Main Echo, 26. Januar 2011
Wenn Michael Glos nach 17 Jahren aufhört, wählt die Partei im Juli einen neuen unterfränkischen Bezirksvorsitzenden Würzburg Als er vor zwei Jahren als Bundeswirtschaftsminister hinschmiss, wollte Michael Glos (Prichsenstadt) auch die Führungsrolle bei der unterfränkischen CSU abgeben. Damals baten ihn seine Parteifreunde »Michel bleib«, worauf Glos (66) den Rücktritt vom Rücktritt als Bezirksvorsitzender vollzog.
Mitte dieses Jahres stehen bei der Unterfranken-CSU wieder Neuwahlen an. Diesmal heißt die Parole »tschüss Michel« und vermutlich auch »willkommen Gerhard Eck«. Der Staatssekretär im bayerischen Innenministerium aus Donnersdorf (Kreis Schweinfurt) gilt als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Glos, der seit 17 Jahren Bezirksvorsitzender ist.
Die Fäden dafür werden wohl auf der nächsten Bezirksvorstandssitzung gezogen. Sie war für den 29. Januar terminiert, wurde aber auf den 19. Februar verlegt. Dann soll auch entschieden werden, wann und wo der Bezirksparteitag stattfindet. »Voraussichtlich im Juli, der Ort ist noch unklar«, sagte CSU-Bezirksgeschäftsführer Gerhard Schmitt auf Anfrage.
Bis die Delegierten die Hand heben, können sich potenzielle Interessenten noch in Position bringen. In der ersten Startreihe steht derzeit der 51-jährige Gerhard Eck, den vor zwei Jahren noch niemand auf der Rechnung hatte. Dann wurde er überraschend für den zurückgetretenen Vorgänger Bernd Weiß ins Kabinett berufen.
Bodenständig und konsensfähig
Eck gilt als bodenständig und konsensfähig. Wenn die unterfränkische CSU ihn übergehe, schwäche sie ihr einziges Kabinettsmitglied und damit sich selbst, heißt es in Parteikreisen. Mit 51 ist Eck allerdings nicht mehr ein Kandidat für den ganz großen »Jugendstil«, den sich einige in der Partei wünschen.
»Frauenlösung gut vorstellbar«
Für ihn stehen die Namen Anja Weisgerber (34) und Dorothee Bär (32). Beide könnten auch den Wunsch von Landespräsidentin Barbara Stamm erfüllen. Schon als vor zwei Jahren über die Glos-Nachfolge spekuliert wurde, erklärte die stellvertretende CSU-Parteivorsitzende, sie könne sich »gut eine Frauenlösung vorstellen«.
Dabei hätte wohl die Schweinfurter Europa-Abgeordnete Weisgerber bessere Karten als Bär (Ebelsbach), die in ihrem Amt als stellvertretende CSU-Generalsekretärin blass blieb. Beide Nachwuchshoffnungen der Frauen-Union erwarten derzeit Nachwuchs und sollen unabhängig davon nicht mit aller Macht nach dem Amt streben.
Weisgerber schon deshalb, weil sie Barbara Stamm möglicherweise als stellvertretende CSU-Vorsitzende beerben könnte. Obwohl er mit 38 Jahren älter ist als seine beiden Parteikolleginnen, gilt der Würzburger Landtagsabgeordnete Oliver Jörg in Parteikreisen als »noch zu jung«. Er ist als CSU-Kandidat für die nächste Würzburger OB-Wahl im Gespräch. Ein Karrieresprung, der nicht vom Bezirksvorsitz abhängt.
Wie schon vor zwei Jahren wird außerdem der Name des Aschaffenburger Landrats Ulrich Reuter genannt. »Ein heller Kopf«, loben ihn Parteifreunde, was aber wohl nicht ausreicht, die Argumente für Eck zu entkräften.