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Interview: „Dieser Leitfaden öffnet die Tür“

Fränkischer Tag

Die Europaabgeordnete Anja Weisgerber stellt den EU-Förderleitfaden für Oberfranken vor. Gute Projekte hätten hervorragende Förderchancen – jetzt auch außerhalb des Grenzlandes.

Frau Dr. Weisgerber, wozu brauchen wir den Förderleitfaden, und warum gerade jetzt?
Weisgerber: Zu jedem der vielen europäischen Förderprogramme gibt es ein dickes Handbuch. Es existiert aber keine Zusammenfassung aller Pro- gramme in einem handlichen Heft. Und: Am 1. Januar 2007 hat eine neue Förderperiode für EU-Mittel begonnen, die bis 2013 läuft. Deshalb galten seither neue Fördergebiete und neue Förderregeln.

Wie ist die Idee entstanden?
Etwa die Hälfte aller Anfragen, die an mich gestellt werden, sind Anfragen zu Fördergeldern. Durch die Beantwortung all dieser Anfragen in den vergangenen zweieinhalb Jahren haben wir uns im Büro das Know-How zu den europäischen Förderprogrammen erarbeitet. Und wir haben immer eines vermisst: eine übersichtliche Darstellung dessen, was auf dem Markt ist.

Dieser Förderleitfaden für Oberfranken geht auf Ihre Veröffentlichung für Unterfranken zurück. Wie sind die Erfahrungen? Lohnt sich denn der Aufwand, einen Antrag zu stellen?
Wir haben in meinem Regierungsbezirk Unterfranken eine Umfrage unter allen Bürgermeistern und Wirtschaftsorganisationen gestartet. Ein Ergebnis dieser Umfrage war, dass über 90 Prozent derer, die Gelder beantragten, am Ende auch welche bekamen – dies hat uns Mut gemacht für unser Projekt.
Und deshalb wollten wir dieses Projekt auch in Oberfranken zur Verfügung stellen.

Worin unterscheidet sich der unterfränkische vom oberfränkischen Leitfaden?
Gemeinsam mit der Regierung von Oberfranken haben wir den unterfränkischen Leitfaden um einige Teile ergänzt und umgestaltet, um den Gegebenheiten in Oberfranken gerecht zu werden. Hier möchte ich Herrn Regierungspräsident Wenning und Herrn Pültz mit seiner Arbeitsgruppe ganz herzlich für ihr Engagement und ihre Unterstützung danken. Ganz besonders freue ich mich, dass Staatssekretär Dr. Wuermeling und das Forum Zukunft Oberfranken mit seinem Vorsitzenden Dr. Werner Schnappauf dieses Projekt unterstützen.

Was leistet der Leitfaden?
Er soll Hilfe zur Selbsthilfe sein. Er soll aufzeigen, was möglich ist, ohne falsche Versprechungen zu machen. Nicht jedes gute Projekt wird gefördert werden, denn die Mittel sind begrenzt. Aber der Leitfaden wird die Tür öffnen: Denn allein die Chance auf und die Information über eine Förderung ist mehr, als viele Unternehmen und Bürger heute haben. Zu jedem Programm finden Sie den Ansprechpartner und einen Link zu weiteren Informationen. Bei jedem Programm ist die Relevanz für Oberfranken herausgearbeitet.

Was sind wichtigen Änderungen bei der Förderung?
Die alte Fördergebietskulisse wurde aufgelöst. Das heißt, dass Brüssel nun nicht mehr durch die Einteilung in strikte Zielgebiete vorgibt, wo gefördert werden darf und wo nicht. Damit haben auch Gebiete eine Chance auf Förderung, die bisher kein Ziel-2-Gebiet waren. In Oberfranken sind dies die Stadtgebiete Bayreuth, Bamberg und Coburg. Und auch Phasing-Out-Gebiete, in denen die Förderung zurückgefahren wurde, wie Lichtenfels, Coburg-Land, Kronach, Kulmbach, Bayreuth-Land, Bamberg-Land und Forchheim sind nun wieder regulär in der Priorität-2-Förderung. Zudem kommt Oberfranken in den Genuss der für Bayern beschlossenen Grenzland förderung.