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Im Doppelpack nach Brüssel

Volksblatt, 08. Juni 2009


Weisgerber und Westphal vertreten Region in Europa – Verluste bei CSU und SPD

Stadt und Landkreis Schweinfurt werden künftig von zwei Europaparlamentarierinnen vertreten. Wie erwartet haben Anja Weisgerber (Schwebheim, CSU) erneut und Kerstin Westphal (Schweinfurt, SPD) erstmals am Sonntag die Fahrkarte nach Brüssel gelöst. Während die Genossin mit ihren Wahlkampfhelfern den Erfolg in der Stadt feierte, zog Weisgerber die Wahlparty der CSU in München vor. Eine CSU-Feier gab es deshalb nicht.



Westphals Einzug ins Europaparlament stand bereits nach Bekanntgabe der Prognosen für die SPD mit bundesweit über 21 Prozent fest. Die 46-Jährige kandidierte auf Rang 15 der Bundesliste, 24 Genossen haben es geschafft. In der Gaststätte Piran, unmittelbar neben ihrem Wohnhaus in der Krummen Gasse gelegen, warteten die Schweinfurter Parteifreunde auf ihre Wahlsiegerin. Kurz nach 19 Uhr erschien die gelernte Erzieherin, ihren Mann Gunther und die Kinder Dora (11) und Mathis (7) im Schlepptau. MdB Frank Hofmann und Schweinfurts SPD-Chefin Kathi Petersen waren erste Gratulanten.

Westphal sprach von einem lachenden und einem weinenden Auge und meinte ihren Einzug und das Ergebnis der SPD. Ihr Erfolg zeige aber, dass ihre Inhalte, die „Menschen mitzunehmen“, richtig gewesen seien. Die Veränderungen in ihrem Leben werde sie nur „Stück für Stück realisieren“, aber nach misslungenen Anläufen ist es „jetzt erstmal großartig“.

Die Endergebnis in der Stadt stand bereits um kurz nach 19 Uhr fest. Die CSU lag mit 44,61 Prozent vorne, verlor aber gut sechs Prozent. CSU-Stadtchef Hans Gerhard Stockinger freute sich dennoch „sehr“ über das Abschneiden in der Stadt und das wieder verbesserte Resultat im Land. Seine Partei könne und werde ihren Führungsanspruch damit weiter ausfüllen.

Verluste auch bei der SPD, die Partei kam aber mit 20,5 Prozent nahe an das Resultat im Bund. Die Wahlbeteiligung in der Stadt, die zur Mittagszeit das Schlimmste vermuten ließ, lag mit 37 Prozent knapp über den 35,5 Prozent von 2004, aber unter der bundesweiten Beteiligung von auch nur 42,1 Prozent.

Hofmann führte Westphals Erfolg auf ihren engagierten Wahlkampf und die gute Arbeit im SPD-Bezirk zurück. Sie habe sich gegen eine amtierende Europaabgeordnete durchgesetzt, „solche Leute mit Überzeugungskraft brauchen wir in Europa“, sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete. Petersen und SPD-Fraktionschef Joachim Schmidl freuten sich, dass es jetzt eine Europaabgeordnete aus den Reihen der Schweinfurter Genossen gibt, das werde der Partei einen Schub geben. Vom Abschneiden der SPD waren beide enttäuscht, wenngleich man im Vergleich zum Land noch immer gut dastehe. Ein Gradmesser für die Bundestagswahl im Herbst seine eine Eurowahl aber nicht. „Für das erste Mal zufrieden“, sagte Stadtrat Stefan Labus zum Scheitern seiner Freien Wähler.

Zeitgleich wartete die Verwaltungsspitze im Landratsamt auf die Resultate des Landkreises. Nach der ersten Hochrechnung im Fernsehen griff Landrat Harald Leitherer zum Telefon und sprach auf die Mailbox von Anja Weisgerber seinen Glückwunsch für eine weitere Legislaturperiode. Mit 56,5 Prozent sackte die CSU zwar um 5,6 Punkte ab, doch der stellvertretende CSU-Kreisvorsitzende Leitherer bezeichnete das Resultat „entgegen meinen Erwartungen als außerordentlich gut.“ Die Verluste seien relativ gering.

Für den Kreisvorsitzenden Gerhard Eck ist das Ergebnis Beleg dafür, dass der Abwärtstrend der CSU gestoppt ist, nachdem die Partei im Landkreis gegenüber der Landtagswahl 2008 (51,3 Prozent) zugelegt hat: „Die Kursverbesserung ist von den Bürgern akzeptiert worden.“

Noch gar nicht beendet ist die Talfahrt der Kreis-SPD, die nach 14,8 Prozent vor fünf Jahren nun bei 12,1 Prozent angelangt ist: In 13 Gemeinden hat sie gar nur einstellige Werte eingefahren. Das Desaster machte den Kreischef Peter Pfister ratlos. „Das ist wirklich kein gutes Ergebnis.“ Die Gründe lagen für ihn am Sonntag noch im Dunkeln. Dagegen strahlte Grünen-Sprecherin Elke Oechsner Zufriedenheit aus, nachdem sich ihre Partei leicht auf fast acht Prozent verbessert hat. „Unsere Erwartungen sind damit erfüllt.“

Was alle Parteienvertreter am Sonntag positiv würdigten: Die Wahlbeteiligung ist gestiegen; es gingen im Landkreis 3500 Menschen mehr zur Abstimmung als 2004.