Schweinfurter Tagblat
Anja Weisgerber (CSU) beerbt Ursula Schleicher
Schweinfurt: Das Wahlkampfauto mit ihrem Namenszug und dem Kennzeichen "SW-EU 2004" parkt sie frech in der Fußgängerzone, und auch sonst zeugt der Auftritt von Anja Weisgerber keineswegs von einem unterentwickelten Selbstbewusstsein. Spricht man die 28-jährige Spitzenkandidatin der unterfränkischen CSU für die Europa-Wahl am 13. Juni auf ihr Alter und fehlende Erfahrung an, dann nennt sie das eher vorteilhaft, sieht sich "jung, dynamisch, motiviert" und will gar nicht mehr aufhören mit der Aufzählung der vielen Ämter und Projekte, die sie seit 1995 in der Jungen Union und der CSU schon gestemmt hat.
Mit Platz vier auf der CSU-Liste ist der Schwebheimer Gemeinderätin die Nachfolge für Ursula Schleicher, die 25 Jahre im EU-Parlament saß, sicher. Einen symbolischen Stabwechsel soll es darum schon am 15. Mai beim Bezirksparteitag in Aschaffenburg geben.
Zu Weisgerbers Werbemitteln gehört auch ein Beutelchen mit einer scharfen Mischung aus Paprika, Pfeffer und Zwiebeln. Es steht für eine "gewürzte Politik", aber auch dafür, dass die Rechtsanwältin aus einer Familie stammt, die einen Gewürzhandel betreibt. Im Mittelstand kennt sie sich aus. Für ihn, den Weinbau, die Landwirtschaft will sie als Anwalt der Region in Brüssel eintreten, beispielsweise Förderkanäle erschließen. Ein zweiter Schwerpunkt soll auf der Energie- und Klimaschutzpolitik liegen.
Mit der gestrigen Pressekonferenz gab die unterfränkische CSU den offiziellen Startschuss für den Wahlkampf. Er wird viele traditionelle Elemente wie Weinbergswanderungen und Frühschoppen enthalten, aber auch neue Wege gehen. Zufrieden ist Bezirksgeschäftsführer Gerhard Schmitt mit dem Engagement in den 500 Ortsverbänden und dass eine der drei Abschlusskundgebungen seiner Partei am 8. Juni in Schweinfurt stattfindet. Hauptredner ist Ministerpräsident Edmund Stoiber.