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Kein schmutziges Geschäft

Bayernkurier

EU-Abfallwirtschaft wird harmonisiert - Von Anja Weisgerber


Längst verbindet man in Deutschland mit dem Begriff Abfall mehr als stinkende Müllberge und schleimige Lebensmittelreste. Die Abfallwirtschaft ist bei uns schon lange kein dreckiges, die Umwelt verschmutzendes Geschäft mehr. Bezeichnungen wie Recycling oder Sekundärrohstoff spiegeln die erhöhte Wertschätzung wider, die der Müll hierzulande seit Jahren erfährt.

Leider sieht es nicht überall in Europa so aus. Trotz der Abfallrahmenrichtlinie aus dem Jahr 1975 wird in den EU Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich umgegangen mit den insgesamt 1,3 Milliarden Tonnen Abfall, die jährlich in der Europäischen Union anfallen. In Bayern werden 71 Prozent der Abfälle wiederverwertet (Deutschland 58 Prozent), in Großbritannien nur 15 Prozent. Die Zyprioten und Malteser sind Spitzenreiter beim Deponieren von Abfällen auf Müllbergen, wogegen die Niederländer ihren Abfall gerne verbrennen.
Zudem steigt die Abfallmenge in Europa überproportional an und überholt teilweise sogar das Wirtschaftswachstum. Global hat der Wettlauf um Rohstoffe längst begonnen. Die Möglichkeit, Abfall als Sekundärrohstoff zu nutzen, gewinnt daher immer mehr an Bedeutung.

EU Umweltkommissar Dimas hält daher ein modernes Abfallkonzept für Europa erforderlich, das zunächst auf der Vermeidung und dann auf dem Recycling, dem Verbrennen und zuletzt auf dem Deponieren basieren soll. Ihm schwebt vor, Europa mit der neuen Abfallrahmenrichtlinie, die in Brüssel gerade ausgehandelt wird, zu einer Recyclinggesellschaft zu entwickeln.

Was europaweit mit der Abfallstrategie eingeführt werden soll, ist in Bayern bereits Realität: So konnte zwischen 1990 und 2004 die Abfallmenge bayernweit um 5,5 Prozent gesenkt werden. Mit dem neuen Abfallwirtschaftsplan des Kabinetts wurden die Weichen in Richtung einer nachhaltigen Abfallpolitik gestellt worden.

Schon lange hat die Abfallwirtschaft große wirtschaftliche Bedeutung. Europaweit wird der Umsatz des Sektors auf über 100 Milliarden Euro jährlich geschätzt, die Branche bietet rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze. Bayern nimmt in diesem Bereich eine Spitzenstellung ein. Die Gewinnung von jährlich vier Millionen Tonnen Wertstoffe aus Abfall sichert Arbeitsplätze im Freistaat und hilft dabei, mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen schonend umzugehen.