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„Knochen- und Traumjob in einem“

Blickpunkt, 23. Mai 2009

Anja Weisgerber CSU-Abgeordnete in Brüssel

Aschaffenburg/Schweinfurt. Anja Weisgerber hat momentan eine 80- bis 100-Stunden-Woche. Die „Anwältin Unterfrankens in Europa“, wie sich die Juristin selbst nennt, braust mit einem kleinen Wahlkampf-Auto von Termin zu Termin. Seit 2004 ist die Schwebheimerin (Kreis Schweinfurt) für die CSU im Europaparlament. Und da will sie nach dem 7. Juni auch bleiben.

Die 34-jährige ist Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Sie kämpfte unter anderem für den unterfränkischen Bocksbeutel, für den Äppelwein und für eine strenge EU-Spielzeigrichtlinie, die Kinder vor gesundheitsgefährdender Billigware aus Asien schützen soll.

Weisgerber sieht sich und ihre Abgeordneten-Kollegen nicht immer gerecht behandelt. „Ich wünschte mir, dass die Rolle der Europaabgeordneten positiver gesehen wird.“ Sie verstehe sich als Dienstleisterin. „Bei jedem Gespräch versuche ich, unterfränkische und bayerische Positionen einzubringen“, sagt sie fast ein bisschen trotzig.

„Familie ist mein großer Wunsch“
Die Diskussion um die Gehälter der Europaabgeordneten findet die 34-jährige unpassend. „Das ist ein Knochenjob. Das hat nichts mit dem Bild zu tun, das einige in den Köpfen haben“, sagt sie. Die EU-Parlamentarier seien mit den Bundestagsabgeordneten gleichgestellt. „Aber aus meiner Sicht kommt es nicht auf die Vergütung an. Es ist mein Traumberuf.“

2008 hat sie standesamtlich geheiratet, diesen Sommer soll die kirchliche Trauung erfolgen. Mit ihrem Mann, dem Physiker und Solarexperten Carsten Deibel, will sie Kinder: „Eine Familie ist mein großer Wunsch.“ Dass sie Familie und Beruf unter einen Hut brächte, steht für sie außer Zweifel. „Meine Mutter wird mich unterstützen. Außerdem gibt es in Brüssel exzellente Kindergrippen. Und mein Mann könnte auch tagweise von zu Hause arbeiten“, spielt sie verschiedene Möglichkeiten gedanklich durch. Außerdem gibt es in der Partei prominente Vorbilder: „Doro Bär hat ihr Kind in den ersten eineinhalb Jahren mit nach Berlin genommen“, sagt sie über die Frau, die jetzt Vize-Generalsekretärin ist.

Weisgerber hat 2004 Ursula Schleicher „beerbt“, die von der Gründung des Parlaments 1979 bis 2004 ohne Unterbrechung Abgeordnete war. Doch ein Selbstläufer ist das unterfränkische Mandat nicht: Voraussetzung ist, dass die CSU, die nur in Bayern antritt, die Fünf-Prozent-Hürde (bundesweit gesehen) übersteigt.