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„Man wird nicht als starke Frau geboren“

Main Post, 01. Februar 2011

„Die Idee ist toll und das Ambiente hier wunderschön“, befand die Europaabgeordnete Anja Weisgerber. Sie war im Rahmen der Reihe „Starke Frauen in Europa“ des Europe Direct Informationszentrums Haßfurt im Café Ton in Fabrikschleichach zu Gast. Gut gelaunt stellte sie sich in dem fast familiären Kreis den Fragen der Redakteurin Brigitte Krause und der gut 20 anwesenden Frauen.

„Die Veranstaltung ist der Auftakt zu einer Reihe mit 'starken‘ Frauen“, so Sabine Gehles vom Europe Direct Informationszentrum. „Dabei sollen sich Frauen kennen lernen, ihre Geschichten erzählen und berichten, was sie stark gemacht hat.“

Ihre Hoffnung, dass die Besucherinnen bei dem Gespräch mit Anja Weisgerber auch Unterstützung für ihren Weg finden und Tipps bekommen würden, erfüllte sich denn auch. „Ich fühle mich von den Aussagen der Europaabgeordneten, dass eine Frau ihr Ziel verfolgen und sich nicht von Niederlagen beeindrucken lassen soll, dass sie ihre Weiblichkeit behalten kann und sich im Stil nicht den Männern anpassen muss, bestätigt“, sagte beispielsweise die Kulturreferentin der Stadt Haßfurt, Petra Lettang.

„Man wird nicht als starke Frau geboren“, sagte Anja Weisgerber. Man wachse aber mit seinen Erfolgen. In ihrer Kindheit sei das Bild der Frau immer noch stark von der Kindererziehung und Haushaltsführung geprägt gewesen. „Ich fand es spannend, wenn Frauen in richtige Männerdomänen eingedrungen sind“, erzählte sie. Auch die Politik sei bis heute hauptsächlich von Männern geprägt. Dass sie den Weg in diese Männerwelt gegangen sei, sei ihr nicht vorherbestimmt gewesen. Aber die Einsicht, dass es besser sei, selbst etwas zu tun, als nur zu meckern, und die Erkenntnis, dass der Weg zu politischen Veränderungen nur über die Parteien führe, habe sie zum Eintritt in die Junge Union und die CSU bewegt. Neben der Politik, wobei das Thema Umwelt stets eine große Rolle spielte, habe sie ihr Jurastudium beendet und anschließend promoviert. 2004 sei sie ins Europäische Parlament eingezogen, wo sie unter anderem im Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit tätig sei und als Sprecherin für Umwelt, Verbraucherschutz, Gesundheit und Sport der CSU-Gruppe fungiere.

„Ich achte immer darauf, durch Inhalte aufzufallen“, gab Anja Weisgerber an. Denn es sei nicht leicht, sich als Frau Gehör zu verschaffen und ernst genommen zu werden. Zum einen seien Kampfgeist und Durchhaltevermögen wichtig, zum anderen dürften sich Frauen nicht zu sehr ins Detail vertiefen. Auch der Aspekt der Weiblichkeit sollte nicht unterschätzt werden. „Als Frau darf man ruhig auch einmal seinen Charme spielen lassen“, meinte die EU-Abgeordnete. Eine Besucherin, die als Bauingenieurin arbeitet, bestätigte diese Aussage: „Ich habe versucht, wie ein Mann zu denken und zu reden. Aber erst, als ich meine Weiblichkeit eingebracht habe, kam ich besser zurecht.“

Dass Frauen auch heute noch gerne auf Haushalt und Kindererziehung reduziert werden, beklagten einige Besucherinnen. Anja Weisgerber riet ihnen, sich nicht unterkriegen zu lassen. Sie habe durch den Sport gelernt, nach einer Niederlage wieder aufzustehen, sagte die mehrfache Bayerische Tennismeisterin.

Frauen sollten sich auch nicht gegenseitig das Leben schwer machen. „Jede Frau muss die Freiheit haben, sich zu Hause um die Kinder und den Haushalt zu kümmern oder gleichzeitig ihren Beruf auszuüben“, betonte sie. Die Politik wiederum müsse die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen. Am besten wäre es, wenn Frauen untereinander stärkere Netzwerke bildeten und sich mit Rat und Tat zur Seite stünden.

Auf die nahende Geburt ihrer Tochter angesprochen, erklärte Anja Weisgerber: „Es wird sicher kein Kinderspiel, meiner Arbeit als EU-Abgeordnete weiter nachzugehen und mich um unsere Tochter zu kümmern. Aber ich habe in meiner Familie einen starken Rückhalt.“

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