Anwältin mit Herz für unsere Heimat
Dafür stehe ich: Zuhören und Kümmern
Der Motor stottert: Wirtschaft ankurbeln
Migration begrenzen, Sicherheit stärken
Gesundheit und Pflege für alle sichern
Landwirtschaft stärken, Heimat lieben

Hallo Europa! Schweinfurts Frauen kommen

Volkszeitung

Dr. Anja Weisgerber für die CSU und Kerstin Westphal für die SPD kämpfen um jede Stimme

Schweinfurt Die Kandidatinnen für das Europaparlament in Straßburg, Dr. Anja Weisgerber (CS) und Kerstin Westphal (SPD), sind auf Wahlkampftour durch Unterfranken. Für Favoritin Anja Weisgerber ist es der erste Wahlkampf. Kerstin Westphal hat es als Genossin im schwarzen Unterfranken sowie schwer. Eine Sorge haben beide: Furcht vor einer zu niedrigen Wahlbeteiligung.
Weisgerber dürst mal im Jeep mit GPS, mal im (gesponserten)Wahlkampf-BMW durch die Lande, besucht Firmen, redet auf Parteiveranstaltungen; die "Gewürzpäckchen" der Schwebheimerin finden reißenden Absatz. Konkurrentin Westphal, die nach 1999 (30 Prozent) ihren zweiten Europawahlkampf bestreitet, reist mit Privat-Pkw und ganz altmodisch mit Straßenkarte. Dabei schaut die gebürtige Niede5rsächsin und zweifache Mutter, dass sie ihre Termine ballt: Firmenrundgang, Treffen mit SPD-Funktionären udn eine Parteiveranstaltung an einem Tag und einem Ort.
Westphal merkt man die Wahlkampf-Routine an. Sie ist locker, scherzt viel, stellt kritische Fragen, hört zu. Im Wahlkampf baut sie auf die Unterstützung ihrer Partei und auf die ihrer erfahrenen Wahlkampf-Managerin Ursula Kirmeier.
Weisgerber dagegen sammelt erste Wahlkampf-Erfahrungen – abgesehen vom Schwebheimer Kommunalwahlkampf. Sie wirkt ruhig, hört zu, stellt viele Fragen, manchmal wie in einer Vorlesung. Die 28-jährige Rechtsanwältin wuchert auch mit ihrer sportlichen Vita als ehemalige bayerische Tennismeisterin. Laufen, Wandern, Rad fahren stehen auf ihrem Wahlkampf-Kalender. Einen Manager hat sie nicht, sondern greife auf die CSU-Geschäftsstelle (Gerhard Schmitt), den JU-Kreisvorsitzenden Steffen Vogel (Haßberge) und auf "einen Medien erfahrenen Freund" zurück. Bei "Pizza, Pasta, Politik" wird sie von den Schwarze Elf-Akteuren Ludwig Paul und Fabian Wahler unterstützt.
Die Stadträtin und Erzieherin Kerstin Westphal sucht den Kontakt zur Jugend, feiert mit den Juses den Verfassungstag auf dem Würzburger Diskothekenschiff. Auf wirkliche Politpromis, abgesehen von den bayerischen Spitzengenossen Ludwig Stiegler und Florian Pronold kann die nach eigenen Angaben "reine Wahlkampf-Raucherin" aus Kostengründen nicht zurückgreifen.
An Weisgerbers Seite lassen sich hingegen Europaminister Eberhard Sinner und (zum Abschluss) sogar Ministerpräsident Edmund Stoiber sehen.
Gerade im Wahlkampf für Frauen besonders wichtig: Das Äußere! Friseur, Maniküre und Coaching stehen fest in Weisgerbers Kalender. Ihre Konkurrentin belässt es beim Üblich, will sich "wieder erkennen, so wie ich bin".
Kerstin Westphal stammt aus einem sozialdemokratischen Elternhaus und hat sich früher im CVJM engagiert. Weil sie sich als Jugendliche am Wochenende mit Freunden in einem eigenen Jugendhaus treffen wollte, schloss sie sich der "autonomen Jugendzentrumsbewegung" in Lünbeburg an. Ein Zuschussantrag an den dortigen Gemeinderat war für die damals 16-jährige der erste Kontakt mit der Politik und der SPD, zu der sie dann ging.
Dr. Anja Weisgerber stammt aus einem bürgerlichen Elternhaus. Ihre Eltern sind als Mittelständler im Gewürzhandel tätig, der Vater, der sie oft begleitet, ist zudem Holzschnitzer. In Schwebheim ist sie Nachbarin von Landrat Harald Leitherer. Weisgerber gründete den Schwebheimer JU-Ortsverband mit, saß im AK Umwelt der Landes-JU und sitzt aktiv im CSU-Kreisvorstand.
Bei Westphals zu Hause geht es international zu: Ihr Mann, Dr. Gunther Pestel, war Anästhesist im Leopoldina-Krankenhaus. Er arbeitete zuletzt in den USA, an der Washington University in St. Louis, und derzeit in einer Klinik in Bern. Ihre Kinder Dora (6) und Martis (3) wachsen zweisprachig auf; denn die Haushaltshilfe spricht italienisch. Für Kerstin Westphal kein Problem: die Kids seien das gewöhnt. Im letzten Sommer wohnte sie für vier Monate in den USA. Im Falle ihrer Wahl – sie steht auf dem nicht ganz sicheren Listenplatz 32 – will sie sich "so viel wie möglich im Wahlkreis aufhalten, um den Bürgern die europäischen Entscheidungen zu erklären."
Keine familiären Hindernisse stellen sich für die ledige Anja Weisgerber, die auch schon internationale Erfahrung vorzuweisen hat. Sie war für ein Auslandssemester an der Universität in Lausanne. Im Falle der Wahl – Weisgerber steht auf dem sicheren Listenplatz 4 – will natürlich auch sie als "Schweinfurts Anwältin in Brüssel" für die lokale Interessen kämpfen.