Haßfurter Tagblatt
Kreis-Bauerntag in Hofheim – Diskussionen mit Politikern
LKR.HASSBERGE: Wie schwierig die Zeiten für die ländliche Struktur, die Gesellschaft und nicht zuletzt für die Landwirtschaft sind, zeigte der vergangene Freitag auf: Nahezu im Rundlauf zwischen Fabrik- und Amtsschließung und anderen für die Region bitteren Nachrichten engagierten sich die Bevölkerung und die Politiker im Landkreis. Kundgebungen und Plakate vor Landwirtschaftsämtern, Zuckerrübenmieten, dem Haßfurter CSU-Gipfel und am Ende beim Kreisbauerntag machten auf die prekäre Situation im Kreis aufmerksam. BBV-Kreisobmann Reinhold Giebfried äußerte beim Kreisbauerntag in der Hofheimer TV-Halle das Verständnis der Landwirte für die Mitbürger, die um Arbeit und Brot bangen, stellte aber auch Forderungen, um der Landwirtschaft zum Überleben zu helfen. In erster Linie galten Giebfrieds Bemühungen dem Erhalt des Hofheimer Landwirtschaftsamts. Diese richtete er an den Landtagsabgeordneten Sebastian von Rotenhan. Der Gastrednerin und Europaabgeordneten Dr. Anja Weisgerber bot er den Schulterschluss, der notwendig sei im großen Europa der 25 Mitgliedstaaten. Zustimmung bekam Giebfried vom stellvertretenden Bürgermeister Wolfgang Borst: Die Verwaltungsreform beispielsweise treffe auch Hofheim, darum müsse guter Kontakt und enge Zusammenarbeit mit den Abgeordneten gehalten werden. Heinz Krönert, stellvertretender Landrat, bezeichnete die Auswirkungen von Reformen und Schließungen als "Schicksalsschläge, die kaum mehr verkraftbar sind". So ausgedrückt wollte das Sebastian von Rotenhan denn doch nicht stehen lassen: Man solle doch auf die Wortwahl aufpassen und die Dinge beim Namen nennen – also politische und wirtschaftliche Ereignisse. Der zur Zeit in harscher Kritik stehende Landtagsabgeordnete rechtfertigte seinen Standpunkt noch einmal, wie bereits bei der Sitzung des BBV-Kreisvorstands (wir berichteten). Er stehe hinter einem ausgeglichenen Haushalt. "Jetzt müssen wir erst mal zusammenstehen und das beste herausarbeiten. Später, wenn`s schief gegangen ist, könnt ihr immer noch auf mich einschlagen", so von Rotenhan. Guter Hoffnung ist er jedoch bezüglich des Erhalts von Hofheims Landwirtschaftsamt. Die Beziehung zwischen Politik und Landwirtschaft müsse geändert werden, forderte Unterfrankens BBV-Präsident Karl Groenen: "Wir brauchen Politik, die über Wahlperioden hinaus geht und deren Entscheidungen sich nicht von Amtsperiode zu Amtsperiode ändern." Dies war auch einer der Kritikpunkte von BBV-Geschäftsführer Gerhard Eller: "Die Landwirtschaftspolitik besteht zur Zeit aus Tageslaune." Eller befürchtet, dass zukünftig die "Landwirte als Bittsteller" für Ausgleichszahlungen enden, mit noch mehr Bürokratie im Genick.
Der BBV-Geschäftsführer regte an, Biokraftstoffe besser zu fördern und Energie und Wärme aus Biomasse für Baugebiete gesetzlich zu verankern. Was Bioethanol angehe, so Friedrich Wilhelm von Rotenhan, solle man dem Südzucker-Konzern sagen, dass in Brasilien der Liter für 37 Cent produziert werde. Das wäre gleichbedeutend mit einem Preis von sechs Euro pro Dezitonne Weizen – "Dafür kann kein deutsche Bauer produzieren". Agrar- und Zuckermarktreform, Förderung der Biomasse und Natura 2000 seien, so Dr. Weisgerber, "Probleme, die unsere Europapolitik herausfordern."