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Umkämpfter Markt der guten Taten

Main Post

Experten diskutieren die Zukunft der Wohlfahrtsverbände
Würzburg: Der Markt der guten Taten ist hart umkämpft und das Geld ist knapp. Was wird in diesen Zeiten aus den Wohlfahrtsverbänden? Sind sie "Auslaufmodelle oder wichtige Partner von morgen", fragte die Caritas sich selbst und andere Experten. Sechs Fachleute diskutierten auf einem Podium in der Würzburger Don-Bosco-Schule: zwei von der Caritas, zwei Politikerinnen, ein Wirtschaftswissenschaftler und der Würzburger Sozialreferent Dr. Peter Motsch, der auch Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft öffentliche und freie Wohlfahrtspflege in Bayern ist.
Wettbewerbsvorteil Kirche? Glaubt man Norbert Feldhoff, dem Vizepräsidenten des deutschen Caritasverbandes, dann ragt sein Verband schon deswegen aus den sozialen Dienstleistern heraus, weil er ein christliches Profil hat und im Gleichschritt mit der katholischen Kirche geht. Einem kühlen Rechner wie dem Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Prof. Dr. Michael Hüther, imponiert das nicht. 83 Prozent der Caritas-Gelder hielt er dagegen, stammen aus dem Staatshaushalt. Hüther hat Zweifel an der effizienten Verwendung und ob bei der Caritas "alles hinreichend organisiert" ist: er bemängelte fehlende Transparenz und kritisierte ungleiche Chancen im Wettbewerb: Die sozialen Wohlfahrtsverbände seien vor privaten Anbietern privilegiert.
Feldhoff und Klaus Diedering, Geschäftsführer des Caritasverbandes für den Landkreis Haßberge, widersprachen, unterstützt von Motsch. Der Sozialreferent beobachtet: Überall, wo es öffentliche Gelder gibt, sind auch Private zu Gange. Die würden aber die Finger von sozialen Unternehmungen lassen, die sich wirtschaftlich nicht rentieren, Kindergärten, Obdachlosenhilfe und Schuldnerberatung zum Beispiel. Da würden sich nur die Wohlfahrtsverbände engagieren, "die halten die Welt zusammen, und sonst gar nichts."
Streben nach Professionalität Alle waren für das Streben nach Qualität und Professionalisierung – sonst könne der Verband die Arbeit nicht leisten, sagte Caritas-Mann Diedering, "die Ehrenamtlichen reichen nicht". Theresa Schopper, Landesvorsitzende der Bündnisgrünen in Bayern, empfahl der Politiker-Kaste, sich aus Verbands-Vorständen zurückzuziehen. Die Wohlfahrtsverbände müssen ihre wirtschaftlichen Interessen wahren, deswegen bräuchten sie Profis an der Spitze.
Feldhoff warnte dagegen vor "allzu ökonomischen Perspektiven. Man muss auch fragen, wer die Opfer sind". Und Dr. Anja Weisgerber, Europa-Abgeordnete der CSU, mahnte, der Wettbewerb dürfe "nicht zu Lasten von Qualität und Flächendeckung gehen".
Wer gut arbeitet, überlebt
Hüther stellte eine Überlegung vor, die allen Anbietern sozialer Dienstleistungen Beine machen würde: Geld, mit dem die Einrichtungen bezuschusst werden, solle direkt an die Betroffenen ausgezahlt werden. Die würden die benötigte Assistenz und Hilfe dann selbst einkaufen. Der Effekt: Wer preiswert gute Arbeitet leistet, überlebt.