Auszug aus Main Echo, 3. November 2009
Zwei Monate bevor zum Jahreswechsel die EU Hygiene-Verordnung gültig wird, sind in Unterfranken 61 Prozent der betroffenen Metzgereibetriebe auf der sicheren Seite. »Wir haben bisher 191 Zulassungen erteilt und entscheiden bis Jahresende noch über weitere 85 Anträge«, sagte Regierungsvizepräsident Andreas Metschke beim Treffen der »Arbeitsgruppe Europa«.
Bei weiteren 35 Betrieben, die sich bisher nicht um eine Zulassung bemühten, geht Metschke davon aus, dass sie »keine benötigen oder wollen«. Die EU Vorschriften sind bereits 2006 in Kraft getreten, zum Jahresende läuft die Übergangsfrist aus. Wer bis dahin keine Lizenz hat, darf nicht mehr selbst schlachten und muss seine Rohprodukte von zugelassenen Metzgern beziehen.
Obwohl die EU nach Einschätzung der CSU-Europaabgeordneten Anja Weisgerber »die Hygienevorschriften nicht neu erfindet«, gab es im Vorfeld mit der Umsetzung erhebliche Probleme. Offenbar auch, weil die Experten der Bezirksregierung unterschiedliche Vorstellungen über die Auslegung der Vorschriften hatten. Deshalb kam es im Sommer auf Initiative von Weisgerber und des Eschauer CSU Landtagsabgeordneten Berthold Rüth zu einem »Krisengipfel«.
»Seitdem gibt es eine einheitliche Linie und wesentlich mehr Zulassungen« sagte Weisgerber. Auch für den unterfränkischen Handwerkskammerpräsidenten und gelernten Metzgermeister Hugo Neugebauer sind die Probleme inzwischen gelöst.
Die höchste Zulassungsquote gibt es nach gestern veröffentlichen Zahlen der Regierung im Kreis Main-Spessart, wo 73 Prozent der Betriebe schon das EU-Siegel besitzen. Im Kreis Miltenberg können dies 66,7 Prozent, in Aschaffenburg Stadt und Kreis 64,7 Prozent der Metzgereien von sich behaupten.
In der Stadt Würzburg liegt die Zulassungsquote dagegen erst bei 14,3 Prozent. Auch der KreisKitzingen hinkt mit 40 Prozent hinterher. Aus diesem Bereich kommen überdies die meisten noch nicht entschiedenen Zulassungsverfahren.
Regierungsvizepräsident Metschke kündigte an, dass die bereits zugelassenen Metzgereien in den nächsten Wochen ein »Siegel mit Urkunde« erhalten: »Sie sollten damit offensiv werben«. Auch Handwerkskammer-Präsident Neugebauer sieht in der EU-Lizenz eine »Chance für die Zukunft«.
Der Arbeitskreis, der von Weisgerber und dem ehemaligen Europaminister Eberhard Sinner ins Leben gerufen wurde, bringt vier mal im Jahr Verbände und Politik zu aktuellen Europafragen zusammen. Rainer Reichert