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Stephanie zu Guttenberg engagiert sich in Unterfranken gegen Missbrauch

Auszug aus Mainpost, 9. März 2010

Mit ganzem Herzen für Kinder
Ihr eleganter Geschmack ist unverkennbar. Stilsicher und selbstbewusst tritt sie auf dem gesellschaftlichen Parkett auf, glänzt bei Thomas Gottschalk auf der Couch von „Wetten, dass . .?“ oder meistert charmant die Bambi-Verleihung, bei der sie kurzfristig für ihren Mann eingesprungen ist. Montagabend ist sie der Glanzpunkt einer Charity-Veranstaltung der Frauen-Union, Kreisverband Schweinfurt-Land, in der Kulturhalle in Grafenrheinfeld.
Stephanie Freifrau von und zu Guttenberg, Gräfin von Bismarck-Schönhausen, die Ehefrau des Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg, verbreitet Glamour. Auch wenn es um ein ernstes Thema geht, den sexuellen Missbrauch von Kindern. Um Spenden und Sponsoren für die Kinderschutzorganisation „Innocence in Danger“ (Unschuld in Gefahr“) zu sammeln, deren Präsidentin sie seit einem Jahr ist, ist sie nach Grafenrheinfeld gekommen.
(…) Wenn sie über ihre Wohltätigkeitsarbeit spricht, merkt man, wie sehr ihr das Thema sexueller Missbrauch am Herzen liegt. „Ein Thema, über das es sich leichter reden lässt, wäre ohne Frage einfacher. Aber es fehlt auf dem Gebiet so viel Hilfe und ich habe mich dazu verpflichtet, lange bevor mein Mann Minister wurde. Ich bin nicht karitativ tätig geworden, weil das ins Image passt.“ Mit „ganzem Herzen“, viel Zeitaufwand, dem zugkräftigen Namen und ihren weitreichenden Kontakten macht sich Stephanie zu Guttenberg seit drei Jahren stark für die weltweit in 25 Ländern operierende, gemeinnützige Organisation.
(…) Aber den Rummel um ihre Person, so verrät sie, will sie nutzen, um den Verein „Innocence in Danger“ bekannter zu machen. „Sexueller Missbrauch ist das letzte Tabu, dabei sitzt in jedem Klassenzimmer statistisch gesehen mindestens ein Kind, das schon mal sexuell belästigt wurde. Die öffentliche Diskussion über das Thema ist sehr wichtig. Es darf aber nicht nur beim Gerede bleiben. Politik und Gesellschaft müssen handeln. Jetzt.“
Kein Zweifel, Stephanie zu Guttenberg ist eine Stilikone. Und ihr Auftritt hat fast 700 Gäste in die Kulturhalle nach Grafenrheinfeld gelockt. Die Oberfränkin wird mit stehendem Beifall in Unterfranken empfangen, an ihrer Seite die Gastgeberinnen von der Frauen-Union Anja Weisgerber (Bezirksvorsitzende) und Martina Gießübel (Kreisvorsitzende). Die Eindämmung der Kinderpornografie im Internet ist ihr ein wichtiges Anliegen und dazu gehöre das Sperren und Löschen von einschlägigen Seiten, sagt sie. Ebenso temperamentvoll und wortgewandt wie kämpferisch und überzeugend sagt sie: „Das Problem ist nach wie vor nicht gelöst, denn die meisten Server stehen im Ausland, und unsere Polizei hat kein Zugriffsrecht.“ Länder wie Norwegen, Schweden, Finnland oder Dänemark wären viel aktiver und hätten die Kinderpornografie im Netz weitgehend eingedämmt. Gemeinsam mit dem Bundesfamilienministerium, damals noch mit Ursula von der Leyen (CDU) an der Spitze, hat sie eine Expertenkonferenz zu diesem Thema ins Leben gerufen.
„Ich bin nicht karitativ tätig geworden, weil das ins Image passt.“
Stephanie zu Guttenberg in Grafenrheinfeld
Seit zehn Jahren ist Stephanie zu Guttenberg verheiratet, mit Ehemann Karl-Theodor hat sie zwei Töchter, acht und sechs Jahre alt. Die Ernennung ihres Mannes damals zum Bundeswirtschaftsminister vor rund 13 Monaten markiert auch in ihrem Leben einen Wendepunkt – zumindest, was die ihr gewidmete öffentliche Aufmerksamkeit angeht. In einem Interview erzählt sie, dass sie auch früher schon Premieren und Konzerte mit ihrem Mann besucht hat, dass die beiden aber früher kaum fotografiert wurden. Das ist heute ganz anders. Ihre Popularität an der Seite ihres Mannes nutzt die 33-Jährige. „Auch für meine Kinder möchte ich Dinge verändern. Es ist zu lange geschwiegen worden. Wir brauchen Menschen, die genau hinsehen und helfen, sexuellen Missbrauch zu erkennen und zu verhindern. Wir brauchen die breite Bevölkerung.“
Sie ist ein Mensch mit Prinzipien, und wenn sie etwas anfängt, möchte sie es auch zu Ende bringen. Stephanie zu Guttenberg managt das Familienleben, hält ihrem Mann den Rücken frei, begleitet ihn bei offiziellen Terminen und ist für „Innocence in Danger“ unterwegs. Wie sie das alles unter einen Hut bringt, weiß sie manchmal auch nicht. „Ich arbeite manchmal nachts und auch morgens, aber ich habe Prioritäten: Zuerst kommt meine Familie und dann alles andere.“
Ihr Lieblingsprojekt bei „Innocence in Danger“ sind die Kunstwochen für traumatisierte Kinder, die sie selbst ins Leben gerufen hat. Unter der Patenschaft und Anleitung renommierter Künstler erhalten die Kinder und Jugendlichen für eine Woche die Gelegenheit, sich aus ihrem Alltag zu entfernen und Neues auszuprobieren. Geplant ist, dass demnächst auch Mädchen aus dem Antonia-Werr-Zentrum bei Schweinfurt, einem Heim für Mädchen aus schwierigen Verhältnissen, zur nächsten Kunstwoche eingeladen werden. „Hören Sie auf die Signale, die Kinder geben“, appelliert Stephanie zu Guttenberg noch einmal und stellt sich anschließend dem Gespräch mit dem Publikum, lässt sich geduldig mit potenziellen Spendern fotografieren und versichert: „Ich komme wieder.“
Innocence in Danger
Der Verein „Innocence in Danger“ (Unschuld in Gefahr) wurde 1999 anlässlich einer Konferenz unter dem Segel der UNESCO in Paris gegründet. Im September 2003 hat die deutsche Sektion ihre Arbeit aufgenommen. Die Idee ist es, bestehende lokale und überregionale Organisationen zu vernetzen, die gegen sexuellen Missbrauch und pornografische Ausbeutung an Kindern im Internet arbeiten, und so effektiver zu werden. Kontakte zur Wirtschaft sollen Projekte und Präventionsmodelle finanzieren helfen.