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Gefährliches Spielzeug: „Made in China“ verschreckt

Mittelbayerische Zeitung, 21. August 2007

Viele Eltern gehen jetzt auf Nummer Sicher / Ministerin Emilia Müller fordert: EU soll China Druck machen

Antonia (3) stürzte sich am Wochenende im Spielzeugladen begeistert auf die schönen bunten Sachen. Ihre Mutter aber hatte nur Augen für das Hersteller-Etikett. „Made in China“ fällt bei ihr künftig durch. Seit der Rückrufaktion von Mattel macht Isolde S. keine Kompromisse mehr. „Ich kaufe nichts mehr, was in China gefertigt worden ist.“ Eine typische Reaktion in diesen Tagen. Nachdem auch noch TOYS“R“US Lätzchen aus China zurückbeorderte, hat sich diese Einschätzung bei den meisten Eltern weiter verfestigt.

Trend zu Billig-Spielzeug

Chinesisches Spielzeug künftig zu meiden, ist aber schwer. Zwei Drittel der Ware in Deutschland wird inzwischen im Reich der Mitte produziert. Der Importwert lag 2006 bei 1,8 Milliarden Euro, 1996 waren es noch 500 Millionen Euro, sagt Ulrich Brobeil vom Verband der Deutschen Spielwarenindustrie. Ursache der Produktionsverlagerung sei der starke Wunsch der Verbraucher nach möglichst preiswertem Spielzeug. „Dieser Kostendruck wird von den Spielzeugfirmen an die Lieferanten weitergegeben.“

Zahlt Mattel jetzt dafür einen hohen Preis? Das Unternehmen gab gestern keine Auskunft darüber, wie hoch der Umsatzeinbruch ist. „Das kann ich im Moment gar nicht beantworten. Wir sind noch immer mitten in der Abwicklung der Rückrufaktion“, so Pressesprecherin Regina Meyer, die dieser Tage keinen leichten Job hat. Die Warnung galt weltweit 18,2 Millionen Spielzeugen: Betroffen waren Autos vom Typ „Sarge“, deren Farbe einen zu hohen Bleigehalt aufweist. Parallel gab es Probleme mit herauslösbaren Magnetteilen bei Polly Pocket, Doggie Day Care und einem Zubehörteil von Barbie. Eltern in den USA hatten sich beschwert: 500 Kinder verschluckten einen der Magneten, manche sogar mehrere davon auf einmal – drei der Buben und Mädchen mussten deswegen operiert werden. Bei Mattel hofft man nun, dass die Eltern zumindest anerkennen, dass das Unternehmen mit dem Rückruf alle Gefahren beseitigen will. „Hauptsache, den Kindern passiert nichts“, so Regina Meyer.

Doch die bayerische Europaministerin Emilia Müller stellt klar: „Der Rückruf von gesundheitsschädlichem Spielzeug ist kein Freundschaftsdienst, sondern pure Notwendigkeit.“ Zudem appelliert sie an die EU, auf China in bilateralen Gesprächen und bei WTO-Verhandlungen Druck zu machen. Es müsse klar sein, „dass die Einhaltung der hochwertigen EU-Qualitätsstandards und Sicherheitsvorschriften gerade auch bei Kinderspielzeug eine Grundvoraussetzung für die weitere erfolgreiche Zusammenarbeit europäischer und chinesischer Firmen ist“.

Importe stärker überwachen

Auch die gesundheitspolitische Sprecherin der CSU-Gruppe im Europäischen Parlament, Dr. Anja Weisgerber, meldete sich zu Wort. China-Importe müssten stärker überwacht werden, so die fränkische Abgeordnete. Notfalls müsse über schwarze Schafe ein Importverbot verhängt werden. „Fast die Hälfte aller in der EU gemeldeten sicherheitsbedenklichen Importe kommen aus der Volksrepublik China.“ Dies belege die Statistik des EU-Schnellwarnsystems RAPEX. Von den im ersten Halbjahr 2007 auffälligen 631 Produkten waren 280 „Made in China“. 177 der Fälle betrafen Kinderspielzeug, 41 weitere sonstige Artikel für Kinder. „Diese Zahlen sind alarmierend.“


Die Beben bei Mattel und TOYS“R“US bringt die gesamte Spielzeugbranche in Aufregung. Noch aber spüre man keine oder ganz wenige finanzielle Auswirkungen, heißt es bei Playmobil, Lego und dem Puppenhersteller Zapf Creation. Playmobil und Lego sind dabei in der bequemen Lage, dass sie nur ein bis drei Prozent ihrer Produkte in China produzieren lassen. Die Puppen der Zapf Creation („Baby born“, „Chou Chou“) stammen dagegen zu fast 100 Prozent aus dem Reich der Mitte. Sprecher Frank Elsner verweist auf langjährige, bisher stets problemlose Lieferantenbeziehungen. „Man darf jetzt nicht alles in einen Topf werfen.“ Bei Zapf werde die Qualität streng kontrolliert – an den Produktionsstätten in China, und dann noch einmal in Deutschland.

Der Verband der deutschen Spielwarenindustrie mahnt zur Besonnenheit. „Klar, dass das alles nicht schön ist für die Branche“, sagt Justitiar Ulrich Brobeil. Es gebe aber bei Spielzeug kein generelles Sicherheitsproblem – im Gegenteil. Die Qualität sei in Europa durch die EN-Norm 71 auf 200 Seiten umfassend geregelt. Das CE Zeichen bürge für Sicherheit, sei eine Art „Reisepass für den europäischen Binnenmarkt“. Zwar sei es richtig, dass sich die betreffenden Firmen dafür theoretisch die Unbedenklichkeit ihrer Waren auch selbst bestätigen könnten. „Doch in aller Regel bedienen sie sich externer Prüfinstitute.“ Rückrufaktionen gebe es zudem in allen Branchen. Brobeil erinnert an ähnliche Vorkommnisse bei großen Möbelherstellern, Nudelproduzenten und Automobilbauern.