Rhön-Saalepost, 17. Februar 2009
Da hätte gut mehr als das doppelte an Besucher Platz gefunden, im großen Saal des „Hauses der Begegnung“, als am Samstagvormittag die EU-Abgeordnete Dr. Anja Weisgerber über die EU-Pflanzenschutznovelle und weitere Themen referierte und zu noch viel mehr Themen dann auch direkt Rede und Antwort stand.
In Maria Bildhausen hatten sich ca. 50 interessierte Bürger, zumeist aus dem landwirtschaftlichen Bereich sowie aus dem Fleisch produzierendem und verarbeitendem Gewerbe eingefunden. Vor Ort waren aber auch hochrangige Vertreter der Kommunal- Kreis- und Landespolitik, wie beispielsweise Bayerns Innen-Staatssekretär Bernd Weiss, MdL. Robert Kiesel, Rhön-Grabfled-Landrat Thomas Habermann, Bad Kissingens stellvertretender Landrat Emil Müller und viele mehr.
Hubert Dörr führte in seiner Begrüßung an, dass heutzutage immer mehr Bürokratismus die Landwirte und Handwerksbetriebe überfordere, eine wahre Dokumentationsflut zu bewältigen sei und man mittlerweile 50% der Arbeitszeit im Büro verbringen müsse. Staatssekretär Weiß ging in seinem Grußwort auf die anstehenden Wahlen auf allen Ebenen ein, denen man sich nicht entziehen könne und zu denen alle Vertreter der verschiedenen Berufsfelder eingebunden und aufgestellt werden müssten. Besondere Sorgfalt solle darauf gelegt werden, betonte Weiß, dass trotz allem Bürokratismus der Mensch die Welt in den Händen halten müsse.
Anja Weisgerber, die seit 2004 für Unterfranken als Mitglied im Europäischen Parlament sitzt, ist in den Ausschüssen für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit, Binnenmarkt und Verbraucherschutz, Beschäftigung und soziale Angelegenheiten tätig und setzt sich besonders für unterfränkischer Interessen ein. In ihrem informativen Referat ging sie insbesondere auf die Pflanzenschutznovelle und die Verordnung über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln ein. Weiter referierte sie über die neuen Hygieneregeln, die schon ab 2009 Gültigkeit haben. Sie betreffen viele Betriebe auch in unserer Region und stellen das Fortbestehen so manches Kleinbetriebes aufgrund der vielen Auflagen in Frage. Dabei sei es hier eigentlich nur um die Fortführung bisheriger Vorschriften, in vielen Bereichen habe man sogar flexibler sein wollen. Weiterer Schwerpunkt ihrer Ausführungen war der Durchbruch im Klimaschutz, der verbindliche Ziele für die EU vorschreibt; sowie die Chance der Landwirte als Energiewirte der Zukunft.
Von der engagierten und interessierten Zuhörerschaft wurden dann unter anderem folgende Themen angesprochen: „EU-Standards – Umsetzung nur in Deutschland?“; „Mindestmarktzugang“; „Mediendarstellung verbessern“; „Forderung, auch Drittländer, die in EU-Markt einsteigen wollen, müssen sich nach den hier gültigen Standards richten“; „Behebung des überbordenden Bürokratismus und Verwaltungswahnsinns in deutschen Behörden, die alle EU-Gesetze noch auf die Spitze treiben“.
In der sehr engagiert geführten Diskussion ging die EU-Abgeordnete auf die Fragen und Klagen ausführlich ein und sicherte zu, sich an den zuständigen Stellen für Verbesserungen und Vereinfachungen starkzumachen. Sie stimmte teilweise sogar mit in die Klagen ein und teilte mit, dass man auch in Brüssel diese Problematik erkannt habe und Kontrollmechanismen einrichten will.
Mit der Aufforderung, die Europawahlen ernst zu nehmen, seine Stimmen abzugeben, unser Europa, das wesentlich mehr ist als nur Gesetze und deren Auslegung, nicht aus dem Blick zu verlieren, schloss Weisgerber und legte den Anwesenden ans Herzen: „Nur wer wählen geht, entscheidet mit!“