Schweinfurter Anzeiger, 05. Oktober 2010
Nach unzähligen Wetterkapriolen mit extremer Hitze im Juni und starken Regenfällen im August erwarten Winzer und Verbraucher gleichermaßen mit Spannung den Weinjahrgang 2010. Mit tatkräftiger Unterstützung der Fränkischen Weinkönigin Melanie Unsleber eröffnete Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner in der vergangenen Woche in der Steillage Randersackerer Pfülben (Lkr. Würzburg) die diesjährige Weinlese.
Viel Handarbeit
„Kein Jahrhundertjahrgang, aber spannend und vielseitig“ bezeichnete Brunner den erwarteten Jahrgang. Da die frühen Sorten wie Müller-Thurgau und Bacchus wegen des vielen Regens stärker von Fäule befallen sind, müssen diese Reben – soweit noch nicht eingefahren – sehr selektiv gelesen werden, was noch mehr Handarbeit verursacht als sonst. Damit werde die Weinlese 2010 eine der differenziertesten und schwierigsten der vergangenen Jahre überhaupt. Doch er sei zuversichtlich, dass es Frankens Winzer dank ihrer Kompetenz und besonderen Fähigkeiten wieder gelänge, viele tolle Tropfen zu kreieren, so der Minister. Während man mit der Qualität der bereits geernteten Reben durchaus zufrieden ist, kann jetzt bereits festgestellt werden, dass der Ertrag heuer unterdurchschnittlich ausfallen wird. Aktuell hoffen die Winzer aber noch auf sonniges Herbstwetter mit warmen Tagen und kühlen Nächten, damit spät reifende Sorten wie Burgunder und Silvaner noch etwas zulegen können.
Fränkische Kulturlandschaft bedroht
Neben Ertrag und Qualität sorgte die von der EU-Kommission für 2018 geplante Aufhebung des Anbaustopps für Wein bei der diesjährigen Weinleseeröffnung für reichlich Gesprächsstoff. Sollte die völlige Freigabe durch die EU erfolgen, befürchten Weinbaupräsident Artur Steinmann und Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, dass Weinberge in Steillagen zugunsten leicht bewirtschaftbarer Flächen aufgegeben würden. Dies würde einen bedeutenden Einschnitt in die fränkische Kulturlandschaft darstellen. Deshalb versprachen Brunner und die bei der Weinlese ebenfalls anwesende Europaabgeordnete Dr. Anja Weisgerber sich in Brüssel und Berlin weiterhin für eine Verlängerung des Anbaustopps für Reben über das Jahr 2018 hinaus stark zu machen.