MainPost, 12. Dezember 2011
Sie beide sind sehr jung in die Politik gekommen. Welche Motivation hatten Sie?Anja Weisgerber: Es ist wichtig, sich in die Demokratie einzubringen. Als 18-Jährige habe ich die Politik von außen betrachtet, wollte aber nicht nur meckern, sondern auch selbst mitgestalten. Ich bin in die Junge Union und CSU eingetreten und habe mich von Anfang an für die Umweltpolitik interessiert. Das ist bis heute so geblieben.
(...)
Bei Ihnen Frau Weisgerber kommt neben der Generationsfrage hinzu, dass erstmals eine Frau das Amt des Kreisvorsitzenden ausübt. Wie sehen Sie Ihre Rolle dabei?
Weisgerber: Zwischen Frau und Mann würde ich gar keinen so großen Unterschied machen. Natürlich bin ich die einzige Kreisvorsitzende in Unterfranken und es ist für mich wichtig, Frauen für ein Engagement in der Partei zu gewinnen; deswegen habe ich in der Frauen-Union auch das Mentoring-Programm eingeführt. An manche Dinge geht man als Frau sicher anders heran. Das Wichtige ist aber, dass wir die bewährte Politik fortführen und neue Akzente setzen. Wir werden unser Engagement in den sozialen Netzwerken erhöhen. Ich sehe es aber ebenso wie Herr Töpper: Letztendlich macht es eine gute Mischung. Mir ist besonders wichtig, dass wir als CSU unser Motto „Näher am Menschen“ wirklich leben. Das heißt: Wir wollen uns für die Menschen in der Region einsetzen und möchten ihre Fragen und Anliegen hören. Bestes Beispiel dafür war das Familienfest auf dem Schweinfurter Schillerplatz. Wir sind die gestaltende Kraft im Landkreis und wollen das auch bleiben.
Ihr Vorgänger Gerhard Eck ist hier ein politisches Schwergewicht. Wie groß sind denn die Fußstapfen, in die Sie hineintreten? Und was werden Sie anders machen? Weisgerber: Die Fußstapfen sind schon groß. Gerhard Eck zeichnet sich dadurch aus, dass er sich als Dienstleister der Bürger versteht, und vor Ort unglaublich präsent ist. Die Frage der Bürgernähe ist natürlich für mich ein Maßstab, an dem ich mich orientieren will. Aber ich möchte auch die europäische Politik stärker vor Ort verankern, weil der Landkreis stark von der EU profitiert. Ich habe mich eingesetzt, das wir wieder Leader-Förderregion werden. In diese Projekte fließt rund eine Million EU-Fördermittel, die etwa bei der Ortskernrevitalisierung, dem Gewerbeflächenmanagement oder dem Umbau des Nordufers am Ellertshäuser See gezielt hier ankommt. Diese Verbindung herzustellen, ist das Neue.
(...)
Herr Töpper, Sie sind in der Arbeiterwohlfahrt (AWO) aktiv. Tut es nicht weh, dass die SPD im vorpolitischen Raum Probleme hat?
(...)
Weisgerber: Ich finde es sehr angenehm, dass man sowohl in der Kommunalpolitik als auch im Europäischen Parlament sehr pragmatisch und sachorientiert zusammenarbeitet. Da gibt es Parallelen.
Bei der Nominierung von Harald Leitherer zum Landratskandidaten hat es sehr viele Gegenstimmen gegeben. Irritiert es Sie nicht, dass dies im Verborgenen auf dem Stimmzettel geschehen ist und keiner seinen Unmut auch öffentlich zum Ausdruck gebracht hat?
Weisgerber: In der Fraktion ist offen über die Zusammenarbeit gesprochen worden. Es gab ja auch ein Interview Ihrer Zeitung mit dem Fraktionsvorsitzenden Arthur Arnold, der die Erwartungshaltung sehr deutlich zum Ausdruck gebracht hat. Der Landrat hat der Fraktion gesagt, dass er diesen Erwartungen gerecht werden will. Und dass der Landkreis hervorragend dasteht, bezweifelt niemand. Arbeitslosenquote, Arbeitsplätze und Kindertagesstätten sind nur wenige Beispiele von vielen. Es war den Fraktionsmitgliedern wichtig, über bestimmte Dinge sehr frühzeitig informiert zu werden, damit sie sich einbringen können.
Auffällig war im Vorfeld schon, dass Harald Leitherer offenbar alternativlos ist. Muss sich die CSU im Kreis Sorgen machen, weil es nicht so viel Personal gibt?
Weisgerber: Nein, muss sie nicht. Mit der fachlichen und sachlichen Arbeit des Landrats ist man sehr einverstanden. Das wird von allen Seiten der CSU anerkannt. Warum sollten wir einen anderen Landratskandidaten aufstellen? Wir stehen vor vielen Herausforderungen wie die Zukunft des Kernkraftwerks und dem Fachkräftemangel. Da brauchen wir einen erfahrenen Landrat, der gute Verbindungen nach München hat. Wir gehen zuversichtlich in die Wiederwahl.
Wenn es keine fachlichen und sachlichen Fragen waren, dann müssen es persönliche oder Stilfragen gewesen sein, wenn 25 Prozent der CSU-Delegierten ihn nicht wählen wollten.
Weisgerber: Ich stecke nicht in den Köpfen der Delegierten. Wenn jemand einer Fraktion vorsteht oder Landrat ist, dann muss man manchmal Dinge durchziehen, die auch auf Widerstand stoßen können und über die es andere Meinungen gibt. Harald Leitherer hat aber ganz deutlich gesagt, dass er auch diejenigen, die ihn nicht gewählt haben, wieder zurückgewinnen möchte. Zudem hat ihn die Fraktion einstimmig nominiert.
Das war in der Tat überraschend.
Weisgerber: Was heißt überraschend? Es gab Diskussionen, das hat man im Interview mit Herrn Arnold unzweideutig gemerkt. Und da gab es ein bereinigendes Gespräch. Dann kam die einstimmige Nominierung. Aber jetzt geht es doch darum, dass wir den Landkreis weiterhin erfolgreich führen. Als Kreisvorsitzende werde ich den Landrat nach Kräften unterstützen.
(...)
Bei der CSU hat man den Eindruck, dass Michael Glos nicht mehr für den Bundestag antritt. Das wäre doch für eine junge Mutter aus Schwebheim eine schöne Alternative zu den ewigen Reisen nach Brüssel und Straßburg.
Weisgerber: Herr Glos hat sich noch nicht geäußert, ob er antritt oder nicht. Die Entscheidung darüber muss jetzt noch nicht fallen. Da gilt das Gleiche wie bei der SPD: Die Delegierten entscheiden darüber.
Sie haben jetzt nicht nein gesagt.
Weisgerber: Das sind immer diese Ausschlussfragen der Journalisten . . . Wir werden diese Entscheidung zu gegebener Zeit treffen. Es gebührt der Respekt gegenüber dem amtierenden Bundestagsabgeordneten, dass man abwartet.
Den vollständigen Artikel finden Sie hier.