Auszug aus Mainpost, 22. April 2010
Ein bisschen gehemmt waren die Mädchen schon, als sie am Morgen in die KFZ-Werkstatt der Stadt kamen. Auf die Frage von Georg Schmitt, ob es Ihnen Spaß gemacht hat, Reifen zu wechseln, zu schweißen und zu löten, kommt von Iris nur ein lang gezogenes „Jaaa“, das wohl mehr ein Naja war.
Sie und Felicitas wollten „was mit Autos machen“. Aber die Autos in der Werkstatt sind doch recht groß und die Arbeit kräftezehrend. Der Leiter der Werkstatt macht ihnen trotzdem Mut. Es müssen ja keine LKW sein, man kann ja auch Zweiradmechanikerin werden oder mit PKW arbeiten. Dann verrät Iris ihre wahre Motivation: „Ich wollte mal reinschauen, damit ich mitreden kann, wenn die Jungs über sowas reden. Ich hatte ja keine Ahnung“.
Typische Männerberufe
Mädchen hatten am Girls' Day wieder die Gelegenheit, einen Tag lang in typische Männerberufe hineinzuschauen: Seit 2001 gibt es dieses Gemeinschaftsprojekt von Bundesregierung, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden. In Schweinfurt wird der Tag seit 2004 organisiert, weiß die Gleichstellungsbeauftragte Heide Wunder.
Bei der Polizei scheint diese Rechnung aufzugehen. In ihren Job wollen 40 junge Damen reinschnuppern. Sie besetzen die Arrestzellen, lassen sich Fingerabdrücke nehmen, bewundern den Polizeihundeeinsatz und unterhalten sich mit Anwärterinnen, die gerade ihre Ausbildung begonnen haben. Julia Holzheid ist eine von ihnen. Sie ist seit sechs Wochen dabei. Die Mama hat sie dorthin geschickt, weil die viele Leute bräuchten.
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Im Wildpark an den Eichen begleiten Laura und Alexandra Tierpflegerin Susanne Zirkel durch den Tag. Sie haben schon den konkreten Berufswunsch, Tierpflegerin zu werden. Und der Tag war „genauso, wie man sich‘s vorstellt“, meinen sie. Alexandra hat festgestellt, dass „Esel wirklich störrisch sind“, denn als sie den waschen wollten, „da hat der sich keinen Zentimeter mehr bewegen lassen“.
Von der Großindustrie bis zum Handwerksbetrieb haben Schweinfurter Unternehmen Mädchen die Möglichkeit eröffnet, Einblick in ihre Arbeitswelt zu erhalten, und die haben das reichlich genutzt. Drei Mädchen aus Schweinfurt und eins aus Werneck haben sogar die lange Anreise nach Straßburg in Kauf genommen, um der Europaabgeordneten Anja Weisgerber über die Schulter zu schauen.
Den Abschluss machte die Agentur für Arbeit mit der Veranstaltung „Eltern machen Mädchen Mut“ am Donnerstagabend. Mit Vorträgen, einer Ausbildungsbörse und einem Erzähl-Café holten sie auch die Eltern ins Boot und bitten um deren Unterstützung. Insbesondere im Hinblick auf die demografische Entwicklung werden verstärkt qualifizierte Fachkräfte im gewerblich-technischen Bereich und Ingenieure gesucht. Auch Mädchen sind hier gefragt, ihr Potenzial einzubringen und sich so für einen zukunftsträchtigen Beruf zu bewerben. Dafür wirbt bei der Agentur für Arbeit dann auch noch „special guest“ Steffi List.