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Mehr Europa wagen

SonntagsAnzeiger, 28. August 2011

Deutschland ist eine Exportnation. Fast jeder dritte deutsche Arbeitsplatz hängt vom Export ab. Die meisten unserer Ausfuhren gehen in die Eurozone. Der europäische Binnenmarkt eröffnet Unternehmen Absatzmärkte direkt vor der Haustüre. 2010 exportierte Deutschland fast so viele Waren in die Beneluxstaaten Belgien, Niederlande und Luxemburg wie in die USA und nach China. 

Der Euro ist das Fundament des wirtschaftlichen Erfolgs in Deutschland! Der Gemeinschaftswährung ist es – durch weggefallene Wechselkursschwankungen – zu verdanken, dass wir so schnell und erfolgreich – und weit besser als die meisten anderen EU-Staaten – aus der Wirtschafts- und Finanzkrise herausgekommen sind. Ich erinnere mich noch gut daran, als vor zwei Jahren viele Fließbänder in unserer Region still standen und Unternehmen auf Kurzarbeit umgestellt hatten. Szenarien, die heute glücklicherweise der Vergangenheit angehören.

Deshalb müssen wir weiter für die Stabilität des Euro kämpfen. Entscheidend dabei ist, dass die Euro-Staaten Verantwortung übernehmen und ihre Haushalte konsolidieren, denn die aktuelle Krise ist in erster Linie eine Krise der nationalen Haushalte.

Damit der stabile Rahmen unserer gemeinsamen Währung nicht mehr durch unverantwortliche Politik einzelner Staaten gefährdet wird, braucht die EU ausreichende Instrumente, um den Rahmen zu sichern. Die Aufweichung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes durch frühere Regierungen muss korrigiert werden. Defizitsünder müssen frühzeitig in ihre Schranken gewiesen werden. Es ist an der Zeit, automatische Sanktionen einzuführen und die Kontrolle der nationalen Haushaltspolitiken zu verstärken. Die von Bundeskanzlerin Merkel dem französischem Präsidenten Sarkozy beschlossene engere wirtschaftspolitische Zusammenarbeit ist ein richtiger Schritt zu einem stabilen Euro.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir müssen den Mut zeigen, in diesem Bereich mehr Europa zu wagen. So kann Europa gestärkt aus der Krise hervorgehen.