Main Post Kitzingen
Beim CSU-Rettichessen in der Gartenlandhalle Albertshofen spricht Landwirtschaftsminister
Josef Miller über Probleme der Gärtner – Wochenration Vitamine als Geschenk
Albertshofen (es) Beim traditionellen Rettichessen in der Albertshöfer Gartenlandhalle sprach Landwirtschaftsminister Josef Miller vor rund 220 Zuhörern von der aktuellen Situation der bayerischen Agrarpolitik. Insbesondere ging er auf den Berufszweig Gartenbau und seine Perspektiven ein.
Wie Miller ausführte, befinde sich Deutschland in einer gefährlichen Abwärtsspirale aus sinkender Beschäftigung, niedrigem Wachstum, steigenden Soziallasten und hohen Haushaltsdefiziten. Deutschland habe das komplizierteste Steuersystem der Welt und bedürfe einer durchgreifenden Steuerreform. denn wenn am 1. Mai 2004 zehn neue Staaten in die EU kommen, seifen viele dabei, die bereits ein komplett runderneuertes Steuerrecht mit höchst attraktiven Steuersätzen und wenigen Ausnahmetatbeständen hätten.
Individuelle Prämie
Sofortiges, entschlossenes Gegensteuern sei notwendiger denn je, Reformen zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, eine spürbare Beschleunigung verlässlicher und familiengerechter Ausgestaltung des Sozialsystems und eine drastische Vereinfachung des Steuersystems seien angesagt. Ziel der CSU sei die Stärkung der aktiven Bewirtschafter der Landwirtschafts- und Gartenbaubetriebe nach dem Prinzip „Leistung und Gegenleistung" und bevorzugt die individuelle Betriebspremie, denn mit diesem finanziellen Grundstock seien die Betriebe am besten in der Lage die künftigen Herausforderungen zu meistern.
Ein Sonderproblem der deutschen Gärtner, so der Staatsminister, sei die restriktive Zulassungspraxis für Pflanzenschutzmittel mit deutlichen wirtschaftlichen Nachteilen für die Gartenbaubetriebe. Durch die Abwanderung der Produktion von Obst und Gemüse in andere Länder, verbunden mit einer verstärkten Abhängigkeit der Verbraucher von Produkten aus dem Ausland, könne die Produktion nicht mehr kontrolliert werden, besonders die Zulassung und das In-Verkehr-Bringen von Pflanzenschutzmitteln.
Als „besonders empörendes Beispiel" beziehungsweise als „Kriminalisierung der Landwirtschaft" bezeichnete Miller ein Projekt des Umweltbundesamtes, wonach verdeckte Ermittler gesucht worden seien, die zur Feldbeobachtung eingesetzt werden sollten.
Ein vorliegender Entwurf zur Novelle der Düngeverordnung sei an Regelungsdichte kaum zu überbieten. Auf den Gartenbau komme ein noch nie da gewesenes Maß an Aufzeichnungspflichten zu, selbst die Ausbringung von Düngemitteln solle bis ins kleinste Detail geregelt werden.
Chance und Risiko
„Die Erweiterung der EU birgt Chancen uind Risiken", so Miller. „Sie wird zu einer Stärkung der Kaufkraft in den Beitrittsstaaten führen, wodurch sich die Absatzchancen für bayeriche Spezialitätten verbessern." Andererseits sei aber mit einer zusätzlichen Marktbelastung, vor allem bei pflanzlichen Produkten, zu rechnen.
Bayern produziere bei Milch 178 Prozent, bei Käse 285 Prozent und bei Rind- und Kalbfleisch 249 Prozent über Selbstversorgungs-Bedarf. Bei Obst und Gemüse allerdings erreiche der Freistaat keine Selbstversorgung. Derzeit sei die Marktbedeutung der osteuropäischen Gartenbaubetriebe relativ gering. So liege der Importwert aller zehn Beitrittsländer bei frischem Gemüse unter drei Prozent der Gesamteinfuhren nach Deutschland.
Bei Kulturen wie Zwiebeln, Spargel und Einlegegurken seien Polen und Ungarn bereits jetzt schon wichtige Exporteure und bei Agrarerzeugnissen ohne Marktregelung – dazu zählen Zierpflanzen, Baumschulartikel, Obst und Gemüse – werde es zu einer zügigen Marktanpassung kommen.
Oberstes Ziel von Josef Millers Agrarpolitik wie es, auch künftig ein flächendeckendes Netz an nachhaltig wirtschaftenden, wettbewerbsfähigen Betreiben zu sichern.
Die bayerische Staatsregierung habe auch den Aspekten Weintourismus, Weinerlebnis, Freizeit und Erholung , Kunst und Kultur bei der Strukturförderung für die fränkische Weinregion eine wichtige Stellung eingeräumt. Zur Förderung nachwachsender Rohstoffe wurden bis Ende 2003 196 Millionen Euro bereits gestellt vor allem für die Erzeugung von Energie aus Biomasse, sagte Miller. Dies komme nicht nur der Umwelt zugute, sondern sei auch eine Chance für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum.
Der mit viel Applaus bedachte Landwirtschaftminiser erhielt als kleines Dankeschön für seinen fachlichen Vortrag von der Ortsvorsitzenden Heidi Plömpel „eine Wochenration Albertshöfer Vitamine" Der stellvertretende Kreisvorsitzende der CSU, Burkhard Klein, überreichte dem Redner unter großem Beifall ein T-Shirt mit dem Aufdruck „it’s miller-time" sowie ein Weinpräsent.
Dr. jur. Anja Weisgerber aus Schwebheim, Gemeinderätin und Kandidatin der CSU für die Europawahl am 13. Juni 2004, stellte sich schließlich auch noch dem Publikum vor. Sie möchte in der CSU als Vertreterin der jungen Generation die Zukunft Europas mitgestalten, denn Bayern ist unsere Heimat, Deutschland unser Vaterland und Europa ist unsere Zukunft!
Unter den flotten Klängen der Blaskapelle Oelingen klang die Veranstaltung aus.
Vitamine satt für den Landwirtschaftsminister
Albertshofen Eine Wochenration von Vitaminen aus Albertshofen gab CSU-Ortsvorsitzende Heidi Plömpel beim traditionellen Albertshöfer Rettichessen am Montagabend Landwirtschaftsminister Josef Miller mit auf den Weg nach München. Vor rund 220 Besuchern geißelte der Minister in seiner Rede die Überregulierung und Bürokratie, an der Deutschland ersticke. Miller warnte davor, auf die derzeitige Wirtschaftssituation mit Pessimismus zu reagieren. Gerade in Bayern sehe er gute Zukunftsaussichten für Landwirtschaft, Gartenbau und Weinbau. Der Minister wörtlich: „Landwirtschaftliche Produkte aus Bayern sind enorm gefragt.“ Im Bild von links: der Betriebsleiter des Großmarktes Klaus Benz, Minister Josef Miller und Europakandidatin Dr. Anja Weisgerber