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Gelbes Licht für die Lebensmittel-Ampel

Handelsblatt, 16. März 2010

Die Hersteller von Lebensmitteln müssen künftig den Gehalt an Kohlenhydraten, Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz sowie Eiweiß und Ballaststoffen ihres Produkts pro 100 Gramm verbindlich angeben. Die ursprünglich geplante Kennzeichnung in Form einer Ampel mit den Farben Rot, Gelb und Grün wird aber nicht zur Pflicht.
Das hat der Umwelt- und Gesundheitsausschuss des Europaparlaments gestern beschlossen. Wie die Angaben zu den Nährwerten im Detail aussehen sollen, bleibt danach den Herstellern überlassen. Eine ursprüngliche Ampel in rot, gelbund grün ist nicht verpflichtend. Damit haben die Nahrungsmittelkonzerne einen Teilsieg errungen. Nun muss das Plenum des EU-Parlaments entscheiden. Da das Votum im Ausschuss zur Ampel denkbar knapp ausfiel, haben deren Befürworter - Sozialdemokraten, Grüne und Linke - die Hoffnung nicht verloren. Zudem ringen die Parteien noch um die Festlegung verpflichtender Portionsgrößen für die Angabe von Nährstoffen. Zum Schluss muss der Ministerrat der 27 Mitgliedstaaten die Verordnung absegnen.
Die neue Regelung ist heftig umkämpft:Im Januar 2008 hatte die EU-Kommission einen ersten Entwurf vorgelegt;das Dossier fasste bestehende Richtlinien in einem Dokument zusammen. 807 Änderungsanträge der Parlamentarier waren bei der gestrigen Abstimmung zu berücksichtigen.
Bis zuletzt war die Nahrungsmittelbranche gegen die Lebensmittel-Ampel Sturm gelaufen. Als Bevormundung der Bürger mit irreführender Aussagekraft galt sie Herstellern wie Kraft, Nestlé, Unilever, Mars und Coca-Cola.
In der größten Fraktion im EU-Parlament, der konservativen EVP, hatten die Produzenten einen Verbündeten. Als "wissenschaftlich nicht begründet" bezeichnete die Berichterstatterin im Umweltausschuss, Renate Sommer (CDU), die Ampel. Und ihre CSU-Kollegin Anja Weißgerber hielt die Ampel gar für kontraproduktiv:So erhalte eine Cola Light zwar beim Zuckergehalt einen grünen Punkt, der naturtrübe Bioapfelsaft dagegen einen roten: "Eine zu starke Vereinfachung führt die Verbraucher in die Irre". Das sehen Verbraucherschützer, Kinderärzte und Krankenkassen anders. Sie argumentieren, im Kampf gegen Übergewicht benötigten vor allem Familien aus sozial schwachen Schichten eine leicht verständliche Kennzeichnung.
Der neuen EU-Regelung zufolge sollen die Produzenten von Fleisch, Früchten und Milchprodukten künftig zusätzlich die Herkunft angeben. Ein besonderer Hinweis ist für gentechnisch veränderte oder behandelte Nahrungsmittel vorgesehen. Und Imitate bei den Zutaten müssen als solche erkennbar sein.