Main Echo, 05. Oktober 2010
CSU-Frauenquote: Anja Weisgerber sieht dringenden Handlungsbedarf - Junge Union Unterfranken strikt dagegen: Künstliche und aufgesetzte Debatte
»Ein gutes Ergebnis für die Frauen«, nennt Anja Weisgerber, Vorsitzende der unterfränkischen Frauen-Union, den Kompromiss, zu dem sich gestern der CSU-Vorstand in München durchgerungen hat. Die Frauen-Union war ursprünglich mit der Forderung angetreten, dass 40 Prozent aller Posten von Frauen besetzt werden. Die abgespeckte Version - 40 Prozent im Landes- und in Bezirksvorständen, auf den anderen Ebenen eine Soll-Vorschrift - ist ein Kompromiss. Fakt ist: Die Ausgangsforderung der Frauen-Union wäre beim Parteitag im November nie und nimmer mehrheitsfähig gewesen.
Weisgerber betont: »Es geht nicht nur um die Quote. Wichtig ist, den Frauen auch das Rüstzeug mitzugeben, sich im internen Wettbewerb durchzusetzen.« Die 34-Jährige aus dem Kreis Schweinfurt, die mit Michael Glos immer einen einflussreichen Förderer hatte, ist Initiatorin eines Mentoring-Programms, das den Frauen besagtes Rüstzeug mit auf den Weg gibt. Dass es Bedarf gibt, bestätigt Henriette Zimmer, die an dem Förderprogramm teilnimmt. »Man traut Frauen weniger zu, man gibt Frauen seltener die Chance.« Die 42-jährige Elektroingenieurin aus Aschaffenburg spricht vor allem von ihren beruflichen Erfahrungen. »Im Berufsleben musste ich mich 16 Jahre bewähren, bis ich eine Führungsposition bekommen habe. Ich habe das Gefühl, in der Politik könnte es etwas leichter sein, auch weil die Frauen in der Politik besser vernetzt sind. Wirkliche Gleichberechtigung gibt es meist nur auf dem Papier und als Lippenbekenntnisse«, sagt Henriette Zimmer. Im Berufsleben müsse man sich Sprüche anhören, »da traut man seinen Ohren nicht«. In der Politik sei es eher unterschwellig.
Dennoch lässt sich Zimmer von den rauen Sitten nicht abhalten: »Ich finde es erstrebenswert, in der Partei mitzubestimmen.« Die Frauen-Union könnte ein Anfang sein. Aber es sei wohl in der Politik wie in der Wirtschaft: »Viele Männer geben freiwillig nichts ab«, sagt die Abteilungsleiterin, die bei einem Energieunternehmen für Vertrieb Großkunden und Energiebeschaffung zuständig ist. »Dennoch gibt es immer wieder Männer, die uns Frauen unterstützen. Sonst wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.«
Marianne L'Alinec-Rittler (49) aus Alzenau, ebenfalls Teilnehmerin des Mentoring-Programms, ist »kein absoluter Fan einer Frauenquote«. Sie sieht aber auch: »Es wird seit zehn Jahren gefordert, dass der Frauenanteil steigt. Leider hat sich nichts getan. Das geht anscheinend nur mit Druck.« Bisher engagiert sie sich im Ortsverband Alzenau und hat seit Beginn des Mentoring-Programms im März erfahren, dass es für Männer und Frauen ein harter Weg ist, sich parteiintern durchzusetzen. Wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen, würden Frauen nicht gefragt. »Da muss man schon sagen: Ich will.«
Der Ortsverbandsvorsitzende von Marianne L'Alinec-Rittler ist der 33-jährige Alexander Legler. Dieser beklagt zwar zu wenige Frauen in der CSU und in der JU, sieht aber keinen Handlungsbedarf. »Wir arbeiten offen, jeder ist eingeladen. Wenn Frauen da sind und wollen, werden sie auch in entsprechende Ämter gewählt.« Die Quotendiskussion bezeichnet der stellvertretende unterfränkische JU-Bezirksvorsitzende als künstlich und aufgesetzt. »Man tut den Frauen keinen Gefallen, wenn man eine Quote einführt.«
Da ist er einer Meinung mit dem Bezirksvorsitzenden Boris Großkinsky. Der Beschluss der JU Unterfranken gegen eine Frauenquote sei einstimmig, so Großkinsky. Der Eichenbühler bringt das bekannte Argument: »Die CSU hat einen Frauenanteil von unter 20 Prozent, dementsprechend schwierig wäre es, 40 Prozent der Führungspositionen zu besetzen.« Da beißt sich die Katze in den Schwanz.
Weisgeber dachte anfangs auch, dass junge Frauen aus eigener Kraft in der CSU alles erreichen können. »Doch Frauen stoßen irgendwann an eine gläserne Decke«, ist ihre Erfahrung. Der Anteil von CSU-Frauen, die ein Abgeordnetenmandat haben, sei sogar seit 2002 noch weiter zurückgegangen. Für die Haltung der Jungen Union hat sie nur ein Kopfschütteln übrig: »Ich versteh's nicht! Es geht doch nicht darum, Quotenfrauen zu installieren.« Weisgerbers Analyse müsste auch den forschen JU-Mitgliedern zu denken geben: »Die Zukunftsfähigkeit der CSU hängt davon ab, ob wir es schaffen, mehr Frauen zu integrieren.«
(...)