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Im Kampf um Macht und Geld sind Frauen die Verliererinnen

Main Post, 22. November 2010

»Im Kampf um Macht und Geld sind Frauen die Verliererinnen.« Das ist die Einschätzung der bayerischen Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU). Um das zu ändern, hat die Frauenunion Unterfranken in den vergangenen neun Monaten ein Mentoring-Programm »Frauen fördern Frauen« veranstaltet. Am Freitagabend war die Abschlussveranstaltung in Würzburg.

Haderthauer schwor die 19 Frauen, die als so genannte Mentees an dem Programm teilgenommen haben, auf den Alltag an der politischen Front ein. Dazu hielt sie ihnen einen Spiegel vor: »Frauen wollen weder Macht noch Geld, da ist was dran. Zu Macht haben wir ein unentspanntes Verhältnis, uns geht's nicht ums Geld, sondern um die Sache. Prahlen finden wir peinlich, wir machen das, was wir uns zutrauen.« Soweit die Bestandsaufnahme der Ministerin, selbst eine Spätberufene, die über Nacht von der Stadträtin in Ingolstadt zur Generalsekretärin der CSU aufstieg - und genau so schnell den Posten wieder los war, als die CSU bei den Landtagswahlen 2008 baden ging. »Männer hingegen sagen nie, dass sie etwas nicht können. Was bei einem Mann durchsetzungsstark ist, ist bei einer Frau hysterisch oder zickig.« Die 49-Jährige regt sich darüber auf, dass die schwangeren Generalsekretärinnen von SPD und CSU, Andrea Nahles und Dorothee Bär, sich fragen lassen müssen: Kind und Job - geht das? »Da würde ich am liebsten fragen: Kind abtreiben oder Posten abgeben?«, sagt Haderthauer, selbst zweifache Mutter, bitter. Sie schont die Frauen nicht: »Wir sind noch auf dem Pfad, Kompetenz ist männlich.« Außerdem seien Frauen untereinander die erbittertsten Gegnerinnen. »Wenn zwei Frauen gegeneinander antreten, kann sich der Mann gemütlich zurücklehnen. Er weiß, dass er den Job bekommen wird.« Haderthauer ermuntert ihre Geschlechtsgenossinnen zur »gemeinsamen Jagd«, wie es die Männer seit jeher tun.

Die wenigen Männer, die bei der Veranstaltung in Kloster Himmelspforten waren (und bis zum Schluss ausgehalten haben), zerreißen sich über Haderthauer bestimmt das Maul. Und wenn schon, selbst der Herrenverein CSU kommt an den Frauen nicht mehr vorbei, denn auf dem Parteitag wurde eine 40-prozentige Frauenquote für Spitzenämter beschlossen.

Auch Anja Weisgerber, unterfränkische Frauenunion-Vorsitzende und Organisatorin des Mentoring-Programms, ermunterte ihre Schützlinge, bei den anstehenden Wahlen auf Ortsverbandsebene anzutreten.

Die Nachwuchspolitikerinnen haben das Rüstzeug für eine Karriere in der Partei erhalten - doch bis Frauen in der CSU die Möglichkeit haben, nicht nur über die (wenig aussichtsreiche Liste), sondern per Direktmandat die Wahlkreise Aschaffenburg, Miltenberg/Main-Spessart in den Parlamenten zu vertreten, wird noch viel Wasser den Main hinab fließen.

Weisgerber, seit 2004 im Europaparlament, will im Frühjahr 2011, nach der Geburt ihres ersten Kindes, eine Neuauflage des Mentoring-Programms starten.