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Öffnung des Postmarktes der EU verschafft Kunden und privaten Anbietern Vorteile

Hersfelder Zeitung

von Detlef Drewes

Brüssel. Der Verbraucher kann beruhigt sein: Auch in Zukunft wird er mindestens fünfmal in der Woche seine Post nachhause geliefert bekommen oder abholen können. Ob im entlegenen Bergdorf oder auf der schwer erreichbaren Insel: Briefe dürfen nach der Reform nicht liegen bleiben. Das ist die wohl wichtigste Konsequenz der Marktöffnung, die europaweit 2011 in Deutschland schon 2008 starten wird. In dieser Woche hat das Europäische Parlament den Weg dafür frei gemacht. Martin Ferber, Post-Experte der christlichen-konservativen EVP-Fraktion: "Über 200 Jahre gab es in den Mitgliedsstaaten Monopole, doch die können die heutigen Probleme nicht lösen." Seine Fraktionskollegin Anja Weisgerber (CSU) ergänzt: "Das Angebot der Postdienstleister hat sich sehr erweitert." Doch was bedeutet die europäische Marktöffnung für den Kunden?

Heiß umkämpfter Markt

In Deutschland kann der bis heute reservierte Bereich bei Briefen bis 50 Gramm für private Unternehmen 2008 geöffnet werden, wenn sich die große Koalition darauf einigt (siehe Hintergrund). Dann dürfen neben der gelben Post auch die privaten Zustelldienste loslegen, die längst in den Startlöchern für den heiß umkämpften sechs Milliarden schweren Markt stehen. Seit 1999 wurden 46 000 neue Jobs geschaffen, während die Post AG im gleichen Zeitraum 29 000 Arbeitslätze abgebaut hat. Alle Studien belegen: Der Trend geht weiter. Wachstumsraten bei den Jobs von über elf Prozent werden vorhergesagt. Würde das Monopol verlängert, käme es zu Einbußen von über zwei Prozent.

Die neuen Anbieter werden zunächst vor Konkurrenz geschützt sein. Denn das Europäische Parlament hat festgelegt, dass keine Monopolisten aus einem Staat, in dem der Markt noch nicht vollständig liberalisiert wurde, in einem anderen Land aktiv werden dürfen. Außerdem muss jedes Briefunternehmen seine Dienstleistungen nach marktüblichen Preisen anbieten.

Die EU hat klargestellt, dass Briefdienst-Lizenzen nur durch ein reguliertes Verfahren vergeben werden dürfen, damit es nicht zu Dumping-Angeboten kommt. Und: Der Service wird besser, wie der bereits geöffnete Markt für Pakete und Päckchen zeigt. Man kann mit seinem Dienstleister feste Uhrzeiten für die Zustellung vereinbaren oder auch am Abend noch ein Päckchen im Geschäft aufgeben.

Ferber ist sich sicher: "Die Reform führt zu kundenfreundlichen Angeboten." Wenn ein Brief nicht unbedingt am nächsten Tag den Empfänger erreichen muss, kann es günstigere Tarife geben. "Es wird viel Service geben, den wir uns heute noch nicht vorstellen können, aber schon lange gewünscht haben."