopfer waren, was ja generell ein großes Thema in diesen Tagen ist. "Es wurde viel zu lange geschwiegen und geschlafen. Die öffentliche Diskussion ist wichtig. Denn Missbrauch gibt es in jedem Milieu, auch in den oberen", weiß Guttenberg, die in St. Ludwig Mädchen mit glücklichen Gesichtern sah und die Notwendigkeit solcher Einrichtungen betonte. Denn eine junge Damen äußerte sich am Montag gegenüber der Ministergattin in etwa so: "Als ich hier ankam, hat mein Leben neu begonnen!"
Steine und schweigende Mauern sollen der Vergangenheit angehören. Seit fünf Jahren engagiert sich Stephanie zu Guttenberg, selbst Mutter zweier Töchter, für Innocence in Danger. "Vom Wegschauen wird´s nicht besser!", sagt sie und berichtete von einem anonymen Brief einer 87-Jährigen, die ihr schrieb, wie sie vor langen Jahren unter einem sexuellen Missbrauch litt, wie sie sich damals nicht offenbaren konnte. "Heute sind es die Kinder, die sich nicht äußern", so die Präsidentin. Die Gewalt werde immer schlimmer, die Kinder immer jünger. Die Missbrauchszahlen seien ohnehin erschütternt, die Dunkelziffern aber noch enorm höher. Auf jeden bekannten Fall kämen 20 unentdeckte. Kinderpornografie im Internet sei dabei nur eine zusätzliche Ausbeute der Täter. "Wenn nicht jetzt, wann dann? Jetzt sind wir aufmerksam", will zu Guttenberg die allgemeine Diskussion aufgrund der vielen im Nachhinein aufgedeckten Fälle nutzen, "um Druck aufzubauen, auch über die Medien".
Nicht darauf stützen dürfe man sich, dass die zahlreichen Vorfälle in den 50er und 60er Jahren passierten, mittlerweile verjährt sind. Gerade diese Verjährungsfrist gelte es zu verlängern. "Alles, was länger ist als zehn Jahre, ist unterstützenswert!" Dabei seien diverse europäische Nachbarländer in diesem Problembereich bereits wesentlich aktiver als Deutschland. Stephanie zu Guttenberg hofft auf eine nun aufwachende Bundespolitik, fordert beispielsweise eine Fortbildung "für alle Fachkräfte, die mit Kindern zu tun haben".
Ihre Arbeit wolle man mit so einem Benefiz-Empfang "auch auf dem flachen Land bekannt machen", wie es die FU-Kreisvorsitzende Martina Gießübel ausdrückte. Die unterfränkische Bezirksvorsitzende und Europaabgeordnete Dr. Anja Weisgerber sieht darin eine internationale Aufgabe für Europa, den sexuellen Missbrauch zu bekämpfen. Neben Verjährungsfristen müsse man bei hoher Rückfallgefahr der Täter über Sicherheitsverwahrungen nachdenken, den Missbrauch generell nicht auf die Täter fokussieren, sondern sich mehr um die Opfer kümmern. Und bei der Kinderpornografie im Internet sei ein Gesetz zur Sperrung zwar richtig, "gleich ein Löschen der Seiten wäre aber der Königsweg".
Der Erlös der Veranstaltung ging komplett zugunsten Innocence in Danger e.V. Diverse Firmen stellten Speis und Trank zur Verfügung, es gab ein unterhaltsames musikalisches Rahmenprogramm. Alleine an Barspenden sammelten die Verantwortlichen exakt 3465 Euro. Dazu kamen weitere Schecks und Kuverts mit Inhalt, die von den Beteiligten direkt an Stephanie von Guttenberg gingen.
Mehr über die Organisation unter www.innocenceindanger.de