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Rettung für deutsches Brot

Schweinfurter Tagblatt, 25. Februar 2009

Brüssel legt Streit mit Bäckern um Salz-Gehalt vorerst bei

BRÜSSEL. Das deutsche Brot ist gerettet. Nach wochenlangem „Salz-Krieg“ zwischen den deutschen Brot-Herstellern und Brezen-Bäckern hat die Kommission am Dienstag Entgegenkommen signalisiert: Noch mindestens sechs Jahre lang dürfen die hiesigen Backwaren zwischen 1,5 und zwei Gramm Salz je 100 Gramm Teig enthalten.

Ein Sprecher der EU-Kommission bestätigte am Dienstag eine entsprechende Vereinbarung. Ursprünglich sollten Vollkorn- und Graubrot nicht mehr als ein Prozent Salz enthalten dürfen, um auch künftig noch als „gesundes“ Lebensmittel angepriesen zu werden. Auslöser des Streits in den Backstuben war eine Verordnung aus dem Jahre 2006, die vorschreibt, gesundheitsbezogene Webeaussagen zu durchforsten und nur noch abhängig von wissenschaftlichen Grundlagen zu erlauben (wir berichteten).
Dazu wurde die Europäische Labensmittelbehörde (EFSA) in Parma/Italien beauftragt, entsprechende Grenzwerte für den Anteil von Salz, Zucker und Fett festzulegen. Als die Italiener den Salz-Gehalt für gesundes Brot und andere Backwaren auf ein Prozent festlegen wollten, gingen Deutschlands Bäcker auf die Barrikaden und warfen der EU vor, sie installiere eine „Geschmackspolizei“.
In den letzten Wochen war gar vom Verbot des deutschen Brotes die Rede. Tatsächlich hätte die Neuregelung zwar nicht zum Verbot der bisherigen Herstellung geführt, wohl aber zu abschreckenden Warnhinweise. Ein Bäcker, der sein „gesundes“ Vollkornbrot mit dem Etikett „Enthält viel Salz“ versehen müsste, wäre wohl auf seinem Produkt sitzen geblieben. Außerdem stellte sich der als Entwarnung gemeinte Hinweis, die neuen Vorschriften sollten nur für verpacktes Brot gelten, als falsch heraus. In Brüssel hatte man sehr wohl auch daran gedacht, eine Kennzeichnung für unverpackte Ware einzuführen.

Dort versteht man zwar die Aufregung der Deutschen ohnehin nicht wirklich, hatten sich die Kommissare doch sogar selbst einem Geschmackstest unterzogen und Brot mit geringerem Salzgehalt probiert – ohne einen Unterschied festzustellen.

Dennoch war die Protestwelle der Bäcker und der Bundesregierung erfolgreich. Die Kommission korrigiert die Grenzwerte nach oben, wenn auch nur für sechs Jahre. Dann sollen sich die deutschen Brot-Hersteller wie alle anderen umstellen. Bis dahin haben sie Zeit, gesündere Ersatzstoffe zu finden, die dem salzärmeren Brot die gleiche Konsistenz geben. Und möglichst den gleichen Geschmack.
Die Heftigkeit der Schlacht um das deutsche Brot ist letztlich nur mit der Angst vor der Ampel-Kennzeichnung zu erklären. Wie die Verbraucherverbände in Deutschland hatte die Kommission nämlich vorgeschlagen, dem Kunden das Auffinden gesunder Lebensmittel im Regal dadurch leichter zu machen, dass jede Verpackung mit einer Ampel (rot:ungesund, grün:gesund) versehen wird. Die Idee wurde aber inzwischen in Brüssel mehr oder minder stillschweigend beerdigt, nachdem die eigenen Lebensmittelexperten davon abgeraten hatten.
Sogar bei den Grünen, die die Ampel nach britischem Vorbild intensiv fordern, heißt es inzwischen: „Für diese Legislaturperiode ist der Zug abgefahren.“ Und ob die nächste Kommission zusammen mit dem neuen Parlament die Idee noch einmal aufgreift, steht in den Sternen.