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Migration begrenzen, Sicherheit stärken
Gesundheit und Pflege für alle sichern
Landwirtschaft stärken, Heimat lieben

Gemeindewappen ziert die Strampler

Fränkischer Tag, 19. Januar 2010

NEUJAHRSEMPFANG. Der Kreisverband der Jungen Union sucht die familienfreundlichste Gemeinde. Beim Treffen in Gemeinfeld stand die demografische Entwicklung im Mittelpunkt, aber auch andere Probleme wurden angesprochen.

Beängstigend: Immer weniger Kinder und immer mehr Senioren bevölkern unseren Landstrich, immer weniger junge Leute bleiben ihrer Heimat treu und immer mehr Häuser in den Dorfkernen stehen leer – die Bevölkerung in unserem Gebiet vergreist und Zeichen des Verfalls sind unverkennbar.
Da stellen sich Grundsatzfragen: Quo vadis Haßbergkreis – hat unsere Region eine Zukunft? Können die Politiker den Karren noch aus dem Dreck ziehen, oder stehen sie auf verlorenem Posten? Unter dem Motto „Haßberge 2010 –Wie fit ist unser Landkreis für die Zukunft?“, diskutierte die Junge Union (JU) bei ihrem Neujahrsempfang dieses brisante Thema.

Auf den voll besetzten Tischen des Gemeinfelder Sportheims dominieren die bayerischen Nationalfarben: Rautenförmige blau-weiße Tischtücher und Servietten. Bierdeckel mit zwei leicht bekleideten Mädels erlauben großzügige Einblicke und werben mit dem Wortspiel „JUng ist geil!“ Die Rückseite des Filzes reicht für einen Aufnahmeantrag.
JU-Kreisvorsitzender Sebastian Stastny aus Ebern konnte hochkarätige Politprominenz aus allen Ebenen begrüßen, standen kommunalpolitische Schwergewichte Rede und Antwort. Nachdem Jugendamtsleiterin Adelinde Friedrich aus Zeil die wachsenden Aktivitäten des Landkreises bei der frühzeitigen Kinderbetreuung sowie der Jugend- und Familienförderung erläutert hatte, erfrischte CSU-Kreisvorsitzender Steffen Vogel mit einer schonungslosen Analyse. Dabei mahnte er mehr Ehrlichkeit an, denn die Möglichkeiten der Politik seien begrenzt. Weder könne man die Arbeitsplätze herbeizwingen noch die Geburtenzahlen hochpushen.
Die entscheidende Frage sei, ob und wie man Abwanderung verhindern könne. Wer bleibe auf dem Land, wenn der Arbeitsplatz 50 km entfernt sei, wenn es keinen Zugang zur DSL-Datenautobahn gebe und wenn Theater und Kino stundenlange Anfahrten erfordern? Vogels Antwort: Nur derjenige, dessen Herz und Seele hier verwurzelt sind und den ein starkes Heimatgefühl an sein Dorf binde.
Gegen die anonymen Großstadtstrukturen setzt er auf das, was jeder Mensch braucht: enge Freundschaften, persönliche Beziehungen und die starke Gemeinschaft beispielsweise in Sportvereinen und Feuerwehr. Diese Werte seien das große Plus des ländlichen Raums, das dürfe man nicht schlecht reden, sondern gezielt fördern.
Vor diesem Hintergrund habe die JU den Wettbewerb um die familienfreundlichste Gemeinde auf den Weg gebracht. Neue Erdenbürger, wünschte sich Vogel, sollten vom Bürgermeister genau so herzlich begrüßt werden wie 80-jährige Honoratioren.

Wie wär`s mit einer Strampelhose, auf der das Gemeindewappen prangt, schlug er kreativ vor. Von der Politik wünschte er sich ein spezielles Infrastrukturprogramm für den ländlichen Raum. Die Initiativen zur Förderung der Familien von Seiten des Bundes und der Bayerischen Staatsregierung erläuterten MdL Dr. Bernd Weiss und die MdB Dorothee Bär. Wer sein Kind in eine Kinderkrippe schicke, gebe es nicht weg, trat Bär einem Vorurteil entgegen. Damit werde die elterliche Erziehung nur ergänzt. Kritische Worte galten den Kommunen, die weiterhin große Neubaugebiete ausweisen. Stattdessen sollte gezielt die Sanierung bestehender Bausubstanz in den Dorfkernen gefördert werden.
Europaabgeordnete Dr. Weisgerber betonte die enge Beziehung diverser EU-Förderprogramme zur kommunalen Ebene. Mit dem Leader- und Life- Programmen seien erhebliche Mittel zur Förderung von Wirtschaft und Tourismus sowie für den Naturschutz in den Kreis geflossen.
In der Diskussion beleuchtete Bürgermeister Karlheinz Denninger (Burgpreppach) die klamme Kassenlage der kleinen Kommunen. Da nützten auch Förderprogramme mit einem 50-prozentigen Zuschuss nichts, weil „der Rest fehlt“. MdL Weiss machte Hoffnung, dass ab 2011 Höchstfördersätze auf 80
Prozent steigen könnten.

Ärztemangel beklagt
Viele weitere Redebeiträge verdeutlichten, dass zahlreiche Probleme auf den Nägeln brennen: Angesprochen wurden das Fördergefälle zu Thüringen, die fehlenden Ortsumgehungen entlang der B279, die ausufernden Photovoltaik-Freiflächenanlagen, die Situation der Senioren sowie die mangelhafte Haus- und Notarztversorgung.