Frankenpost, 26. Juni 2008
Factory In – Europaabgeordnete Dr. Anja Weisgerber zu Besuch in Selb. Oberbürgermeister Kreil macht deutlich, dass die Stadt die Erweiterung um 10 000 Quadratmeter will. Bislang vom Freistaat nicht genügend unterstütz.“
Selb – Das Factory In in Selb will und soll wachsen. Das haben der Manager des Factory In, Thomas Steidl, und Obürgermeister Wolfgang Kreil, beim Besuch der Europaabgeordneten Dr. Anja Weisgerber in der ehemaligen Heinrich-Fabrik deutlich gemacht.
Das frühere Werksgelände, auf dem sich bis März 1999 die Fabrikaktion von Heinrich-Porzellan befand, habe in den letzte Jahren eine beachtliche Wiederbelebung erfahren, erläuterte Steidl der Abgeordneten. Durch die kommerzielle Nutzung des Areals seien bis heute zirka 140 Arbeitsplätze entstanden. Und deren Anzahl dürfte sich noch erhöhen, wenn die Pläne, das Factory In zu einem Factory Qutlet zu vergrößern, genehmigt werden sollten. Wie bereits berichtet, soll die Verkaufsfläche von derzeit zirka 8000 Quadratmetern um 100000 Quadratmeter auf dann rund 18000 Quadratmeter vergrößert werden. Dazu läuft derzeit ein „Zielabweichungsverfahren", nachdem die Regierung von Oberfranken die Pläne zunächst abgelehnt hatte, weil sie nicht den Zielen der Landesplanung entsprechen. Wolfgang Kreil gab der Abgeordneten mit auf den Weg, dass die Stadt diese Erweiterung wolle. „Sie geschieht aus eigener Kraft, ohne großartig Fördermittel zu beanspruchen."
Zur Kritik der Geschäftsführerin des Landesverbandes des Bayerischen Einzelhandels (LBE), Sabine Koppel, an den Planungen eines Werksverkaufs-Zentrums in Selb „Kritik an Selber Plänen" in unserer gestrigen Ausgabe hat Kreil inzwischen Stellung genommen. Dass neue Mitbewerber im Markt nicht freudig begrüßt werden, entspreche den Erwartungen. Allerdings könne es auch nicht Aufgabe der Politik sein, Mitbewerber vom Markt fern zu halten.
Die polemische Tonlage der veröffentlichten Stellungnahme sei unangebracht, so Kreil. Die Stellungnahme der LBE-Geschäftsführerin enthalte darüber hinaus eine Reihe von falschen Angaben. „Um nicht übereinander zu reden, sondern miteinander", hat der Selber Oberbürgermeister die LBE-Geschäftsführerin eingeladen, sich die Gebäude anzuschauen und angeboten, die Planungen vor Ort zu erläutern, um die weitere Diskussion auf eine sachliche Grundlage zu stellen. Der Oberbürgermeister hat der LBE-Geschäftsführerin gleichzeitig die Präsentation der BCD-Group übersandt, die im unmittelbar benachbarten tschechischen Asch unter anderem ein Geschäftszentrum mit 45 000 Quadratmetern Fläche plant und um eine Stellungnahme dazu gebeten.
Das in Selb geplante Zentrum ziele auch auf Kunden aus dem Nachbarland , die durch ein attraktives Angebot angezogen würden. Ganz Hochfranken werde davon einen Nutzen haben. Die offenen Grenzen und die hohe Mobilität erforderten eben neue Angebote, um im Wettbewerb mithalten zu können.
Die Einzelhandelslandschaft sei in ganz Deutschland einem Veränderungsprozess unterworfen, dem man sich anpassen müsse. Dabei sei nicht nur Größe, sondern auch Schnelligkeit eine Voraussetzung für den Erfolg, sagte der Oberbürgermeister.
Die Stadt Selb, so Kreil weiter, habe Tausende von Arbeitsplätzen in der Porzellanindustrie verloren, ohne dass staatliche Beschränkungen die Porzelliner vor der Konkurrenz bewahrt hätten. Die vom Freistaat Bayern nach Selb verlagerte Außenstelle des Amtes für Familienförderung sei mit 50 Arbeitsplätzen nur eine symbolische Geste gewesen, „aber kein wirklicher Ausgleich". Mit dem geplanten Zentrum sollen etwa 100 zusätzliche Arbeitsplätze im ersten Anlauf geschaffen werden, also doppelt so viele als durch den Freistaat Bayern." Wenn das Kuratorium Hochfranken mit finanziellen Mitteln des Wirtschaftsministeriums Beratungsbüros einschalte und Diskussionsrunden führe, welche Chancen die Region in Zukunft hat, dann mache das nur Sinn, „wenn wir unsere Chancen auch wahrnehmen können", so Kreil abschließend.