Die Kitzinger, 27. September 2010
Der Forschungsstandort Unterfranken soll gestärkt werden. Dazu haben jetzt die Hochschulen für angewandte Wissenschaften (Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt und FH Aschaffenburg) sowie die Julius-Maximilians-Universität Würzburg ein Positionspapier verabschiedet. Die Zusammenarbeit dafür entwickelte sich innerhalb der Arbeitsgemeinschaft Europa, die im Jahr 2004 von der EU-Abgeordneten Anja Weisgerber (CSU) ins Leben gerufen wurde.
Das Süd-Nord-Gefälle bei der Verteilung der Fördermittel in Bayern zu überwinden, hat sich die EU-Abgeordnete Anja Weisgerber auf die Fahne geschrieben. Einen Mosaikstein dazu könnte die Einwerbung von Fördermitteln aus dem achten europäischen Forschungsrahmenprogramm darstellen. Für das Programm, das in den Jahren 2014 bis 2019 läuft, sollen die unterfränkischen Begehrlichkeiten schon Ende dieses Jahres eingespeist werden, ein Jahr bevor die EU-Kommission den Vorschlag für das Programm aufstellt. Mit der Annahme des Förderprogramms wird dann für Mitte 2013 gerechnet. Diesen Zeitplan stellte Weisgerber in der gestrigen Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Europa vor. Die Abgeordnete des Europaparlaments ist zuversichtlich, dass es gegenüber dem laufenden siebten Rahmenforschungsprogramm nicht schwerer werden wird, an Gelder heranzukommen. Die Mittel seien im Gegenteil sogar aufgestockt worden. Unterfränkische Bewerber hätten vor allem deshalb bessere Chancen, weil man diesmal sehr früh mit der gemeinsamen Planung begonnen habe.
Das Positionspapier der unterfränkischen Hochschulen stellt die Themen Gesundheit, Kommunikation, Energie und Mobilität in den Mittelpunkt. Darüber hinaus wird die fächerübergreifende Zusammenarbeit der hiesigen Hochschulen, die obendrein vernetzte Strukturen zu Unternehmen nachweisen können, betont. „Durch gezielte Forschungsförderung kann die Innovations- und Wirtschaftskraft der Region für Europa angesichts der Herausforderung der Zukunft in vielen Bereichen von großem Nutzen sein“, heißt es in der Einführung.
Danach werden Schwerpunktthemen für das achte Rahmenprogramm erläutert. So seien für den Bereich Gesundheit, Lebensqualität und Alter Forschungsthemen aus der Pharmakologie, Medizin, Medizintechnik, Ingenieurwissenschaften, Biotechnologie, Chemie und Neurowissenschaften unerlässlich. Letztlich gehe es um die „Bausteine des Lebens“ und die Erkundung der regulatorischen Prozesse über alle Ebenen des Organismus. Die neue Verknüpfung (Design) molekularer Strukturen für medizinische und technologische Anwendungen lägen im Focus der Forschung. Es gelte, die Ursache von degenerativen Erkrankungen zu erkennen und darauf basierend Vorbeugungs- und Behandlungsstrategien zu entwickeln.
Als weiteres großes Gebiet umreißt das Papier die Quanteninformationsverarbeitung und Nanotechnologien. Dabei geht es um die zunehmende weltweite Datenvernetzung, die wachsende Geschwindigkeit der Übertragung und den Schutz der Privatsphäre. Zielführend könnten die optische Datenverarbeitung über nanophotonische Ansätze sein sowie neue funktionale Materialien, welche die Grenzen herkömmlicher Materialien aufheben. Forschungsthemen betreffen darüber hinaus intelligente Sensorik, Biosensorik und Robotik.
Auch mit Energieeffizienz, Energiespeicherung und Energieübertragung wollen die Unterfranken in Europa punkten. Dabei habe man sowohl die Weiterentwicklung existierender Techniken als auch die Erschließung neuer Technikoptionen im Auge. Stichworte hierzu sind die Vermeidung von Energieverlusten durch Verbesserung der Gebäudeisolation aber auch der verlustarme Transport von Strom über weite Strecken.
Zukunft gestalten
Die Schwerpunktthemen der Universitäten umfassen unter anderem auch die Elektromobilität sowie Fahrzeug-, Verkehrssicherheits- und Assistenz-Systeme.
Vieles aus dem Papier liest sich heute noch wie Science-Fiction. Allerdings gilt des ja auch, die Zukunft zu gestalten, mit Ideen von heute und Forschungsaktivitäten von morgen, aus denen ab 2020 Produkte von übermorgen werden, wenn der Strom vielleicht schon aus der Wüste Sahara kommt und mehr als jeweils über eine Milliarde Chinesen und Inder nach Rezepten aus Unterfranken einem gesunden Lebensabend mit hoher Lebensqualität entgegensehen?