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Leopoldina: Pflegekräfte arbeiten am Anschlag

MainPost, 21. Februar 2015

Die gute Nachricht: Verglichen mit manch anderen Häusern, hat das Leopoldina Krankenhaus noch eine vergleichsweise erträgliche Personalsituation mit vielen langjährigen und loyalen Mitarbeitern, die im Notfall einspringen. Die schlechte Nachricht: Auch hier kippt die Situation. Die Zahl der Patienten steigt ständig, vor allem der alten und schwerkranken mit hohem Pflegeaufwand. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, Nachwuchs zu finden. Das heißt, bei gleichbleibendem Personalbestand wächst die Anforderung an jeden Einzelnen. Das kritisiert nicht nur der Betriebsrat, auch die Geschäftsleitung spricht von einer sehr angespannten Situation.

Deswegen verlief das Gespräch, zu dem Betriebsratsvorsitzender Rainer Reichert geladen hatte, auch in einer konstruktiven Atmosphäre. Niemand bekam den „schwarzen Peter“. Mit dabei waren Leopoldina-Geschäftsführer Adrian Schmuker, der stellvertretende ver.di-Bezirksgeschäftsführer Sinan Öztürk und die Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber (CSU). Ihre Kollegen Klaus Ernst (MdB, Linke) und Kathi Petersen (MdL, SPD) konnten den Termin nicht wahrnehmen.

Der Pflegenotstand ist natürlich allen Beteiligten bekannt. Die Politik hat mit einer parteiübergreifenden Bund-Länder-Arbeitsgruppe reagiert, die ein Eckpunktepapier ausgearbeitet hat. Das wird aber vermutlich erst nach der Sommerpause im Bundestag diskutiert. Der Vorschlag der Arbeitsgruppe lautet: ein Pflegestellenförderprogramm für die Jahre 2015 bis 2017 mit einem Gesamtvolumen von 660 Millionen Euro und danach mit jährlich 330 Millionen. Selbst Anja Weisgerber stellte bei dem Gespräch im Leopoldina die Frage, ob das wohl reiche. Die Antwort war klar: Sowohl Sinan Öztürk als auch Rainer Reichert nannten die Summe einen Tropfen auf den heißen Stein. Bei knapp 2000 Krankenhäusern in Deutschland würde dies rein rechnerisch ein bis drei Stellen pro Haus bedeuten.

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Die Betriebskosten der Krankenhäuser finanzieren die Krankenkassen. „Dieses Geld müssen wir effizient einsetzen“, sagte Anja Weisgerber. Sie kündigte eine Expertenkommission an, die sich mit dieser Frage beschäftigen wird. Dass Handlungsbedarf besteht, war allen Beteiligten klar. Rainer Reichert nannte noch ein paar aktuelle Zahlen, die das unterstrichen. Derzeit betreut eine Pflegekraft im Leo durchschnittlich zwölf Patienten. In einigen skandinavischen Ländern liegt die Zahl weit unter der Hälfte. „Wir sind am Anschlag, das System droht zu kollabieren.“

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