Auszüge aus Mainpost, 19. April 2009
Schwere Angriffe auf Rudolf Handwerker bei Diskussion mit CSU-Mandatsträgern
Massive Angriffe bis hin zur Rücktrittsaufforderung richteten Teilnehmer bei einer Diskussionsveranstaltung mit CSU-Mandatsträgern gegen den Haßfurter Landrat Rudolf Handwerker (CSU). Die Gegner eines Nationalparks Steigerwald können nicht verstehen, warum der Landrat die Forderung nach einer Machbarkeitsstudie für den Nationalpark durch SPD und Grüne in Bayern unterstützt hat. Parteifreunde indes stärkten Handwerker den Rücken mit dem Hinweis, in einer großen Partei wie der CSU könne es durchaus unterschiedliche Meinungen geben.
Die schwerste Attacke gegen den Landkreischef kam bei der Veranstaltung in Oberschleichach von Albrecht Ruß aus Koppenwind. Das äußerst knappe Ergebnis, mit dem Handwerker wiedergewählt wurde, sollte ihm zu denken geben. „Ein Landrat müsste zu dem Menschen seiner Region halten. Machen Sie den Weg frei für jüngere Politiker. Sie sind verbraucht“, sagte Ruß unter starkem Beifall der rund 280 Versammlungsteilnehmer.
Handwerker, der nicht am Tisch der anderen CSU-Mandatsträger saß, wirkte sichtlich geschockt. Zuvor hatte er seine Haltung verteidigt. „Wir brauchen eine Analyse der Lage. Wir können nicht einfach sagen, das diskutieren wir nicht.“ Handwerker will vor allem den Tourismus in den Haßbergen und im Steigerwald forcieren. Er verwies auf die starke Abwanderung von jungen Leuten aus der Region. In Rauhenebrach zum Beispiel sei innerhalb von fünf Jahren ein Drittel der Menschen zwischen 18 und 25 Jahren weggezogen.
Der Landrat fügte an, er hätte den Antrag der CSU-Landtagsabgeordneten Gerhard Eck und Otto Hünnerkopf unterstützt, wenn er ihn gekannt hätte. „Das wäre der bessere Weg gewesen“, räumte er ein. Eck und Hünnerkopf wollen durch Staatsbedienstete ermitteln lassen, wie es im Biosphärenreservat Rhön vorangeht und ob die Erkenntnisse dabei auch auf den Steigerwald zu übertragen wären.
Die Frage sei laut Handwerker, ob der Steigerwald einen höheren Schutzstatus brauche, denn davon hängen die Höhe der Fördergelder für die Infrastruktur ab. „Wie der Staat den Steigerwald bewirtschaftet, das geht mir zu weit“, rief der Landrat auch die ökologische Komponente auf. Ulrich Merger, der Leiter des Forstamts Ebrach, habe jetzt aber erkannt, dass es so nicht weitergehen könne und dagegengesteuert.
Handwerker behauptete auch, er habe nie einen Nationalpark gefordert, sondern nur eine Analyse. „Erst dann bilde ich mir eine Meinung. Das ist der einzige Weg.“
In der von Steffen Vogel, dem Bezirksvorsitzenden der Jungen Union, geleiteten Veranstaltung ging es ohne langatmige Politiker-Statements sofort in die Vollen. Für Fragen der Bürger hatten es die CSU-Ortsverbände der Fünf-Sterne-Gemeinden Rauhenebrach, Oberaurach, Eltmann, Sand und Knetzgau geschafft, alle Mandatsträger der Partei aus der Region an einen Tisch zu bringen.
Thomas Sechser, Bürgermeister von Oberaurach, ist dem Umweltausschuss des Landtags dankbar, dass er die Machbarkeitsstudie für den Nationalpark abgelehnt hat. Vielmehr gelte es den Steigerwald als Naturpark weiterzuentwickeln. Sechser stellte sich hinter die Meinung von MdL Otto Hünnerkopf: „Wenn ich kein Haus bauen will, lasse ich auch keinen Plan machen.“
Auch Sechser sah in der aktuellen Waldbewirtschaftung des Staates schlichtweg Raubbau. Trotzdem bleiben immer weniger Holzlose für die Einheimischen übrig, weil viel Totholz im Wald liegen bleibt.
Landtagsmitglied Gerhard Eck, gleichzeitig Vorsitzender des gegen den Nationalpark gerichteten Vereins „Unser Steigerwald“, fasste die Argumente gegen die Einrichtung zusammen: Halbierung der Übernachtungszahlen im Bayerischen Wald, Fremdbestimmung der Steigerwälder, stark eingeschränkte Holznutzung, Veränderungen in der Landwirtschaft und in der Jagd. Auf die Frage von Steffen Vogel, wie es weitergehe, sagte Eck, man werde sich Zeit lassen mit der Auswertung der Erfahrungen aus dem Biosphärenreservat Rhön, auf keinen Fall aber etwas über den Kopf der Bevölkerung entscheiden.
Europaabgeordnete Anja Weisgerber und Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär erklärten, weder Europa noch der Bund hätten bei der Entscheidung über einen Nationalpark mitzureden. Die liege einzig beim Bayerischen Landtag.
Sabine Weinbeer vertrat die Ansicht, der Nationalpark habe nur Alibi-Funktion, um anderswo um so mehr Raubbau treiben zu können.
In die „Gerüchteküche“ schickte Bernd Weiß, Staatssekretär im Innenministerium, die Vermutung, der Nationalpark Steigerwald diene als Ausgleichsfläche für die Erweiterung des Münchner Flughafens.
Thomas Karg (SPD) forderte schließlich eine umfassende Information der Bevölkerung aus allen Richtungen, „sonst diskutieren wir in fünf Jahren noch.“ BBV-Kreisobmann Klaus Merkl dagegen: „Der Steigerwald ist eine Kulturlandschaft und keine Naturlandschaft.“ Ohne Eingreifen des Menschen würde zum Beispiel die Buche die Eiche verdrängen, was zu Artensterben (beispielsweise beim Hirschkäfer) führe.
Ex-MdL Albert Meyer nannte es schließlich einen Unfug, so ein so kleines Gebiet wie den Steigerwald mit dem „hochtrabenden“ Namen Nationalpark belegen zu wollen.
Essenz: Fast alle CSU-Mandatsträger bestärkten die Steigerwälder in ihrem Widerstand gegen den Nationalpark und sicherten dazu ihre Unterstützung zu.