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Harte Sommer-Themen

Bayernkurier

Sie wird wohl Deutschlands jüngste EU-Abgeordnete: Die 28-jährige Anja Weisgerber kandidiert für die CSU auf Platz 4.
Mit den Eltern in die Kirche, danach gemütlich Essen und Kaffee trinken. Und am späten Nachmittag will sich Anja Weisgerber mit dem Auto auf den Weg nach München machen, um bei der Wahlparty der CSU dabei zu sein. Was sie am Sonntag macht, das weiß die 28-jährige genau: Denn der 13. Juni wird für sie ein ganz besonderer Tag werden. An ihrem Einzug ins Europaparlament besteht kein Zweifel – Listenplatz 4 ist ein Garantieschein auf einen Sitz in Straßburg und Brüssel.
Schifffahrt auf dem Main, Radltour durch Unterfranken und Wanderung durch die Weinberge von Obernbreit ein Auszug aus dem Tagesprogramm der jungen Wahlkämpferin. Am Aschermittwoch hielt sie in Bad Kissingen ihre erste Rede, seitdem ist sie unermüdlich im Einsatz. Ein Termin nach dem anderen, meist nur vier Stunden Schlaf.
Im Wissen in jedem Fall dem neuen EU-Parlament anzugehören, kämpft sie seit Februar um Wählerstimmen. "Ich will den Vertrauensvorschuss nicht enttäuschen", begründet sie ihr Engagement. Ein großes Programm hat sie sich aufgeladen; neben vielen Parteifreunden unterstützt insbesondere der Vater – ein erfolgreicher Mittelständler – seine Tochter die anders als bereits amtierende Abgeordnete ohne Mitarbeiter auskommen muss.
Anja Weisgerber sorgt in Unterfranken für einen Kontrast Mit Ursula Schleicher, die seit der Parlamentsgründung vor 25 Jahren die Region vertritt, verlässt eine erfahrene Frau im Sommer die europapolitische Bühne. Mit der 28-jährigen Weisgerber folgt eine junge Frau, deren Wahlkampf geprägt ist von Lebendigkeit und Modernität.
Die klassische Rede im Gasthaus hat Weisgerber kaum gehalten. Per Power-Point-Präsentation versuchte sie, den Menschen die Europäische Union näher zu bringen. An Kreativität mangelt es der Juristin nicht: Die Liste der Aktivitäten ist lang. "Pizza, Pasta, Politik" hat sie ihre Vortragsreihe genannt. Italienische Schmankerl und Kabarett sorgten bei den Ausführungen der EU-Kandidatin für einen bunten Rahmen.
Richtung Brüssel ist sie durch den Regierungsbezirk geradelt und mit Europaminister Eberhard Sinner durch die Straßen gejoggt. "Nein", sagt die frühere bayerische Tennismeisterin vorbeugend, "dem Medienkanzler Schröder will ich nicht nacheifern." Vielmehr sei es in den vergangenen Monaten darum gegangen, auf die Europawahl aufmerksam zu machen. Denn auch Weisgerber weiß, dass sich viele Bürger nicht sonderlich für die Politik in Brüssel interessieren.
"Harte Themen im sommerlichleichten Gewand zu verpacken", das hat sie sich zum Vorsatz gemacht. Bei Jazzfrühschoppen und Kaffeenachmittagen versichert sie, sich für eine noch stärkere Bekämpfung der internationalen Kriminalität stark zu machen. Weiterer Schwerpunkt ihrer politischen Arbeit sind mittelständische Unternehmen, die laut Weisgerber künftig weniger durch Vorschriften belastet werden sollen. Ein "Herzensanliegen" ist ihr die Umweltpolitik, in der sie sich in der Eigenschaft als Vize-Landesvorsitzende des CSU-Arbeitskreises Umwelt engagiert. "Umweltschutz macht nicht an den Grenzen halt", sagt Weisgerber.
Europaabgeordnete zu werden, war im Lebensplan der Anja Weisgerber nicht vorgesehen. Als aber ihr Name bei einer Bezirksvorstandssitzung der Jungen Union fiel, konnte sie sich schnell damit anfreunden. Immerhin hat sie einige Zeit im Ausland studiert, spricht englisch und französisch – und fränkisch natürlich auch ein bisschen.
Nach parteiinternen Bewerbungsrunden und langem Wahlkampf steht sie nun kurz vor dem Ziel. In Brüssel und Straßburg spiele die Zukunftsmusik, ist Weisgerber überzeugt. Da sei es opportun, dass auch junge Leute im Parlament vertreten seien. "Immerhin ist jeder fünfte Wähler jünger als 35."
Den Vorwurf, für das Mandat zu jung zu sein, habe sie überraschenderweise sehr selten gehört. "Ich habe den Eindruck, die Leute finden’s gut, wenn auch ein paar Junge in Europa dabei sind.