Haßfurter Tagblatt
Politik-Brunch für Frauen der Jungen Union in Hassfurt mit MdB Dorothee Mantel und MdEP Dr. Anja Weisgerber
Hassfurt: Politik ist nicht nur Männersache. Doch von den 33.000 Mitgliedern der Jungen Union ist gerade ein Viertel weiblich. Woran das liegt und wie man sich als Frau in der Politik erfolgreich engagieren kann, das diskutierten junge Frauen aus ganz Franken in Hassfurt. Eingeladen hatte die Bundestagsabgeordnete Dorothee Mantel, die als stellvertretende JU-Landesvorsitzende auch die Leitung der Projektgruppe „Junge Frauen“ übernommen hat. „Diese Gruppe ist kein feministischer Zirkel und möchte auch keine junge Frauen-Union sein“, betonte Dorothee Mantel, „unser Ziel ist es, junge Frauen zu ermutigen und zu fördern, sich mit Politik zu beschäftigen und in ihrem Orts- und Kreisverband aktiv zu werden“. Bereits 1980 hatten sich deshalb die weiblichen Abgeordneten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in einer Gruppe zusammengeschlossen und politische Themen mit Engagement, Kompetenz und Erfahrung aus einem femininen Blickwinkel aufgegriffen, bearbeitet und vertreten. „Wir 57 Frauen treffen uns einmal die Woche, um uns abzustimmen. Die Gleichstellungspolitik ist aber eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die auch die Männer betrifft“. Das betonte auch Anja Weisgerber, die als Abgeordnete die Region im Europäischen Parlament vertritt. Mehr als die Hälfte der europäischen Bevölkerung sei weiblich. „Doch noch immer stellt für Frauen die Beteiligung am Arbeitsmarkt und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Herausforderung dar.“ Innerhalb der EU gebe es dabei große Unterschiede. Im Schnitt sind 55 Prozent der erwerbsfähigen Frauen berufstätig. Während jedoch in Schweden der Anteil bei 72 Prozent liegt, sind es auf Malta gerade einmal 31, in Italien und Spanien 41 Prozent. „Auch Deutschland liegt mit 44,5 Prozent weit unter dem europäischen Durchschnitt.“ Als sie vor kurzem ein schwedischer Kollege darauf angesprochen habe, sei ihr erst einmal wieder aufgefallen, was für ein Männerverein die Junge Union teilweise sei, meinte Anja Weisgerber.
In der Diskussion kristallisierte sich heraus, dass die jungen Frauen nicht durch eine Quotenregelung in irgendwelche Führungspositionen gewählt werden möchten. „Das bringt uns doch nicht weiter“, meinte eine Stimme. Bewusst kehrt die Mehrzahl nicht die weiblichen Reize nach außen, um nicht auf den Rockbonus reduziert zu werden. „Ich selbst habe immer versucht durch Inhalte und nicht durch einen besonders kurzen Rock zu überzeugen“, betonte Anja Weisgerber. Während Männer nach einer Niederlage oder einem Streit sich bei einem Bier zusammensetzen, ist das bei Frauen oft nicht vorstellbar. „Vielleicht auch, weil wir verbissener um die wenigen Posten kämpfen“, meinte Anja Weisgerber, „doch wir sollten nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten“.