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"Nicht nur Qualität auch Sicherheit"

Coburger Tagblatt, 15. Oktober 2007

Bauerntag und Kreiserntedankfest, eingebettet in die Oberfranken-Ausstellung, nutzten die Bauern gestern nicht nur, um für Wachstum der Natur, Ernte und Lohn von viel Mühe und Arbeit zu danken, sondern auch, um einmal mehr auf die Sorgen bäuerlicher Betriebe aufmerksam zu machen. Dieses Thema griff auch Dekan Christoph Liebst in seiner Predigt turn Erntedankgottesdienst auf.
„Die landwirtschaftliche Nutzfläche wird immer knapper- Flächen für die Nahrungsmittelproduktion werden durch den steigenden Anbau nachwachsender Rohstoffe, durch infrastrukturelle Maßnahmen und ökologische Ausgleichsflächen eingeschränkt, erklärte Kreisobmann Gerhard Ehrlich. Er ging insbesondere auf die Knappheit landwirtschaftlicher Nutzfläche auch im Landkreis Coburg ein. Längst gebe es - und das weltweit- keine Überschussproduktion an Lebensmitteln und auch keine Vorräte mehr.

„Da stehen einem die Haare zu Berge“

Umso schmerzlicher sei es, dass die Landwirte immer wieder Federn lassen müssten, unter anderem für infrastrukturelle Maßnahmen, von denen es für viele im Bauernverband kein Verständnis gebe. Auch über ökologische Ausgleichsflächen müsse nachgedacht werden. Ehrlich: „Wenn beispielsweise bei Gestungshausen zehn Hektar Mutterboden abgeräumt werden, um Magerrasen anzusäen, stehen einem schon die Haare zu Berge. “ Mit solchen Maßnahmen werde ein ganzer Berufsstand demoralisiert und provoziert.
Belasten würde aber auch der Druck im europäischen Wettbewerb mit Billigprodukt-Ländern. Hier zu Lande hätten die Bauern mit stagnierenden oder sinkenden Preisen für Milch, Fleisch oder Getreide zu kämpfen, und auf der anderen Seite mit steigenden Erzeugerkosten. Es sei an der Zeit, appellierte Ehrlich, den Landwirten einen fairen Preis für ihre Erzeugnisse zu zahlen und beim Verbraucher das Bewusstsein zu schärfen, dass Produkte aus der Region nicht nur für Qualität sprächen, sondern vor allem auch Sicherheit bedeuten.

„Ländlicher Raum prägt die Marke Bayern“

Über den Stellenwert ländlicher Räume in der EU-Politik, Chancen und Herausfor¬derungen sprach Dr. Anja Weisgerber, Abgeordnete im Europaparlament. Gerade die ländlichen Räume seien es, so Weis¬gerber, die die Marke ‚ „Bayern“ prägten. Die Europäische Union fördere den länd¬lichen Raum unter anderem über den Eu¬ropäischen Garantiefonds, über den jährlich 90 Millionen Euro nach Oberfranken fließen, um Kulturlandschaft, Tradition und Wirtschaftskraft zu erhalten, Über den Fond für die Entwicklung des ländlichen Raums, der Bayern von 2007 bis 2013 immerhin etwa 1,25 Milliarden Euro einbringt, und über das Programm Leader, das in der vergangenen Förderperiode sechs Oberfrankenregionen bezuschusste.
Im Dezember soll in München die Entscheidung über die neuen Förderregionen fallen. Auf die Wettbewerbssituation der bäuerlichen Betriebe ging Weisgeber ein und forderte, die in Deutschland angesetzten hohen Qualitätsstandards auch in sol¬chen Ländern wie Tschechien, Polen oder Portugal geltend zu machen, um Konkurrenzfähigkeit herzustellen. Vom Boom der erneuerbaren Energien, erklärte Weisgerber kann der ländliche Raum profitieren. Der Landwirt sei der Energiewirt der Zukunft. Den ländlichen Raum in seiner Attraktivität, seiner Wirtschaftlichkeit und Zukunftssicherheit zu fördern, sei Ziel der EU-Agrarpolitik.
Der Kreisbauernverband, erklärte Kreisbäuerin Heidi Bauersachs, werde die Chancen nutzen und die Herausforderun¬gen annehmen. Die Antwort der Bauern auf die Globalisierung hieße Regionalisie¬rung und lokales Denken.
Was die Landwirte der Region Leckeres auf den Tisch zu bringen wissen, zeigten nicht nur die Beyersdorfer Landbäckerei oder die Milchwerke Oberfranken-West mit ihren Käsespezialitäten, sondern auch die Direktvemarkter, die sich — sieben an der Zahl — mit einem gemeinsamen Stand präsentierten und deftige Wurst- und Schinkenspezialitäten, edle Obstbrände oder heilsame Blütenessenzen offerierten. Auch andere land— und forstwirtschaftliche Berufssparten resümieren ein gutes Jahr.