Auszug aus Mainpost, 17. Juni 2010
Ernährung: EU-Parlament stimmt gegen farbliche Warnung vor Fett und Zucker – Was für den Verbraucher wichtig ist
Was ist mit der Lebensmittelampel? Das EU-Parlament hat sich mit großer Mehrheit gegen eine farbliche Kennzeichnung auf Lebensmitteln ausgesprochen – die so genannte Ampel ist damit vom Tisch, zumindest in Deutschland. Sie sollte Verbraucher mit roten, gelben und grünen Balken auf der Verpackung darauf hinweisen, dass sie etwas kaufen, was relativ viel oder wenig Fett, gesättigte Fette, Salz und Zucker enthält. So hätte manche Cornflakes-Tüte eine rote Markierung für den hohen Zuckergehalt und eine gelbe für den ebenfalls recht hohen Salzanteil tragen müssen.
Warum hat die Ampel kaum mehr Aussichten?
Die EU-Kommission und die Bundesregierung sowie die meisten anderen Regierungen sind dagegen – und jetzt auch noch das EU-Parlament und das sogar mit einer satten Mehrheit. Selbst die Verfechter räumen ein, dass die Ampel deshalb politisch so gut wie begraben ist.
Wird der Verbraucher also künftig im Dunkeln
gelassen?
Nein. Er wird sogar umfangreicher informiert als bisher. Das EU-Parlament hat sich wie schon die EU-Kommission dafür ausgesprochen, dass der jeweilige Gehalt an Fetten, Salz und Zucker sowie an Energie (Kalorien) auf der Vorderseite aller Produkte angegeben werden müssen – und auch deren Anteil am täglichen Bedarf – gemessen an einer 40 Jahre alten Frau. Also erfährt der Verbraucher etwa, dass er mit einer Dose Cola bereits sieben Prozent des täglichen Kalorienbedarfs abgedeckt hat.
Was ist mit Analogkäse und Klebeschinken?
Alle Imitate müssen nach dem Willen des EU-Parlaments künftig auf der Vorderseite ausgewiesen werden – sei es Pflanzenfett statt Käse oder gepresste Formschinken-Kleinteile. Auch Avocadocreme, die weniger als ein Prozent Avocado in sich hat, soll demnächst nicht mehr erlaubt sein, erklärt die CSU-Europaabgeordnete Anja Weisgerber.
Wie weit sind Verbraucher gegen optische
Irreführung geschützt?
Packungen, auf denen Früchte abgebildet sind, sollen in Zukunft keine Produkte mehr schmücken, die nur auf Aromastoffen basieren.
Was ist mit Alkohol?
Alkohol hat, wie Besitzer eines Bierbauchs gewiss bestätigen, manchmal durchaus reichlich Kalorien und Zucker in sich. Doch das EU-Parlament hat trotzdem Alkoholika ausdrücklich ausgeschlossen. Die CDU-Abgeordnete Renate Sommer erklärt zur Begründung, Alkohol sei schließlich ein Genussmittel gehöre deshalb nicht in dieses Gesetz.
Wird der Brennwert in Joule angegeben?
Künftig wohl nicht mehr. Denn das EU-Parlament hat dafür gestimmt, demnächst nur noch die populärere Einheit Kalorie zu benutzen und damit eine Entscheidung vieler Länder und schließlich auch der EU von vor 40 Jahren zu korrigieren.
Was ist mit der Herkunft von Lebensmitteln?
Das EU-Parlament hat dafür gestimmt, dass auf jedem verpackten Fleisch, Fisch, Obst und anderen frischen Lebensmitteln ausgewiesen werden muss, wo es herkommt. Noch ist aber nicht klar, ob die nationalen Minister diesem Vorschlag folgen.
Wann treten die Regeln in Kraft?
Die EU-Kommission hat die Vorlage gegeben, das EU-Parlament hat sich positioniert, jetzt müssen noch die nationalen Minister ran. Frühestens Anfang 2012 wird die Verordnung daher gelten.