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Über die Rote Karte bestimmt weiterhin der Schiedrichter!

Schweinfurter Anzeiger

Die Tour de France – einst eines der größten Sportereignisse des Jahres – verkommt nun vollends zur Farce. Das Doping unbelehrbarer Fahrer und Teams ist der Grund dafür. Dem Thema Doping sowie weiteren Entwicklungen im europäischen Breiten- und Spitzensport widmet sich ein nun veröffentlichtes Strategiepapier (Weißbuch) der EU-Kommission. So empfiehlt sie, den Handel mit verbotenen Dopingsubstanzen genauso wie den illegalen Drogenhandel zu verfolgen – zum Schutz eines sauberen Sports und zum Schutz der Gesundheit der Sportler.

Bereits im vergangenen Jahr konnte ich berichten, dass sich das Europäische Parlament insgesamt gegen europäische Richtlinien und Verordnungen im Sport ausspricht. Die EU-Kommission hat diese Forderung im Weißbuch berücksichtigt. Die EU will nicht in die Autonomie des Sports eingreifen. Und das ist richtig so. Über die Rote Karte bestimmt also auch weiterhin der Schiedsrichter! Aber in denjenigen Bereichen, wo die wirtschaftlichen Aspekte des Sports überwiegen, sollen diese wirtschaftlichen Tätigkeiten der Vereine Regeln unterworfen sein wie andere Dienstleistungen auch.

Ein besonderer Aspekt ist dabei die Vermarktungsstrategie für Fernsehrechte. So nehmen spanische und italienische Spitzenvereine wie AC Mailand und Real Madrid durch die Einzelvermarktung ihrer Spiele bis zu 180 Millionen Euro im Jahr ein. Vereinen in den Ländern mit Zentralvermarktung – zum Beispiel Deutschland, Frankreich und Niederlande – steht dagegen deutlich weniger Geld aus den Fernsehrechten zur Verfügung. Bayern München als „Spitzenverdiener“ in Deutschland erhält zum Beispiel nur etwa 28 Millionen Euro. Die EU-Kommission betont in diesem Zusammenhang die Zentralvermarktung von Fernsehrechten als geeignetes Element eines solidarischen Sportwesens. Vorschreiben will sie diese aus Rücksicht auf die Sportautonomie allerdings nicht.

Es ist wichtig, dass sich die EU mit dem Thema Sport befasst. Denn sportliche Betätigung gehört – abseits vom Spitzensport – zu unserem täglichen Leben. Die Ansätze, die das Strategiepapier zeigt, machen deutlich, dass die EU sportliche Aktivitäten in Europa konstruktiv begleiten will, ohne in die Organisationshoheit der Vereine und Verbände einzugreifen. Das finde ich gut!