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Handwerk ist das Rückgrat der Wirtschaft

MainPost, 04. Dezember 2012

In zweijährigem Turnus lädt die Handwerkskammer für Unterfranken in das Schweinfurter Konferenzzentrum zur Überreichung der Meisterbriefe an Jungmeister aus allen Handwerksberufen. Insgesamt 300 Urkunden wurden überreicht, 54 der Jungmeister wurden darüber hinaus mit dem Meisterpreis der Bayerischen Staatsregierung ausgezeichnet.

Zuvor gab es eine von Irina Hanft, BR-Regionalstudio Mainfranken, moderierte Podiumsdiskussion. Die Teilnehmer: Anja Weisgerber, Mitglied des Europäischen Parlaments, Paul Beinhofer, Hugo Neugebauer und der stellvertretende Geschäftsführer der Handwerkskammer, Frank Weth.

Wie steht das Handwerk zu Europa? „Wir stehen uneingeschränkt hinter der EU-Politik“, die Antwort von Neugebauer. „Aber, wir haben auch Forderungen.“ Dringend geboten sei der Abbau des überbordenden Bürokratie, „die Schreibtischentscheidungen belasten vor allem den Mittelstand.“ Weitere Forderungen des Handwerks betreffen die Meisterausbildung und die stärkere Berücksichtigung der Regionalität. Als gelernter Metzger befürwortete Neugebauer auch die Hygieneverordnung, allerdings mit der Einschränkung, dass auch hier zu viel Bürokratismus eingeflossen sei. „Alle Schlachter über einen Kamm geschert, große und kleine.“

Für die Europäische Politik betonte Weisgerber, dass das Handwerk wirklich das Rückgrat der Wirtschaft sei. Man müsse zwar die Spielregeln der EU einhalten, es sei aber geboten, dass sich die Kommission bei den kleinen Dingen heraushalte. Als Beispiel nannte Weisgerber die Diskussion um die Salzmenge im Brot und freute sich, dass in diesem Zusammenhang die geplante „Lebensmittelampel“ gekippt werden konnte. „Wäre diese so gekommen, hätte unser Vollkornbrot wegen des Salzgehalts die Rote Ampel erhalten.“ Sie kämpfe mit ihrer Fraktion dafür, dass die Besonderheiten der unterschiedlichen Betriebe und Betriebsgrößen mehr berücksichtigt würden und vor allem stehe Sie für das in Deutschland praktizierte System der Dualen Ausbildung. Zur Frage der Meisterpflicht betonte Weisgerber, dass dies keine EU-Sache sei. Wichtig sei die gegenseitige Anerkennung einer qualitativ hochwertigen Ausbildung, hier sei die Gleichstellung des Meisterbriefs mit einem Bachelor-Abschluss das Ziel.

Frank Weth stellte die Frage „Wie viel Europa brauchen wir eigentlich?“ Die in Brüssel erdachten Regelungen müssten für die Menschen der Region passen, der Mittelstand dürfe nicht zu kurz kommen. In Sachen Meisterpflicht, die ja in einigen Berufen gefallen sei, betonte Weth, dass die Motivation, diese Prüfung freiwillig abzulegen, weiter gefördert werden müsse. „Bei dieser Qualität lassen wir uns nicht ins Handwerk pfuschen.“

Paul Neugebauer zog die Trennlinie zwischen EU und Region bei den ausführenden Behörden. Die zuständigen Ämter müssen die Gesetze vollziehen, gleich ob EU- oder Bundesgesetze. Er betonte, dass eine Reihe von EU-Gesetzen durchaus Sinn machten, aber dann müssten die gleichlautenden Bundesgesetze endlich verschwinden. „In Fragen der Produktsicherheit zum Beispiel ist es in Ordnung, wenn die EU die Gesetzgebung macht, das Verfahren zur Durchführung muss aber vor Ort, zugeschnitten auf die Region geregelt werden.“ Dies gelte auch für die Tachografenpflicht: „Wenn ein Sprinter von Rumänien nach Frankreich fährt, dann muss kontrolliert werden, ob der Fahrer übermüdet fährt. Aber der Handwerker vor Ort kann da nicht in den gleichen Topf geworfen werden.“ Deutliche Kritik übte Beinhofer auch an der Lobbyarbeit: „Viele Gesetze werden von interessierten Fachgruppen erfunden.“

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