Auszüge aus Mainpost, 31. Mai 2009
Landwirtschaftsminister Brunner wirbt um Bauernstimmen
Wahlkampf in Hemdsärmeln
Der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner war der Hauptredner beim politischen Abend zum Abschluss der 140-Jahr-Feier der Feuerwehr. Er präsentierte die CSU als die Partei, die sich weiterhin wie keine andere für die Landwirtschaft stark macht.
Viel CSU-Prominenz war in die Marktgemeinde gekommen: Landrat und Kreisvorsitzender Eberhard Nuß, Landtagsabgeordneter Manfred Ländner und sein Vorgänger Manfred Ach und als Überraschungsgast die Europa-Abgeordnete Anja Weisgerber.
Der Landwirtschaftsminister präsentierte sich bodenständig.
Angesichts des sommerlichen Abends legte er demonstrativ auf der Bühne sein Jackett ab und krempelte die Ärmel hoch, und als er sich warm geredet hatte, bestellte er eine Halbe Bier.
Das konnte der Fränkische Weinbau-Präsident Andreas Oestemer natürlich nicht auf sich sitzen lassen und stellte dem Redner eigenhändig einen Schoppen Wein dazu.
Und weil sie gesund ist, bekam Brunner auch noch einen Liter Milch im Maßkrug serviert. Der Minister versprach, er werde erst nach Hause gehen, wenn er alle Gläser ausgetrunken habe.
Inhaltlich hatte die Bundespolitik dem Redner eine Steilvorlage verschafft: Wenige Stunden zuvor beschlossen die Spitzen der Bundestagsfraktionen von Union und SPD, dass die von den Landwirten immer wieder heftig kritisierte Besteuerung von Agrardiesel verringert werden soll, und zwar von 45 auf 25 Cent pro Liter. Dies sei ein erster richtiger Schritt, so Brunner.
Die Steuersenkung müsse aber deutlich höher ausfallen und dürfe nicht, wie von der Großen Koalition vorgesehen, nur für zwei Jahre gelten.
Ergänzend soll die EU nach Ansicht des CSU-Ministers die jährlichen Betriebsprämien 2009 nicht wie üblich Ende Dezember überweisen, auch nicht Mitte Oktober, was EU-haushaltsrechtlich möglich sei, sondern ausnahmsweise schon im Sommer.
Wie der Minister weiter sagte, will er sich im bayerischen Kabinett dafür einsetzen, dass diese vorgezogenen Zahlungen nötigenfalls aus Landesmitteln vorfinanziert werden.
Darüber hinaus sprach sich Brunner dafür aus, die Milchproduktion zu begrenzen und so die Preise zu stabilisieren.
In Bayern gelte es, 45 000 landwirtschaftliche Betriebe zu erhalten. Das sei nicht nur das Problem eines Berufsstandes, sondern der Gesellschaft, rief der Minister unter großem Beifall.
Die derzeitigen Protestaktionen der Landwirte nehme er sehr ernst, denn sie seien Ausdruck nackter Existenzangst, so Brunner weiter.
Gegen Ende geriet der Minister ins Sinnieren: „Warum wird gerade die CSU auf Bauernveranstaltungen kritisiert?“, habe er sich früher oft gefragt.
Mittlerweile aber wisse er: „Die Bauern wenden sich nicht an die Grünen und nicht an die SPD, weil sie wissen, dass sie dort nicht viel zu erwarten haben.“
Abschließend warb der Minister dafür, sich an der Europawahl zu beteiligen und empfahl dabei seine Partei nicht nur als Anwältin der Landwirte, sondern des gesamten Freistaates. Denn: „Die CSU ist die einzige Partei, die nur bayerische Kandidaten aufgestellt hat!“