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Kreisbauerntag in Hofheim

Neue Presse Coburg

Landwirtschaftsamt hat den richtigen Standort
HOFHEIM - Der Kreisbauerntag führt jährlich alle zusammen, die Felder bewirtschaften, die Erzeugnisse kaufen und vermarkten oder die Bauern beraten. Am Freitag war es wieder soweit: die Landwirte des Landkreises trafen sich in der August-Först-Turnhalle in Hofheim. Ob die lichten Reihen auf Desinteresse zurückgingen oder ob es sich um einen stillen Protest der Bauern gegen die derzeitige Verwaltungsreform drehte, war nicht zu erfahren. Protestplakate von der Demonstration am Mittag in Haßfurt (die NP berichtete) grüßten von den Wänden, als die Besucher die Halle betraten.
Europaabgeordnete Dr. Anja Weisgerber konnte am wenigsten zu dem spärlichen Besuch, denn ihre ausgereifte Rede über die Arbeit im europäischen Parlament und Umsetzung zu den einzelnen Bereichen beinhaltete viele Informationen.
Zuvor eröffnete der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Reinhold Giebfried den Abend und begrüßte eine ganze Reihe Ehrengäste. Giebfried verwies in seinen Worten darauf, dass der Kreisbauerntag 2004 in eine gesellschafts-, agrar- und strukturpolitisch äußerst schwierige Zeit fällt, wo es Bauern genauso wie die Arbeitnehmerschaft hart trifft. Der Kreisobmann kam nicht darum herum, auch die Verwaltungsreform anzusprechen, die letztendlich den Fortbestand der Landwirtschaftsverwaltung und Beratungseinrichtungen im Landkreis Haßberge vernichten wird. Reinhold Giebfried betonte, dass diese befürchteten Auswirkungen nicht nur die Bauern, sondern auch den Handel und das Handwerk auf dem flachen Land treffen würde. Den "hohen Herren" in Regierung und Parlament in München rief Giebfried zu "Finger weg von den Verwaltungs- und Beratungseinrichtungen der Landwirtschaft".
Die Grußworte eröffnete stellvertretender Bürgermeister Wolfgang Borst, der sich beim BBV bedankte, dass der Kreisbauerntag 2004 in dieser aktuellen Zeit in Hofheim abgehalten wurde. Die vorgesehenen Strukturfakten sind für Hofheim nicht akzeptabel und hinnehmbar, sagte Borst, der allen Initiativen gegen die Auflösung des Landwirtschaftsamtes volle Unterstützung der Stadt zusagte. Stellvertretender Landrat Heinz Krönert bezeichnete die derzeitigen Vorgänge im Landkreis als Schicksalsschläge, die nicht verkraftbar wären. Angefangen hätte es beim Abzug der Bundeswehr bis hin zur Schließung von FAG in Eltmann. Dass nun auch noch das Landwirtschaftsamt abgezogen werden soll, ist ein harter Schlag, meinte Krönert, der seitens des Landkreises noch retten will, was gerettet werden kann. Er rief zum Zusammenhalt in der Not auf. Der Landkreis stellt sich auf jeden Fall laut Aussage von Krönert hinter die Bauern. Die Grüße des evangelischen Dekanats Rügheim überbrachte Pfarrer Matthias Westerhoff, der sich verwandtschaftlich der Landwirtschaft zugerechnet fühlt.
Jeder war gespannt, wie sich Landtagsabgeordneter Sebastian Freiherr von Rotenhan aus der Affäre ziehen wird. Auf seine bekannte Art hielt er auch mit seiner Einstellung nicht zurück und verteidigte vehement die angestrebte Verwaltungsreform. Die starken Eingriffe in seinem Stimmkreis gefielen ihm auch nicht, aber ohne Abstriche wird es auch hier nicht gehen, war seine Meinung. Für den Baron sei es nicht verständlich, dass überall demonstriert wird, wenn es um Einsparungen geht, aber beim Schuldenmachen jeder sein "Maul" hält. "Dieses Spiel mache ich nicht mit", sagte der Baron, der den Nachkommen keine Schuldenberge hinterlassen will. Die Alternative zum Sparen wäre dann eine mögliche Währungsreform, die auch keiner will, erklärte er. Von Rotenhan versicherte, dass die Verwaltungsreform im Landkreis nicht so durchgehen wird, wie es die Vorschläge vorsehen. Er forderte zum Zusammenhalt auf und meinte: "Wenn alles den Bach runtergegangen ist, könnt ihr immer noch auf mich einschlagen". Was dem Landtagsabgeordneten gar nicht gefiel, war die Wortwahl der Landwirte, wie beispielsweise Schicksalsschlag oder gar das Transparent mit der Aufschrift "Stoiber + Co – uns Bauern reicht‘s". Der Abgeordnete versprach, sich dafür einzusetzen, dass es im Landkreis zu keinem Kahlschlag kommt und in den ehemaligen Kreisstädten Hofheim und Ebern Ämterstrukturen erhalten bleiben. BBV-Bezirkspräsident Karl Groenen bezeichnete den Kreisbauerntag als ein Stück Tradition der Altvorderen und freute sich, dass auch die Geistlichkeit vertreten war, "denn wir brauchen Seelsorger in der Politik zur Balance, um die Werte wieder stärker einsetzen zu können". Im Gegensatz zu von Rotenhan sieht Groenen die Transparentaussage "Stoiber + Co - uns Bauern reicht‘s" als gerechtfertigt an, denn "uns reicht es wirklich". Er verwies darauf, dass die Gesellschaft sich verändern wird und weltweit zurzeit ein Umstellungsprozess stattfindet.
Gerade die Landwirtschaft könnte dabei ein Problemlöser sein. Allerdings eine deutsche Landwirtschaft im Haupt-, Neben- und Zuerwerb, die leistungsorientiert ist. Was die Landwirtschaft nicht braucht, sei ein Politik, die nur von Wahlperiode zu Wahlperiode ausgerichtet ist. Europaabgeordnete Dr. Anja Weisgerber stellte anschließend die Arbeit in Straßburg und Brüssel vor, wobei sie auch auf verschiedene Themenbereiche einging. Sie steht hinter der Verwaltungsreform, das Landwirtschaftsamt möchte sie jedoch in Hofheim belassen, um dort den Service zu haben, wo er auch gebraucht wird, auf dem Land und nicht in der Stadt.
"In den Reihen der CSU gibt es eine breite Allianz für den Landkreis Haßberge", versicherte Dr. Weisgerber. Sie meinte abschließend, dass die Landwirtschaft vor großen Herausforderungen steht, aber Pessimismus der falsche Weg wäre, darauf zu reagieren. Für die Politik stellte die Rednerin fest, dass eine zukunftsorientierte Politik nicht nur technologischer Fortschritt und ökonomische Effizienz heißen darf, sondern auch die Bewahrung dessen, was Leben in Bayern lebenswert macht. "Wir wollen Bayern als Land erhalten, in dem Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft zuhause und überlieferte Traditionen lebendig sind", so Dr. Anja Weisgerber.
Das Schlusswort hatte Bezirksbäuerin Astrid Baum, die sich bei allen bedankte, die den Abend mitgestaltet haben.